Fünf Prozent Minus an einem einzigen Tag — und trotzdem sehen zwei US-Banken bei Almonty Industries mehr Potenzial als zuvor. Der Wolfram-Produzent steckt mitten im Übergang von der Bau- zur Betriebsphase seiner Sangdong-Mine in Südkorea. Genau dieser Schritt sorgt für neue Kursziele bei den Analysten.

Die Aktie notiert aktuell bei 22,16 kanadischen Dollar, nach einem Tagesverlust von 5,22 Prozent. Der Rückschlag wirkt heftig, relativiert sich aber im Jahresvergleich: Seit Januar steht ein Plus von 84,21 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von 239,88 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 33,35 kanadischen Dollar aus dem April ist der Titel trotz der Rally noch 33,55 Prozent entfernt.

Zwei Analysten heben Kursziele an

Am 10. Juli erhöhte DA Davidson sein Kursziel für Almonty von 25 auf 33 US-Dollar und bestätigte die Einstufung „Buy“. Begründet wird das mit Fortschritten am Sangdong-Projekt, einer möglichen Beteiligung der US-Regierung, einer soliden Bilanz und Rekordpreisen für Wolfram.

Oppenheimer zog nach und hob sein Kursziel von 22 auf 25 US-Dollar an, verbunden mit einem „Outperform“-Rating. Als Treiber nennt die Bank die anhaltend hohen Preise für Wolfram und Ammoniumparatungstat (APT). Die Nachfrage aus der Halbleiter- und Verteidigungsindustrie bleibt demnach robust.

Sangdong-Mine liefert erstmals Konzentrat

Der eigentliche Auslöser für die Neubewertung liegt in Südkorea. Almonty meldete am 1. Juli, dass die Aufbereitungsanlage der Sangdong-Mine den Durchsatzbetrieb aufgenommen hat. Damit produziert das Werk erstmals verkaufsfähiges Wolframkonzentrat.

Die Mine verlässt damit die Entwicklungsphase und geht in den umsatzwirksamen Betrieb über. Vor der Inbetriebnahme hatte Almonty rund 139.700 Tonnen Erz mit einem durchschnittlichen Wolframtrioxid-Gehalt (WO₃) von etwa 0,25 Prozent aufgehäuft. Dieser Vorrat deckt ungefähr 2,6 Monate der Phase-I-Verarbeitung ab und trägt beim aktuellen Wolframpreis einen rechnerischen Bruttowert von rund 68 Millionen US-Dollar.

Wolfram gilt als strategisch unverzichtbar für Rüstungstechnik, Panzerung und Elektronik. Regierungen im Westen suchen zunehmend nach Lieferanten außerhalb Chinas. Almonty positioniert sich genau in dieser Lücke.

Index-Aufnahme und Milliardenkapital

Zusätzlichen Rückenwind lieferte die Aufnahme in den Russell 1000® und den breiter gefassten Russell 3000® Index zum 29. Juni. Diese Index-Mitgliedschaft öffnet Almonty einem großen Kreis institutioneller Fonds. Passive Kapitalzuflüsse könnten die Folge sein.

Im Juni schloss das Unternehmen zudem eine deutlich überzeichnete Wandelanleihe über 700 Millionen US-Dollar mit Laufzeit bis 2031 ab. Die Kapitalausstattung wirkt damit vorerst gesichert.

Der aktuelle Kurs liegt 12,24 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 25,25 kanadischen Dollar. Der RSI von 43,7 signalisiert weder überkaufte noch überverkaufte Bedingungen. Die annualisierte Volatilität von rund 98 Prozent auf Sicht von 30 Tagen zeigt aber: Bei Almonty bleiben auch nach dem operativen Fortschritt kräftige Kursschwankungen die Regel, nicht die Ausnahme.