Alphabet feiert bald einen historischen Meilenstein an der Wall Street. Parallel dazu braut sich in Europa massiver juristischer Ärger zusammen. Ein aktuelles Urteil aus München verändert die Spielregeln für Künstliche Intelligenz drastisch.

Haftung für KI-Antworten

Das Landgericht München I nimmt Google direkt in die Pflicht. Die Richter urteilten, dass der Konzern für falsche Aussagen seiner KI-Zusammenfassungen haftet. Google hatte argumentiert, lediglich als Host-Provider aufzutreten. Das Gericht wies diese Verteidigung zurück. Die sogenannten AI Overviews gelten nun als völlig neue, eigenständige Aussagen.

Die Folge: Google darf bestimmte Falschbehauptungen über einen Verlag nicht weiter verbreiten. Bei Verstößen drohen Ordnungsgelder von bis zu 250.000 Euro. Der Konzern will gegen das Urteil in Berufung gehen. Das Risiko für Verleumdungsklagen steigt branchenweit.

Braindrain belastet den Kurs

An der Börse reagieren Investoren nervös. Die Alphabet-Aktie schloss am Donnerstag bei 302,15 Euro. Auf Monatssicht verzeichnet das Papier ein Minus von fast zehn Prozent. Der RSI-Wert von 37,8 signalisiert einen überverkauften Bereich.

Personelle Abgänge belasten die Stimmung zusätzlich. Wichtige Entwickler des KI-Modells Gemini planen offenbar ihren Abschied. Jonas Adler und Alexander Pritzel wechseln laut Berichten zu Konkurrenten wie OpenAI. Zuvor hatten bereits Spitzenforscher wie John Jumper das Unternehmen verlassen. Startups locken Top-Talente mit lukrativen Aktienpaketen.

Teurer Weg in den Dow Jones

Trotz dieser Hürden rückt Alphabet am 29. Juni in den Dow Jones auf. Der Tech-Gigant verdrängt dort Verizon. Dieser Schritt löst typischerweise Käufe durch Indexfonds aus.

Der KI-Ausbau verschlingt derweil enorme Summen. Der freie Cashflow brach zum Jahresauftakt um 47 Prozent auf 10,12 Milliarden Dollar ein. Für das Gesamtjahr plant das Management Investitionen von bis zu 190 Milliarden Dollar. Das Geld fließt primär in KI-Infrastruktur und eigene Chips. Hält die Cloud-Sparte ihr starkes Wachstum, kann Alphabet diese Summen aus dem laufenden Geschäft stemmen.