Alibaba baut seine Künstliche-Intelligenz-Sparte grundlegend um. Nach dem Abgang des führenden Entwicklers hinter dem Qwen-Sprachmodell zieht das Konzernmanagement die Zügel direkt an sich – und die ersten kommerziellen Ergebnisse zeigen, warum der Druck so hoch ist.

Führungswechsel an der KI-Spitze

Den Anstoß für die Neuaufstellung gab der Rücktritt von Lin Junyang, dem bisherigen technischen Leiter der Qwen-Modelle. Als Reaktion hat Alibaba eine hochrangige Taskforce gebildet, die nun direkt von Konzern-CEO Eddie Wu, Group-CTO Wu Zeming und Alibaba Cloud-CTO Zhou Jingren geführt wird. Zhou Jingren übernimmt dabei zusätzlich die direkte Leitung des Qwen-Teams und des konzerneigenen KI-Forschungslabors Tongyi.

Gerüchte über einen kollektiven Rücktritt innerhalb der KI-Abteilung wies Alibaba öffentlich zurück. Stattdessen kündigte das Unternehmen höhere Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie eine beschleunigte Rekrutierung von Ingenieurtalenten an.

Qwen-Assistent mit starkem Nutzerwachstum

Parallel zur Führungsreorganisation liefert die kommerzielle Seite des KI-Geschäfts konkrete Zahlen. Während einer zweiwöchigen Kampagne rund um das Chinesische Neujahrsfest verarbeitete der Qwen-KI-Assistent knapp 200 Millionen Bestellungen – von Lebensmitteln über Flüge bis hin zu Veranstaltungstickets.

Besonders auffällig: Die täglich aktiven Nutzer der Anwendung sprangen von rund 17 Millionen vor dem Feiertagszeitraum auf 73,5 Millionen. Dieses Wachstum unterstreicht, wie schnell sich KI-gestützte Einkaufsassistenten im chinesischen E-Commerce etablieren.

Strategische Weichenstellung

Die direkte Einbindung von CEO und beiden CTOs in die Qwen-Entwicklung ist ein klares Signal: Alibaba behandelt seine KI-Infrastruktur als zentrales Wachstumsprojekt. Ziel ist es, die Technologie sowohl im Cloud-Geschäft als auch im heimischen E-Commerce als Differenzierungsmerkmal gegenüber dem wachsenden Wettbewerb zu etablieren.

Die Alibaba-Aktie hat seit ihrem 52-Wochen-Hoch im Oktober 2025 rund 29 Prozent an Wert verloren und notiert deutlich unterhalb ihrer gleitenden Durchschnitte. Ob die nun beschleunigte KI-Strategie den Kurs mittelfristig stabilisieren kann, hängt wesentlich davon ab, wie schnell die neue Führungsstruktur greift und ob das Nutzerwachstum bei Qwen über das Feiertagshoch hinaus trägt.