In der gnadenlosen Arena des chinesischen E-Commerce ragen zwei Giganten heraus, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Alibaba und JD.com. Während beide Konzerne den Markt dominieren, stehen Anleger vor einem klassischen Szenario, das an „David gegen Goliath“ erinnert. Doch wer hat heute, im Januar 2026, die besseren Karten? Diese Analyse blickt hinter die Fassade der Unternehmenszahlen und beleuchtet die fundamentalen Unterschiede.
Ungleiche Voraussetzungen: Goliath trifft auf David
Der erste Blick auf die nackten Zahlen offenbart ein massives Ungleichgewicht. Alibaba, der unbestrittene Platzhirsch, bringt eine Marktkapitalisierung von rund 390 Milliarden US-Dollar auf die Waage. Damit überragt der Konzern die Bewertung von JD.com (ca. 43 Milliarden Dollar) fast um den Faktor neun.
Diese Diskrepanz zeichnet ein klares Bild: Alibaba ist das etablierte Ökosystem, das von Online-Marktplätzen über Cloud-Computing bis hin zu digitalen Medien alles abdeckt. JD.com hingegen ist der Herausforderer – ein „David“, dessen Steinschleuder aus einem erstklassigen, hauseigenen Logistiknetzwerk und einem makellosen Ruf für Produkt-Authentizität besteht. Es geht hier nicht nur um Marktanteile, sondern um die Vorherrschaft über das bevorzugte Geschäftsmodell im Reich der Mitte.
Alibabas Burggraben: Masse und Marge
Alibabas Dominanz ruht auf drei gewaltigen Säulen. Erstens ist da der Skalenvorteil. Die Plattformen Taobao und Tmall bilden das Fundament des chinesischen Online-Handels. Je mehr Verkäufer sich dort tummeln, desto mehr Käufer werden angezogen – ein sich selbst verstärkender Kreislauf, der nur schwer zu durchbrechen ist.
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Zweitens verleiht diese Größe dem Konzern eine enorme Preissetzungsmacht. Da Alibaba keine eigenen Warenlager unterhält, sondern primär an Provisionen und Marketinggebühren verdient, glänzt das Unternehmen mit einem „Asset-light“-Modell. Dies ermöglicht historisch beeindruckende Profitabilität mit operativen Margen um die 15,5 %. Drittens bietet die Diversifizierung, insbesondere durch die Alibaba Cloud, einen entscheidenden zweiten Wachstumsmotor, sollte das Kerngeschäft ins Stocken geraten.
Der Konter von JD.com: Logistik als Waffe
JD.com macht gar nicht erst den Fehler, Alibaba auf dessen eigenem Terrain anzugreifen. Stattdessen nutzt der Konzern seine strategischen Trümpfe. Der wichtigste Angriffspunkt ist die vertikal integrierte Logistik. JD.com kontrolliert die gesamte Kette vom Lagerhaus bis zur Haustür („Last Mile Delivery“). Diese Kontrolle ermöglicht eine Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit, die für reine Plattformbetreiber kaum replizierbar ist.
Hinzu kommt der Fokus auf Authentizität. Da JD.com als direkter Händler auftritt, kann das Unternehmen die Echtheit der Waren garantieren – ein entscheidender Faktor bei Luxusgütern und Elektronik in einem Markt, der oft mit Plagiaten kämpft. Zwar drückt dieses modellbedingte Kostenkorsett auf die Margen, doch es schafft eine Kundenbindung, die Gold wert ist. Ein Blick auf das Kerngeschäft im Einzelhandel zeigt bereits eine verbesserte Profitabilität, was die Strategie bestätigt.
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Wackelt der Thron?
Der Boden unter den Füßen beider Giganten ist in Bewegung. Das deutlichste Warnsignal ist der schleichende Verlust von Marktanteilen bei Alibaba. Daten zeigen, dass Alibabas Anteil am chinesischen E-Commerce auf etwa 44 % gesunken ist, während JD.com rund 24 % hält. Doch Vorsicht: Aggressive Aufsteiger wie Pinduoduo haben sich bereits rund 19 % des Kuchens gesichert. Der Markt ist längst kein reines Duopol mehr.
Auch bei den Margen zeigen sich Risse und Chancen. Während Alibaba auf Konzernebene solide Margen hält, ist die Lage bei JD.com nuancierter. Zwar war die operative Marge auf Konzernebene im Quartal bis September 2025 aufgrund schwerer Investitionen negativ, doch das Kerngeschäft „JD Retail“ steigerte seine Marge auf 5,9 %. Die entscheidende Frage für Anleger lautet: Können diese Effizienzgewinne im Handel die teuren Zukunftswetten langfristig finanzieren?
Drei Szenarien für die Zukunft
Wie geht dieser Wirtschaftskrimi aus? Drei Szenarien erscheinen plausibel:
- Alibaba behauptet sich: Trotz Herausforderungen bleibt Alibaba dank Netzwerkeffekten und der profitablen Cloud dominant, auch wenn das Wachstum im E-Commerce nachlässt.
- JD.com gewinnt das Premium-Segment: Wenn chinesische Konsumenten Qualität und Geschwindigkeit über alles stellen, könnte JD.com bei hochwertigen Käufen überproportional profitieren und eine Neubewertung der Aktie auslösen.
- Die große Fragmentierung: Pinduoduo und Social-Commerce-Plattformen wie Douyin (TikTok) graben beiden Platzhirschen weiter das Wasser ab. Der Markt zersplittert, was Druck auf Wachstum und Margen für alle Beteiligten ausübt.
Quantitative Analyse
Bewertungskennzahlen
| Kennzahl | Alibaba | JD.com |
|---|---|---|
| KGV (Laufende 12M) | ~22,1x | ~9,9x |
| KGV (Erwartet) | ~16,6x | ~10,3x (GJ26 Schätzung) |
| EV/EBITDA | ~10,5x | ~6,9x |
| EV/Umsatz | ~2,8x | ~0,2x |
| Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) | ~2,7x | ~1,3x |
| PEG-Ratio | ~3,17x | ~0,7x |
| Free-Cashflow-Rendite | ~7,5 % | ~3,2 % |
Qualitätskennzahlen
| Kennzahl | Alibaba | JD.com | Einschätzung |
|---|---|---|---|
| Eigenkapitalrendite (ROE) | ~12,6 % | ~13,9 % | Beide solide, JD.com zuletzt leicht vorne. |
| Kapitalrendite (ROIC) | ~7,7 % | ~7,4 % | Beide zeigen moderate Renditen auf das Gesamtkapital. |
| EBITDA-Marge | ~18-20 % (Bereinigt) | ~2,1 % (Laufende 12M) | Alibabas Plattform-Modell ist deutlich profitabler. |
| Verschuldungsgrad (Debt/Equity) | ~0,30x | ~0,48x | Beide halten die Verschuldung in einem gesunden Rahmen. |
Wachstumsindikatoren
| Kennzahl | Alibaba | JD.com | Unterschied |
|---|---|---|---|
| Umsatzwachstum (Q3 ’25 YoY) | +15 % (exkl. Verkäufe) | +14,9 % | Fast identisches Umsatzwachstum zuletzt. |
| Gewinnwachstum je Aktie (Letztes Q YoY) | -24,57 % (EPS Überraschung) | -56,36 % | Beide stehen kurzfristig unter erheblichem Gewinndruck. |
| Erwartetes Wachstum (Nächstes GJ) | +44 % (EPS) | +24,2 % (EPS) | Analysten trauen Alibaba eine stärkere Gewinnerholung zu. |
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