Der südkoreanische Sangdong-Komplex liefert nach jahrzehntelanger Unterbrechung wieder Wolframkonzentrat. Dennoch tut sich die Almonty-Aktie schwer, aus ihrer jüngsten Schwächephase auszubrechen.

Für mich offenbart die Gemengelage ein bekanntes Phänomen an den Rohstoffmärkten: Die operative Realität holt ambitionierte Erwartungen ein. Der Markt wiegt das Erreichen zentraler Meilensteine vorsichtig gegen die verbleibenden Risiken der Hochlaufphase ab.

Mit einem vorbörslichen Kurs von 12,03 Euro steht auf Sicht von 30 Tagen ein Minus von 21 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch trennt das Papier inzwischen ein Abstand von 42 Prozent. Dieser deutliche Rücksetzer markiert eine spürbare Neubewertung durch die Marktteilnehmer. Eine Phase hoher Vorschusslorbeeren ist damit vorerst ausgelaufen.

Anleger müssen nun differenzieren, welche Signale tatsächlich Gewicht haben. Die Herstellung von verkaufsfähigem Konzentrat belegt die technische Funktionsfähigkeit der Anlagen vor Ort. Doch der Übergang von den ersten gefüllten Exportsäcken hin zur dauerhaft profitablen Großserienförderung gilt im Minensektor traditionell als die heikelste Etappe. Genau an dieser Schnittstelle gerät die Zuversicht einiger Investoren ins Wanken.

Bereinigung abseits des Minengeländes

Zuletzt sorgten auch unternehmensinterne Meldungen für Bewegung. Mit Wirkung zum 29. September berief Almonty PricewaterhouseCoopers LLP zum neuen Abschlussprüfer und löste damit Zeifmans LLP ab. Ein Wechsel des Prüfers weckt am Kapitalmarkt reflexartig Argwohn. Das Unternehmen stellte jedoch klar, dass dieser Schritt nicht auf Meinungsverschiedenheiten über Rechnungslegung oder Prüfungsverfahren zurückgeht.

Hinzu kam am vergangenen Freitag eine juristische Richtigstellung. Pure Tungsten Inc. veröffentlichte im Rahmen eines Vergleichs eine korrigierende Mitteilung zu Tiger Kim. Demnach hielt dieser zu keinem Zeitpunkt eine Leitungs- oder Vorstandsfunktion bei Almonty.

Seine Tätigkeit als unabhängiger Auftragnehmer endete bereits im Jahr 2015. Solche Veröffentlichungen räumen zwar Altlasten aus dem Weg, lenken den Blick kurzfristig aber vom operativen Geschäft ab.

Unterm Strich sehe ich in diesen Punkten keine strukturelle Gefahr für die Unternehmensentwicklung. Es handelt sich um administrative Bereinigungen, die ein wachsendes Bergbauunternehmen bewältigen muss. Wer investiert ist, sollte sich von diesen Nebenschauplätzen nicht beirren lassen. Der fundamentale Wert entsteht in den Verarbeitungsanlagen in Südkorea.

Gespaltene Erwartungen bei Analysten

Wie unterschiedlich die Perspektiven ausfallen, verdeutlichte der Beginn der Berichterstattung durch zwei Analysehäuser vor rund zwei Wochen. Während Stifel die Aktie mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 25 US-Dollar versah, zeigte sich Goldman Sachs spürbar zurückhaltender. Die dortigen Analysten vergaben eine neutrale Einstufung mit einem Kursziel von 13 US-Dollar.

Goldman Sachs begründete die Zurückhaltung damit, dass der Markt die günstigen Bedingungen im Wolframsektor und den anspruchsvollen Zeitplan bereits einpreise. Stifel hob dagegen die künftige Förderleistung hervor. Diese erhebliche Differenz zwischen zwei etablierten Häusern bringt das Bewertungsdilemma auf den Punkt. Anleger fragen sich zu Recht, wie viel Optimismus die Aktie auf dem aktuellen Niveau noch tragen kann.

Fazit: Disziplin schlägt Euphorie

Operativ befindet sich das Projekt auf Kurs. Die Aufbereitungsanlage läuft an sieben Tagen pro Woche im Mehrschichtbetrieb, während ein Ausbau auf den Rund-um-die-Uhr-Betrieb vorbereitet wird. Für die zweite Phase peilt das Management bis 2027 eine Jahreskapazität von bis zu 1,2 Millionen Tonnen an. Gelingt dieser Hochlauf, besetzt Almonty außerhalb Chinas eine strategische Schlüsselposition bei einem kritischen Industriemetall.

Für mich überwiegen auf mittlere Sicht die Chancen dieser seltenen Wolframquelle. Kurzfristig dürfte die Aktie jedoch volatil bleiben, da der Markt jede Verzögerung im Hochlauf streng bewerten wird. Anleger benötigen daher Geduld und sollten den Blick auf die tatsächlichen Produktionsfortschritte richten.