Die Aktie von Almonty Industries steht diese Woche unter Druck. Der Grund liegt nicht im Unternehmen selbst. Er liegt in Südkorea, wo der Leitindex KOSPI in einen Bärenmarkt gerutscht ist – und wo Almontys wichtigste Mine, Sangdong, betrieben wird.
KOSPI-Absturz zieht Almonty mit
Der KOSPI ist am Mittwoch erstmals seit seinem Rekordhoch im Juni um mehr als 20 Prozent gefallen. Damit gilt der Index offiziell als Bärenmarkt. Auslöser war eine Verkaufswelle bei Chip-Aktien mit Bezug zu Künstlicher Intelligenz.
Der Index brach um 5,35 Prozent ein und schloss bei 7.246,79 Punkten. Das liegt über 20 Prozent unter dem Rekordhoch von 9.114,55 Punkten vom 22. Juni. Samsung Electronics verlor über 7 Prozent, SK Hynix brach zeitweise um mehr als 9 Prozent ein.
Weil Almontys wichtigste Produktionsstätte in genau diesem Markt liegt, färbt die Unruhe direkt auf die eigene Aktie ab. Das hat nichts mit der Wolfram-Nachfrage zu tun. Sowohl die australische als auch die kanadische Notierung des Unternehmens gaben in der gleichen Handelssitzung deutlich nach.
Der Milliardenverlust erklärt sich aus dem eigenen Kursgewinn
Parallel zur Marktunruhe verdauen Anleger noch die jüngsten Jahreszahlen. Für das Geschäftsjahr bis zum 31. Dezember 2025 meldete Almonty einen Nettoverlust von 161,9 Millionen US-Dollar. Im Vorjahr waren es noch 16,3 Millionen US-Dollar.
Der Sprung erklärt sich fast vollständig durch einen nicht zahlungswirksamen Sondereffekt. Almonty musste eingebettete Derivate aus Wandelanleihen, die im vierten Quartal 2025 ausgegeben wurden, neu bewerten. Diese Neubewertung kostete 87,3 Millionen US-Dollar auf dem Papier.
Der Auslöser dafür ist paradox: der eigene Kurserfolg. Die Almonty-Aktie sprang von 1,36 kanadischen Dollar Ende 2024 auf 12,07 kanadische Dollar Ende 2025. Je höher der Aktienkurs steigt, desto teurer wird buchhalterisch das Wandlungsrecht der Anleihegläubiger – und genau das treibt den Buchverlust.
Das Unternehmen betont, dass dieser Effekt weder Cashflow noch operative Liquidität berührt. Es handelt sich um reine Rechnungslegung, nicht um ein operatives Problem.
Das Wolfram-Geschäft läuft unverändert
An den Fundamentaldaten für Wolfram hat sich nichts geändert. Almonty hat Anfang Juli die Verarbeitung in der Sangdong-Mine gestartet und damit den Sprung vom Entwickler zum Produzenten geschafft. Dieser Meilenstein fällt in eine Phase, in der sich das globale Angebot an Wolfram weiter verknappt.
China dominiert weiterhin die primäre Wolfram-Produktion und drosselt seine Förderquoten. Das hat die Preise für Ammoniumparawolframat im vergangenen Jahr deutlich nach oben getrieben.
Auch Almontys größter Aktionär, die Plansee Group, hat diesen Monat ihre Jahreszahlen vorgelegt. Das Unternehmen bekräftigte dabei sein langfristiges Interesse an Wolfram-Lieferungen aus Sangdong. Das ist ein Signal für anhaltende industrielle Nachfrage – unabhängig von der kurzfristigen Kursvolatilität.
Kurs und Geschäft laufen auseinander
Für Almonty-Anleger wiederholt sich damit ein bekanntes Muster. Operative Fortschritte in Sangdong wurden in der Vergangenheit immer wieder von externen Marktkräften überlagert – mal durch Dynamiken rund um die Wandelanleihen, mal durch indexgetriebene Handelsströme. Jetzt ist es ein koreanischer Bärenmarkt, ausgelöst durch Sorgen um Chip-Bewertungen im KI-Sektor.
Die aktuelle Kursschwäche hat mit Wolfram wenig zu tun. Sie ist eher eine Frage der Börsenadresse als der Geschäftsentwicklung. Als nächstes dürften Investoren auf die Produktionsdaten aus Sangdong schauen – sie werden zeigen, ob sich die operative Geschichte gegen den Marktlärm durchsetzen kann.
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