Chinas Cyberspace-Regulierer nimmt zwei einheimische KI-Labore ins Visier — und Alibaba steht mitten im Datenkomplex, der die Untersuchung ausgelöst hat.

Die Cyberspace Administration of China (CAC) hat Ermittlungen gegen DeepSeek und Moonshot AI eingeleitet. Der Vorwurf: Beide Unternehmen sollen sensible Nutzerdaten heimlich an Server von Anthropic weitergeleitet haben. Beamte sollen die Büros beider Firmen besucht und Führungskräfte sowie Mitarbeiter befragt haben — im Kern geht es um die Frage, ob polizeiliche, militärische und staatsnahe Unternehmensdaten auf US-Servern gelandet sind.

Anthropic-Bericht als Auslöser

Ausgangspunkt der Affäre ist ein 154-seitiger Bericht von Anthropic, veröffentlicht am 10. September. Darin wirft das Unternehmen sieben chinesischen KI-Laboren „illegale Distillation“ vor — also das Trainieren eigener, günstigerer Modelle mit Ausgaben von Claude über gefälschte Konten. Neben DeepSeek, Moonshot, Zhipu, MiniMax, SenseTime und Xiaomi wird auch Alibaba in dem Bericht namentlich genannt.

Die CAC hatte zunächst Vertreter aller sieben genannten Unternehmen vorgeladen, die Untersuchung inzwischen aber auf DeepSeek und Moonshot konzentriert. Sanktionen wurden bislang keine verhängt. Für Alibaba bedeutet das vorerst Entwarnung im engeren Sinne — der Konzern bleibt jedoch Teil der Vorwürfe, die das gesamte chinesische KI-Ökosystem unter Beobachtung stellen.

Die zeitliche Nähe zu politischen Terminen verschärft die Brisanz. DeepSeek soll diese Woche den UN-Sicherheitsrat zu KI-Risiken briefen, gemeinsam mit Anthropic-Chef Dario Amodei auf der Bühne — nur einen Tag vor dem Gipfeltreffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping am 24. September, bei dem KI-Politik ebenfalls auf der Agenda stehen soll.

Geschäft läuft unabhängig weiter

Während der Datenstreit die Schlagzeilen bestimmt, treibt Alibaba.com sein internationales B2B-Geschäft mit Agentic-AI-Werkzeugen voran. Eine aktuelle YouGov-Studie im Auftrag des Unternehmens zeigt: Im deutschen Mittelstand nutzen bereits 45 Prozent der Betriebe mit zehn oder mehr Mitarbeitenden KI-Agenten, unter jüngeren Entscheidern liegt die Quote sogar bei 33 Prozent. Die Plattform Accio, Alibabas Agentic-AI-Tool für Beschaffung und Handel, soll genau diese Zielgruppe adressieren.

Für Anleger bleibt die Gemengelage unübersichtlich: Die regulatorische Prüfung in China betrifft direkt zwar andere Anbieter, doch der zugrunde liegende Anthropic-Bericht hält auch Alibaba im Risikoradar. Ob die CAC ihre Untersuchung in den kommenden Wochen ausweitet, dürfte sich auch am Ausgang der Gespräche zwischen Washington und Peking ablesen lassen.