Almonty Industries veröffentlichte am Mittwoch eine sogenannte Cleansing Statement an der australischen Börse ASX. Solche Erklärungen sind Routine nach Aktienausgaben, sie informieren den Markt über alle wesentlichen Fakten. Der Zeitpunkt ist trotzdem bemerkenswert: Südkoreas Finanzmärkte taumeln, und Almontys Kernprojekt liegt genau dort.
Die Aktie notiert aktuell bei 21,36 kanadischen Dollar, ein Minus von 0,93 Prozent zum Vortag. An der ASX fiel der Titel im Tagesverlauf sogar um 4,86 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 4 Prozent zu Buche, über 30 Tage sind es fast 7 Prozent.
Ein Verlust mit besonderem Hintergrund
Für das Gesamtjahr 2025 weist Almonty einen Nettoverlust von 161,9 Millionen kanadischen Dollar aus. Der Großteil davon, 87,3 Millionen Dollar, stammt aus einer nicht zahlungswirksamen Neubewertung von eingebetteten Derivaten bei Wandelanleihen. Der Grund dafür klingt paradox: Der starke Kursanstieg der Aktie im vergangenen Jahr hat diese Bilanzposition aufgebläht.
Analysten lässt das bislang kalt. Vier Kaufempfehlungen und ein „Strong Buy“ stehen einem einzigen „Sell“ gegenüber. Der Buchverlust gilt am Markt offenbar als Randnotiz gegenüber der eigentlichen Wachstumsstory.
Wolfram wird knapp – und teuer
Diese Story heißt Wolfram. Der Preis für das Metall hat sich auf rund 3.100 Dollar pro Tonneneinheit katapultiert. Das entspricht einem Anstieg von 868 Prozent innerhalb von nur 18 Monaten.
Der Treiber ist ein globales Angebotsdefizit. Für 2026 rechnen Marktbeobachter mit einer Lücke von 12.000 Tonnen. Bis 2029 könnte sich diese Lücke auf 23.000 bis 25.000 Tonnen jährlich ausweiten.
China dominiert die Produktion mit einem Anteil von rund 80 Prozent im Jahr 2025. Genau das macht Almontys Sangdong-Mine in Südkorea strategisch wertvoll – sie zählt zu den wenigen bedeutenden Wolfram-Quellen außerhalb Chinas. Die Plansee Group warnte kürzlich ausdrücklich vor Wolfram-Schrott-Exporten aus westlichen Märkten und forderte mehr Rohstoffsicherheit im eigenen Land.
Südkorea belastet, Wettbewerber rüsten auf
Der KOSPI-Index brach am Mittwoch um 5,4 Prozent ein und rutschte damit in den Bärenmarkt. Almontys Sangdong-Mine liegt zwar in Südkorea, doch die Aktie bewegt sich in einem größeren Trend: Seouls Regierung priorisiert Verteidigungs- und Strategiemetalle, um die Abhängigkeit von der Halbleiterindustrie zu verringern.
Auch andere Wolfram-Produzenten kommen in Bewegung. Tungsten West bestätigte diesen Monat den Start der stufenweisen Produktionshochfahrung an der Hemerdon-Mine in Großbritannien, die volle Inbetriebnahme ist für das erste Quartal 2027 geplant. Guardian Metal Resources ging derweil eine Pilotpartnerschaft mit dem US Army Research Laboratory für die Wolfram-Verarbeitung im Verteidigungsbereich ein.
Die Kennzahlen zeigen das Ausmaß der jüngsten Korrektur. Almonty notiert 35,95 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 33,35 kanadischen Dollar, erreicht im April. Der Kurs liegt zudem 16,65 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 25,63 Dollar, ein RSI von 37,3 deutet auf eine überverkaufte Situation hin.
Auf Jahressicht bleibt die Bilanz trotzdem beeindruckend: ein Plus von 198,32 Prozent binnen 12 Monaten, seit Jahresbeginn stehen 77,56 Prozent zu Buche. Die aktuelle Schwäche wirkt damit weniger wie ein Bruch der Wachstumsstory, sondern eher wie eine Verschnaufpause nach einem außergewöhnlichen Lauf – befeuert von einem Wolfram-Markt, der strukturell knapp bleibt, und belastet von einem südkoreanischen Aktienmarkt, der gerade selbst mit einem Bärenmarkt kämpft.
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