Während der DAX-Versicherer operativ neue Vertriebswege erschließt, schlägt der eigene Chefvolkswirt Alarm. Ludovic Subran, CIO und Chefökonom der Allianz, zieht in einem Interview eine unbequeme Parallele: Der aktuelle Kapitalhunger der Tech-Branche erinnere ihn an die Dotcom-Blase im Jahr 2000. Mega-Börsengänge, gewaltige Kapitalerhöhungen und milliardenschwere Anleihen – aus seiner Sicht ein gefährlicher Cocktail für die globalen Finanzmärkte.
Warum der Kapitalhunger riskant wird
Subran stuft den Kapitalbedarf der KI-Konzerne nicht per se als irrational ein. Problematisch werde es aus seiner Sicht dann, wenn die Finanzierungswellen sich selbst verstärken und Bewertungen von der realwirtschaftlichen Basis abkoppeln – ein Muster, das er aus der Zeit um die Jahrtausendwende kennt. Als Chefvolkswirt eines der größten institutionellen Investoren Europas hat seine Einschätzung Gewicht, schließlich verwaltet die Allianz über ihre Asset-Management-Sparten Anlagevermögen in erheblichem Umfang.
Neuer Vertriebskanal über Joybuy
Operativ baut die Allianz derweil ihr Geschäft mit eingebetteten Versicherungen aus. Allianz Partners kooperiert mit Joybuy, der auf Europa fokussierten E-Commerce-Plattform von JD.com. Kunden in Europa und Großbritannien sollen Schutzlösungen künftig direkt im Checkout-Prozess hinzubuchen können, etwa gegen Schäden oder Diebstahl. Für den Konzern ist das ein Vertriebskanal mit vergleichsweise guter Ertragsqualität, da eingebettete Policen ohne aufwendige Einzelvermittlung verkauft werden.
Parallel zur Debatte um Kapitalmarktrisiken bringt sich die Allianz auch in die Diskussion um die deutsche Gesundheitsversorgung ein. Der Vorstoß, mehr Kapitaldeckung in der Gesundheitsversorgung zu verankern, soll nach Vorstellung des Unternehmens über Einsparungen im System finanziert werden – nicht über höhere Beiträge. Das positioniert den Konzern als Fürsprecher einer kapitalgedeckten Ergänzung zum bestehenden Umlagesystem, ohne die Lohnnebenkosten zusätzlich zu belasten.
Die beiden Stränge – Warnung vor überhitzten Tech-Bewertungen einerseits, Ausbau des eigenen Kerngeschäfts andererseits – zeigen ein Unternehmen, das sich auf mögliche Marktturbulenzen vorbereitet, während es operativ neue Erlösquellen erschließt.
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