Alibaba hat am Donnerstag Zahlen vorgelegt, die Anleger nervös gemacht haben. Die ADRs gaben vorbörslich zeitweise über 5 Prozent nach. Der Grund: Ein Gewinneinbruch, der selbst mit dem bekannten KI-Investitionsdruck nicht vollständig erklärt ist.
Sonderposten drücken das Ergebnis
Der Umsatz stieg im Berichtsquartal um 9 Prozent auf 268,95 Milliarden Renminbi. Der Nettogewinn brach dagegen um 75 Prozent auf 10,44 Milliarden Renminbi ein. Zwei Sonderbelastungen trugen maßgeblich dazu bei: eine Firmenwert-Abschreibung von 4,46 Milliarden Renminbi sowie eine Rückstellung für eine EU-Strafe unter dem Digital Services Act in Höhe von 550 Millionen Euro.
Die operative Marge fiel von 14 auf 6 Prozent. Das bereinigte EBITA, das Sonderfaktoren stärker herausrechnet, sank um 30 Prozent auf 27,33 Milliarden Renminbi — vor allem wegen der hohen Technologie-Investitionen, die parallel zur EU-Belastung anfielen.
Cloud liefert, KI-Apps kosten
Das neu geordnete Segment AI Cloud and Compute Services bleibt der Lichtblick. Der Umsatz kletterte um 45 Prozent auf 48,44 Milliarden Renminbi, das bereinigte EBITA legte um 133 Prozent auf 5,63 Milliarden Renminbi zu — die schnellste Wachstumsrate seit 22 Quartalen. KI-bezogene Produktumsätze wuchsen bereits das zwölfte Quartal in Folge dreistellig.
Auf der anderen Seite weitete sich der Verlust im Segment AI Labs and Applications, zu dem die Qwen-App gehört, deutlich aus: von 3,22 Milliarden auf 13,86 Milliarden Renminbi. Höhere Inferenzkosten und der Ausbau der KI-Modelle schlagen hier direkt durch.
Die Investitionsausgaben insgesamt stiegen um 75 Prozent auf 67,68 Milliarden Renminbi. Der freie Cashflow rutschte auf einen Abfluss von 44,67 Milliarden Renminbi, nach 18,82 Milliarden im Vorjahresquartal. Aktienrückkäufe fielen mit 162 Millionen Dollar entsprechend mager aus, weit unter dem Niveau früherer Quartale.
Das Kerngeschäft im chinesischen E-Commerce bleibt derweil unter Druck: Die Kundenmanagement-Erlöse sanken um 7 Prozent, bereinigt um einen Sondereffekt aus einem neuen Geschäftsentwicklungsprogramm wären sie um 1 Prozent gewachsen. Quick Commerce mit Taobao Instant Commerce und Freshippo wuchs dagegen um 45 Prozent und liefert damit einen deutlichen Wachstumsimpuls innerhalb der E-Commerce-Sparte.
Analysten bleiben trotz des schwachen Quartals mehrheitlich optimistisch: Sechs Häuser bewerten die Aktie mit StrongBuy, die Kursziele reichen von 172 bis 195 US-Dollar. Ob die Investoren diese Zuversicht teilen, dürfte sich daran entscheiden, wie schnell sich die Verluste im KI-Anwendungsgeschäft stabilisieren — und ob die EU-Belastung ein einmaliger Ausreißer bleibt oder Auftakt weiterer regulatorischer Reibung in Europa ist.
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