Almonty Industries steht vor einer technisch entscheidenden Woche. Am Montag, den 29. Juni 2026, tritt die Aufnahme in die Russell-Indexfamilie in Kraft — ausgerechnet in einem Moment, in dem die Aktie unter erheblichem Verkaufsdruck steht. Der Schlusskurs von 23,00 CAD am Freitag markiert einen Rückgang von rund 31 Prozent gegenüber dem April-Hoch von 33,35 CAD. Die Frage ist, ob der erwartete Kaufdruck passiver Fonds ausreicht, um den siebentägigen Abwärtstrend von fast 14 Prozent zu stoppen.

Die entscheidende Kennzahl

Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 26,78 CAD — rund 14 Prozent über dem aktuellen Kurs. Diese Lücke ist der zentrale technische Maßstab für Montag. Schafft es die Aktie, sich durch das Indexrebalancing in Richtung 25,00 CAD zu bewegen, wäre das ein erstes Signal für eine Stabilisierung. Gelingt das nicht, rückt der 200-Tage-Durchschnitt bei 18,04 CAD als nächste Unterstützungszone in den Blickpunkt — aktuell noch rund 27 Prozent entfernt.

Der RSI liegt bei 40,9 und nähert sich überverkauftem Terrain. Historisch löst das aber nicht automatisch eine Gegenbewegung aus. Dazu kommt eine annualisierte Volatilität von gut 90 Prozent — ein klarer Hinweis darauf, dass der Markt die Ausführungsrisiken der südkoreanischen Projekte noch nicht eingepreist hat.

Bullisches Szenario: Strukturelle Nachfrage trifft Indexkäufe

Das langfristige Bild bleibt intakt. Wer vor zwölf Monaten eingestiegen ist, sitzt trotz der jüngsten Korrektur auf einem Plus von knapp 300 Prozent. Das 52-Wochen-Tief lag im Juli 2025 noch bei 4,70 CAD.

Der Rückenwind kommt aus dem Markt für feuerfeste Metalle. Das US-Energieministerium hat eine bedingte Darlehenszusage von 17,5 Milliarden Dollar für Westinghouse-AP1000-Reaktoren in Aussicht gestellt. Hochleistungskomponenten für solche Anlagen sind auf Wolfram und Molybdän angewiesen — beides Kernmaterialien im Portfolio von Almonty. Hinzu kommt die wachsende Nachfrage nach hochreinen Wolfram-Legierungen für 3D-gedruckte Hochentropie-Legierungen in der Luft- und Raumfahrt. Das strukturelle Defizit bei hochreinem Wolfram dürfte mittelfristig anhalten.

Die Indexaufnahme selbst könnte kurzfristig den entscheidenden Impuls liefern. Passive Fonds, die den Russell 2000 und Russell 3000 abbilden, sind verpflichtet, Almonty-Aktien zu kaufen. Das erhöht die institutionelle Liquidität und könnte die Lücke zum 50-Tage-Durchschnitt zumindest teilweise schließen.

Bärisches Szenario: Verwässerungsrisiko und technische Schwäche

Das größte Risiko ist struktureller Natur. Die Wandelanleihe über 800 Millionen Dollar sichert zwar die Finanzierung der Bergbauprojekte, schafft aber ein erhebliches Verwässerungspotenzial. Solange dieses Overhang über der Aktie schwebt, könnte jede Kurserholung auf Verkäufer treffen, die das Niveau zum Ausstieg nutzen.

Technisch zeigt die Aktie klare Schwächesignale. Der Freitagsrückgang von 1,29 Prozent hat den Kurs weiter unter den 50-Tage-Durchschnitt gedrückt. Der 30-Tage-Verlust beläuft sich auf über 18 Prozent. Wenn der Indexkaufimpuls am Montag nicht stark genug ist, um bestehende Verkaufsorders zu absorbieren, könnte die Aktie weiter in Richtung 20,00 CAD driften.

Das wäre ein klares Signal: Der Markt gewichtet das Kapitalverwässerungsrisiko höher als den Sichtbarkeitsgewinn durch die Indexaufnahme.

Ausblick: Montag als Liquiditätstest

Solange die Aktie rund 27 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt notiert, bleibt der langfristige Aufwärtstrend formal intakt. Der unmittelbare Test findet am Montag statt.

Zwei Szenarien stehen sich gegenüber. Gelingt es Almonty, das Niveau von 25,00 CAD — nahe dem 100-Tage-Durchschnitt — zurückzuerobern, wäre das ein belastbares Stabilisierungssignal. Rutscht die Aktie trotz der Indexkäufe weiter in Richtung 20,00 CAD, zeigt der Markt, dass das Verwässerungsrisiko die Oberhand behält.

Der entscheidende Indikator für institutionelles Interesse ist das Handelsvolumen am Montag. Ein deutlich erhöhtes Volumen bei steigendem Kurs würde bestätigen, dass passive Fonds tatsächlich absorbierend wirken. Bleibt das Volumen trotz Indexaufnahme niedrig, fehlt der Katalysator für eine nachhaltige Erholung.