Alibaba-Aktionäre erleben einen beispiellosen Ausverkauf. Die Aktie notiert tief im überverkauften Bereich. Nun gibt es einen seltenen Lichtblick aus Washington. Ein Bundesgericht schützt den Konzern vorübergehend vor einem strikten Lobby-Verbot.
Das Pentagon hatte Alibaba im Juni auf seine schwarze Liste gesetzt. Diese spezielle Liste brandmarkt chinesische Militärunternehmen in den USA. Die direkte Folge: Alle US-Lobbyisten ließen Alibaba sofort fallen.
Jetzt ordnete eine Bundesrichterin eine Pause für dieses Verbot an. Das Gericht prüft aktuell die juristische Basis der Maßnahme. Wichtig: Dies ist nur ein Verfahrensaufschub. Die eigentliche Sanktion auf der schwarzen Liste bleibt bestehen.
Die entscheidende Frage
Für den weiteren Kursverlauf zählt nur ein Faktor: die Entwicklung des juristischen Drucks aus Washington. Richterin Lee entscheidet bald über die Zukunft der Sanktionen. Kippt sie das Lobby-Verbot, verschwindet ein massiver Unsicherheitsfaktor.
Bestätigt das Gericht hingegen die harte Linie des Pentagons, bleibt die Stimmung im Keller. Das operative Geschäft mit Cloud und KI rückt dann völlig in den Hintergrund.
Hinzu kommt ein weiterer aktueller juristischer Rückschlag. Erst kürzlich zahlte Alibaba 600 Millionen US-Dollar in einem Vergleich. Das US-Justizministerium hatte dem Konzern illegale Medikamentenverkäufe vorgeworfen. Die regulatorische Verwundbarkeit in den USA ist längst ein Dauerzustand.
Bullisches Szenario: Gegenbewegung trifft auf Rückenwind
Technisch ist die Aktie extrem überverkauft. Der Kurs schloss am Dienstag bei 85,90 Euro. Das bedeutet einen Jahresverlust von über 35 Prozent. Der RSI-Wert von 30,7 signalisiert eine übertriebene Abwärtsbewegung.
Der Aufschub aus Washington liefert nun den perfekten Auslöser für steigende Kurse. Er beseitigt das akute Risiko eines kompletten politischen Kontaktverbots. Richterin Lee nannte das Lobby-Verbot eine politische Quarantäne.
Ihre einstweilige Verfügung attestiert Alibabas Klage durchaus Erfolgschancen. Analysten sehen in diesem Szenario immenses Aufwärtspotenzial. Das Konsens-Kursziel liegt bei rund 167 Euro.
Bärisches Szenario: Die schwarze Liste bleibt
Das Gegenargument wiegt allerdings schwer. An den eigentlichen Sanktionen des Pentagons ändert sich nichts. Die Gnadenfrist läuft strikt bis zur nächsten Anhörung. Das US-Verteidigungsministerium will die Regelung vehement verteidigen.
US-Beamte nannten die Lobby-Beschränkungen vollständig verfassungskonform. Sie lenkten nur ein, damit das Gericht den Fall formell prüfen kann. Washington weicht also nicht kampflos zurück. Auch Baidu und BYD wehren sich aktuell vor Gericht.
Peking reagierte bereits mit Handelsbeschränkungen für 56 US-Firmen. Der technologische Kalte Krieg verschärft sich weiter. Der Aktienkurs zeigt diese strukturellen Probleme deutlich. Alibaba notiert knapp 31 Prozent unter der 200-Tage-Linie.
Ausblick
Solange das Gericht nicht final entscheidet, bleibt der Aufschub nur ein Stimmungsaufheller. Eine rein technische Gegenbewegung ist wahrscheinlich. Für eine nachhaltige Neubewertung braucht Alibaba jedoch einen echten juristischen Sieg. Alternativ müsste das Pentagon den Konzern komplett von der Sanktionsliste streichen.
Die nächste Anhörung ist für die Woche des 31. August angesetzt. Fällt das Urteil zugunsten von Alibaba aus, stützt das die bullische These. Zieht sich der Fall hin, drohen neue Tiefschläge. Ein Test des 52-Wochen-Tiefs bei 79,50 Euro bleibt dann ein realistisches Risiko.
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