Rücksetzer an den Rohstoffmärkten treffen Minenwerte oft mit voller Wucht. Gestern verzeichnete die Aktie von Almonty Industries ein Minus von 6,8 Prozent und ging bei 10,80 Euro aus dem Handel. Der Grund für die Zurückhaltung der Marktteilnehmer liegt nicht in operativen Stillständen, sondern in den jüngsten Aussagen der Unternehmensführung zu den weltweiten Notierungen für Ammoniumparawolframat (APT).

Preisrückgang dämpft die Stimmung

Auf dem International Investment Forum trat Vorstandschef Lewis Black gestern vor die Investoren. Medienberichten zufolge bestätigte er dort, dass die Sangdong-Mine in Produktion ist, verwies jedoch zugleich auf nachgebende Preise: Die durchschnittlichen Notierungen für APT fielen demnach von etwa 3.050 auf 2.700 US-Dollar je metrische Tonneneinheit.

Für mich kommt dieser Dämpfer keineswegs überraschend, denn kurzfristige Preisschwankungen gehören bei Rohstoffen zum Alltag. Dennoch reagierte der Markt verschnupft. Wenn ein Branchenakteur fallende Verkaufspreise einräumt, rückt der Hebel auf die künftigen Margen schlagartig in den Vordergrund. Die Nervosität der Anleger ist nachvollziehbar, greift meines Erachtens jedoch zu kurz.

Operativer Fortschritt trotz Nebengeräuschen

Tatsächlich schreitet die Erschließung voran. Vor rund zwei Wochen meldete das Unternehmen die erste Wolframproduktion in Sangdong, wenngleich das Papier seither 7,2 Prozent einbüßte.

In einem Aktionärsbrief Ende September beschrieb die Gesellschaft neben der ersten Phase die laufende Entwicklung der zweiten Ausbaustufe. Zudem bestellte das Unternehmen vor gut einer Woche PwC als neuen Abschlussprüfer, nachdem Zeifmans zuvor das Mandat niedergelegt hatte.

Auch personelle Altlasten räumte das Management aus dem Weg. Am 2. Oktober meldete Almonty Industries eine Einigung mit Pure Tungsten, in deren Rahmen korrigierende Veröffentlichungen erfolgten.

Darin wurde klargestellt, dass Tiger Kim zu keinem Zeitpunkt eine Führungsposition oder ein Vorstandsamt bei Almonty bekleidete; seine Rolle als unabhängiger Auftragnehmer endete bereits am 31. Dezember 2015. Solche Klarstellungen sind wichtig, um juristische Nebenschauplätze endgültig zu schließen.

Strukturelles Defizit stützt den Ausblick

Entscheidend für die Bewertung bleibt das globale Marktumfeld. S&P Global beziffert die weltweite Wolfram-Minenproduktion außerhalb Chinas für das laufende Jahr auf rund 22.000 Tonnen enthaltenes WO3. Dem steht in diesen westlichen Märkten eine rechnerische Versorgungslücke von rund 21.000 Tonnen gegenüber.

Verschärft wird diese Schieflage durch geopolitische Weichenstellungen: Ab dem 1. Januar 2027 greifen strikte US-Verteidigungsbeschaffungsbeschränkungen für Wolfram aus China, Russland, dem Iran und Nordkorea.

Wer auf Almonty blickt, darf sich vom Gegenwind bei den Rohstoffpreisen nicht blenden lassen. Für mich überwiegen die strukturellen Argumente deutlich. Sangdong fördert Erz, westliche Abnehmer stehen vor regulatorischen Hürden beim Import aus China, und das westliche Defizit lässt sich kaum kurzfristig schließen.

Der gestrige Kursrutsch spiegelt kurzfristige Preissorgen wider – unterm Strich dürften jedoch die strategische Verknappung und die geopolitische Sonderrolle des Metalls das Bild bestimmen.