Gleich an mehreren Fronten sortiert Alphabet seine strategischen Prioritäten neu. Während der Technologiekonzern in den Vereinigten Staaten eine drohende Zerschlagung seines Werbegeschäfts abwenden konnte, baut das Unternehmen parallel dazu seine Infrastruktur für künstliche Intelligenz mit externen Partnern massiv aus. Am Markt sorgen die juristischen Klarheiten und die expansive Ausrichtung für spürbaren Rückenwind.
Gerichtliche Auflagen statt Aufspaltung
Das Gericht verpflichtete das Unternehmen dazu, die Regularien für Online-Werbeauktionen zu lockern. Zudem muss der Konzern einen internen Kontrolleur für Kartellrechtskonformität ernennen.
Gleichzeitig wies der Richter Forderungen nach einer Zerschlagung der Werbetechnologiesparte ab, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Für den Mutterkonzern Alphabet fällt damit ein erheblicher Unsicherheitsfaktor weg, der die Bewertung des Werbesegments über Monate hinweg belastet hatte.
In Europa sieht sich das Unternehmen unterdessen mit anderen wettbewerbsrechtlichen Anforderungen konfrontiert. Bereits am 8. September hatte Google Anpassungen an den europäischen Suchergebnissen vorgenommen, um den Vorgaben der EU-Behörden zu entsprechen.
Der Konzern warnte in diesem Zusammenhang allerdings davor, dass diese Modifikationen die Nutzererfahrung beeinträchtigen und zugleich höhere Kosten für europäische Unternehmen nach sich ziehen könnten.
Milliardenprojekt für Cloud-Infrastruktur
Abseits der behördlichen Vorgaben forciert Alphabet den Ausbau seiner KI-Kapazitäten. Am Mittwoch wurde bekannt, dass ein Konsortium aus zehn Banken einen Kredit über 22 Milliarden $ bereitstellt. Die Mittel fließen Medienberichten zufolge in das neue Cloud-Projekt Crux AI, das Alphabet gemeinsam mit dem Finanzinvestor Blackstone betreibt.
Mit dem Vorhaben sichert sich der Technologiekonzern Zugriff auf hochmoderne Rechen- und Halbleiterkapazitäten. Kooperationen dieser Größenordnung verdeutlichen den enormen Kapitalbedarf, den führende Technologieunternehmen für das Training und den Betrieb komplexer KI-Modelle bewältigen müssen.
Analysten schrauben Kursziele nach oben
Die jüngsten Weichenstellungen stoßen in der Finanzbranche auf Zuspruch. Analyst Ivan Feinseth von Tigress Financial bekräftigte am Donnerstag seine Kaufempfehlung mit dem Votum „Strong Buy“. Zugleich hob er das Kursziel für Alphabet von 415 $ deutlich auf 485 $ an.
An der Börse reflektiert die Notierung den anhaltenden Aufwärtstrend der vergangenen Monate. Das Papier beendete den Handel am Freitag bei 303,85 Euro. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie damit einen Zuwachs von 14 Prozent.
Angesichts der entschärften Zerschlagungsdebatte in Übersee und der gesicherten Großfinanzierung richtet sich der Blick der Anleger nun darauf, wie effizient die neuen Rechenzentren im Cloud-Geschäft monetarisiert werden können.
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