Fabrik läuft an, Aktie bricht ein. Bei Almonty Industries driften operative Realität und Börsenreaktion gerade deutlich auseinander.
Der Wolfram-Produzent beginnt offiziell mit der Verarbeitung seines Erzvorrats an der Sangdong-Mine in Südkorea. Rund 139.700 Tonnen Erz werden jetzt prozessiert — der Übergang vom Bauprojekt zum tatsächlichen Produzenten ist vollzogen. Parallel dazu hat Almonty die Liefervereinbarung mit Global Tungsten & Powders (GTP) bestätigt verlängert: 21 Jahre Laufzeit, ein um 40 Prozent höheres Volumen.
Der Markt honoriert das nicht. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 18,51 CAD, ein Tagesminus von 5,95 Prozent. Auf Monatssicht steht ein Verlust von 28,75 Prozent.
Die entscheidende Frage: Hält die operative Story dem Chart-Druck stand?
Almonty steckt in einer technischen Zwickmühle. Der Kurs liegt aktuell 2,15 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 18,92 CAD — einer Linie, die oft als langfristiger Trendindikator gilt.
Vom 52-Wochen-Hoch aus dem April ist die Aktie 44,5 Prozent entfernt. Die zentrale Frage für Anleger: Bildet sich hier ein Boden, oder beginnt eine tiefere Korrektur Richtung des 52-Wochen-Tiefs von 4,36 CAD? Der gesicherte GTP-Vertrag über 4,41 Millionen MTU liefert dabei das stärkste fundamentale Gegenargument zur Charttechnik.
Bull-Szenario: Der einzige nicht-chinesische Produzent im Rampenlicht
Für die Optimisten zählt vor allem die strategische Positionierung. Almonty gilt als der führende Wolfram-Produzent außerhalb Chinas — in einer Phase, in der sich die Sorgen um die globale Rohstoffversorgung verschärfen. Die EU plant Berichten zufolge den Aufbau strategischer Wolfram-Reserven, was Almontys südkoreanische Produktion ins Zentrum der westlichen Rohstoffsicherheit rücken könnte.
Der erweiterte GTP-Vertrag soll rund 30 Millionen US-Dollar zusätzlichen Jahresumsatz bringen — mit einer Laufzeit bis 2047 eine ungewöhnlich planbare Einnahmequelle für einen Minenbetreiber. Der bereits vorhandene Erzvorrat wird auf etwa 68 Millionen US-Dollar Wert geschätzt und dient als Puffer, während die Verarbeitung hochgefahren wird.
Hinzu kommt ein struktureller Faktor: Seit dem 29. Juni ist Almonty in den Russell 1000 und Russell 3000 Indizes gelistet. Das dürfte die Sichtbarkeit bei institutionellen Investoren langfristig erhöhen.
Bär-Szenario: Charttechnik und neue Konkurrenz
Die Gegenseite verweist auf harte technische Fakten. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 102,68 Prozent, der Kurs notiert 25,37 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 24,80 CAD. Das kurzfristige Momentum bleibt damit klar negativ.
Konkurrenz entsteht zudem an mehreren Fronten. American Tungsten hat metallurgische Tests an der IMA-Mine gestartet, Großbritannien treibt das Hemerdon-Projekt voran. Noch schwerer könnte ein anderer Punkt wiegen: Analysten erwarten, dass der Preis für Ammoniumparatungstat (APT) von 2.850 US-Dollar pro MTU im Jahr 2026 auf 2.640 US-Dollar im Jahr 2027 sinkt. Das würde das Aufwärtspotenzial der gerade erst ausgeweiteten Lieferverträge begrenzen.
Ausblick: Sangdong-Zahlen als nächster Prüfstein
Solange die Aktie unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 18,92 CAD verbleibt, bleibt das Risiko einer weiteren Annäherung an das 52-Wochen-Tief erhöht. Der RSI von 35,0 deutet darauf hin, dass sich noch kein stabiler Boden gebildet hat.
Ein möglicher Wendepunkt zeichnet sich ab, sollten die ersten Verarbeitungsergebnisse aus Sangdong die erwarteten Erzgehalte von 0,25 bis 0,35 Prozent WO3 bestätigen. Der nächste konkrete Termin dafür: die ersten vollständigen Produktionsdaten aus einem Monat Sangdong-Betrieb.
Für eine echte Trendwende müsste die Aktie nachhaltig über die 24,80-CAD-Marke des 50-Tage-Durchschnitts zurückkehren. Erst dann würde der Markt wieder die volle Bewertung von 3,75 Milliarden Euro und das langfristige Potenzial des 21-Jahres-Vertrags einpreisen.
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