Fast 250 Prozent Kursplus in zwölf Monaten — und noch immer schwankt die Aktie heftig zwischen Euphorie und Ernüchterung. Almonty Industries legt am Freitag um 4,54 Prozent zu und schließt bei 23,26 CAD, nach 22,25 CAD am Vortag. Auslöser ist der Start der Verarbeitungsanlage an der südkoreanischen Sangdong-Mine, dem Kernprojekt des kanadischen Wolfram-Produzenten.
Der Blick auf die Jahresbilanz zeigt das Ausmaß der Bewegung. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 93,35 Prozent zu Buche, binnen zwölf Monaten sind es 247,68 Prozent. Vom 52-Wochen-Tief bei 4,70 CAD im Juli 2025 hat sich der Kurs damit fast verfünffacht.
Ganz oben ist die Aktie trotzdem nicht angekommen. Sie notiert 30,25 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 33,35 CAD, das sie am 17. April 2026 erreichte. Auch der 50-Tage-Durchschnitt von 26,10 CAD liegt noch 10,88 Prozent über dem aktuellen Kurs — ein Zeichen dafür, dass die jüngste Erholung den Rückgang der vergangenen Wochen erst teilweise wettgemacht hat.
Lagerbestand als Bewertungsanker
Im Zentrum des Investoreninteresses steht derzeit weniger der Kurs selbst als der Rohstofflagerbestand am Sangdong-Standort. Zu aktuellen Wolframpreisen entspricht das enthaltene Wolfram im Lager rund 2,6 Monaten der Phase-I-Verarbeitungsmenge. Der geschätzte Bruttowert dieses Materials liegt bei etwa 68 Millionen US-Dollar.
Diese Zahl ist für Anleger zu einer Art Stoppuhr geworden. Sie zeigt, wie schnell die frisch angelaufene Anlage aus gelagertem Material tatsächlich Umsatz erzeugen kann. Je zügiger die Konversion gelingt, desto schneller dürfte sich der Kapitalmarkt von Zukunftsversprechen zu belastbaren Zahlen bewegen.
Die Analystenmeinung bleibt konstruktiv. Das aktuellste Rating lautet „Buy“ mit einem Kursziel von 25,00 CAD — nach dem Rückgang vom Aprilhoch liegt der aktuelle Kurs noch darunter, es bleibt also rechnerisch Luft nach oben. Allerdings zeigt die Bandbreite unabhängiger Fair-Value-Schätzungen, wie gespalten der Markt bei Almonty tatsächlich ist: Sie reicht von 0,67 CAD bis 61,02 CAD.
Hochlaufrisiko bleibt der entscheidende Faktor
Die Inbetriebnahme in Sangdong gilt als zentraler Treiber der Kursschwankungen. Ramp-up-Risiken, Kostenkontrolle und mögliche weitere Kapitalverwässerung stehen nach dem kräftigen mehrjährigen Kursanstieg weiterhin im Vordergrund. Das Management selbst beschreibt die aktuelle Phase als frühes Stadium mit noch niedrigeren Erzgehalten in der Zuführung.
Die Handelsvolatilität untermauert diese Einschätzung. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 90,88 Prozent, der 14-Tage-RSI bei 43,9 — die Aktie ist damit weder überkauft noch überverkauft. Der 200-Tage-Durchschnitt von 18,35 CAD liegt 26,79 Prozent unter dem aktuellen Kurs und macht deutlich, wie stark der langfristige Aufwärtstrend das Handelsbild der vergangenen zwölf Monate geprägt hat.
Mit aktiver Verarbeitungsanlage und der jüngsten Aufnahme in große US-Aktienindizes dürfte die Kursentwicklung von Almonty in den kommenden Wochen eng an die Produktionsdaten aus Sangdong gekoppelt bleiben. Entscheidend wird, wie schnell sich der Lagerbestand tatsächlich in verkaufsfähiges Konzentrat und damit in Umsatz übersetzt — begleitet vom strukturellen Rückenwind hoher Wolframpreise und westlichen Bemühungen, Lieferketten unabhängiger von China zu gestalten.
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