Während die chinesischen Inlandspreise für Ammoniumparawolframat binnen weniger Wochen um fast ein Viertel eingebrochen sind, hält sich der westliche Referenzpreis stabil. Für Almonty Industries, dessen Sangdong-Mine in Südkorea seit Juli Wolframkonzentrat produziert, ist diese Marktspaltung von zentraler Bedeutung.

Westlicher Preis hält, chinesischer Markt korrigiert

Der APT-Preis CIF Rotterdam für Material mit 88,5 Prozent Wolframtrioxid-Gehalt lag Ende Juli bei rund 3.075 US-Dollar je MTU und damit fast unverändert zum Vormonat.

Ganz anders das Bild in China: Der dortige Inlandsbenchmark fiel bis Anfang August auf umgerechnet knapp 79.732 US-Dollar je Tonne, nach rund 105.775 US-Dollar im Vormonat – ein Rückgang von 24,6 Prozent. Vorsichtiges Kaufverhalten und steigende Lagerbestände drücken den chinesischen Markt, während westliche Abnehmer offenbar bereit sind, die höheren Preise zu zahlen.

Almonty-Chef Lewis Black verwies in einem Kommentar vom 16. August auf strukturelle Angebotsengpässe, die durch strategische Lagerhaltung und Nachfrage aus der Halbleiterindustrie verschärft würden – ein Umfeld, das die Lücke zwischen angekündigten Minenprojekten und tatsächlicher Produktion vergrößere.

Diese Divergenz trifft auf eine Branche, die laut einer Analyse von S&P Global vom August strukturell unterversorgt bleibt: Minenkapazitäten außerhalb Chinas deckten 2025 nur rund 37 Prozent der weltweiten Nachfrage.

Bis 2030 soll die Nachfrage um zehn Prozent wachsen, während elf angekündigte Minenprojekte die Angebotslücke bestenfalls auf 16.000 Tonnen begrenzen könnten – eine unriskierte Schätzung, die viele Vorhaben noch als unsicher einstuft.

Sangdong als Stütze im engen Markt

Genau in diesem Umfeld positioniert sich Almonty mit der Sangdong-Mine. Die Anlage soll in der ersten Ausbaustufe eine Durchsatzkapazität von 640.000 Tonnen Erz pro Jahr erreichen und daraus rund 2.300 Tonnen Wolframkonzentrat gewinnen. Eine zweite Ausbaustufe mit einer Zielkapazität von 1,2 Millionen Tonnen ist bereits in Planung.

Untermauert wird das Wachstum durch den im Juli erweiterten Liefervertrag mit Global Tungsten & Powders: Die Laufzeit wurde um sechs Jahre auf insgesamt 21 Jahre verlängert, die Abnahmemenge um 40 Prozent erhöht und die Preise um rund 6,3 Prozent verbessert. Das jährliche Umsatzpotenzial aus diesem einen Vertrag beziffert Almonty auf bis zu 490 Millionen US-Dollar.

Ende Juni wurde die Aktie zudem in den Russell 1000 Index und den Russell 3000 Index aufgenommen – ein Schritt, der institutionellen Investoren mit indexnahen Mandaten den Zugang erleichtert und die Sichtbarkeit des Titels an der Nasdaq erhöht hat.

Kurs spiegelt operative Dynamik

An der Börse hat sich diese Gemengelage in einer außergewöhnlichen Kursentwicklung niedergeschlagen. Die Aktie notierte am Dienstag bei 16,20 Euro und liegt damit seit Jahresbeginn 104 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht sogar 340 Prozent höher.

Zum 52-Wochen-Hoch von 20,61 Euro, erreicht im April, fehlen derzeit noch 21 Prozent – ein Hinweis darauf, dass der Markt trotz der starken Rallye noch Potenzial nach oben sieht, sollte sich die operative Story rund um Sangdong und die günstige Preislage im Westen fortsetzen.

Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 92 Prozent bleibt der Titel allerdings ausgesprochen schwankungsanfällig – ein Faktor, den Anleger angesichts der Marktkapitalisierung von 2,72 Milliarden Euro und der noch jungen Produktionsgeschichte am Sangdong-Standort einkalkulieren sollten.