Die EU-Kommission nimmt Google an die Kandare. Am Dienstag leitete die Behörde zwei Präzisierungsverfahren ein, die festlegen sollen, wie der Konzern seine KI-Dienste und Suchdaten mit Wettbewerbern teilen muss. Konkret geht es um die Einhaltung des Digital Markets Act (DMA) – und die könnte teuer werden.

KI-Zugang wird zur Pflicht

Im ersten Verfahren fordert Brüssel von Google, Drittanbietern von KI-Diensten denselben Zugang zu Android-Funktionen zu gewähren wie dem eigenen Chatbot Gemini. Die Wettbewerbshüter wollen sicherstellen, dass Konkurrenten nicht durch technische Hürden ausgebremst werden. Teresa Ribera, Vizepräsidentin der EU-Kommission, betont: Künstliche Intelligenz verändere die Art, wie Menschen mit ihren Smartphones online nach Informationen suchen – und aus diesen neuen Möglichkeiten wolle man das Maximum herausholen.

Das zweite Verfahren zielt auf Googles Suchdaten ab. Der Konzern soll anonymisierte Ranking-, Anfrage-, Klick- und Ansichtsdaten zu fairen Bedingungen mit anderen Suchmaschinenanbietern teilen. Auch KI-Chatbot-Anbieter sollen darauf zugreifen dürfen, um Nutzern eine echte Alternative zur Google-Suche zu bieten.

Zeitdruck und Strafandrohung

Die Kommission gibt Google drei Monate Zeit für erste Maßnahmen, nach sechs Monaten soll der Prozess abgeschlossen sein. Weigert sich der US-Konzern, drohen Ermittlungen und Strafen. Clare Kelly, Googles leitende Wettbewerbsjuristin für Europa, reagierte zurückhaltend: Android sei von Grund auf offen konzipiert, man lizenziere bereits Suchdaten im Rahmen des DMA. Doch sie warnt: Weitere Regeln, oft getrieben durch Beschwerden von Wettbewerbern, könnten Privatsphäre, Sicherheit und Innovation beeinträchtigen.

Parallelen zu anderen Tech-Giganten

Alphabet steht mit seiner Prüfung nicht alleine da. Meta kündigte am Dienstag für WhatsApp einen High-Security-Modus an, der Nutzer vor hochentwickelten Cyberangriffen schützen soll. Apple hatte 2022 den „Lockdown Mode“ eingeführt, Android folgte mit einem „Advanced Protection Mode“. Die großen Tech-Konzerne reagieren zunehmend auf regulatorischen Druck und bieten optional strengere Sicherheitsfunktionen an.

Für Anleger bleibt die Frage: Wie teuer wird die Regulierung? Die Alphabet-Aktie zeigte sich am Dienstag fester, doch die langfristigen Auswirkungen der EU-Vorgaben auf Geschäftsmodell und Margen sind noch unklar.