Alphabet, Mutares & Rüstungsaktien: Wenn Überholmanöver, Milliarden-Deals und Aufrüstungspläne die Börsen umkrempeln

Alphabet verdrängt Apple erstmals seit 2019 vom zweiten Platz der wertvollsten Unternehmen. Gleichzeitig schließt Mutares seine größte Übernahme und Rüstungsaktien steigen durch Trumps Aufrüstungspläne.

Alphabet, Mutares & Rüstungsaktien: Wenn Überholmanöver, Milliarden-Deals und Aufrüstungspläne die Börsen umkrempeln
Kurz & knapp:
  • Alphabet überholt Apple bei der Marktkapitalisierung
  • Mutares übernimmt Sabic-Geschäftsbereich für 450 Mio. Dollar
  • Rüstungsaktien durch US-Aufrüstungspläne beflügelt
  • Bitcoin und Kryptomarkt zeigen sich verunsichert

Liebe Leserinnen und Leser,

Als die Börsenglocke in Frankfurt heute schloss, war eines klar: Die Märkte schreiben gerade Kapitel, die niemand vor Jahresfrist auf dem Zettel hatte. Alphabet verdrängt Apple erstmals seit 2019 von Platz zwei der wertvollsten Unternehmen, während der DAX nach seinem Rekordflug vom Vortag erst einmal Pause macht. Gleichzeitig jagen Rüstungswerte auf beiden Seiten des Atlantiks neue Höchststände – befeuert von Donald Trumps Forderung, das US-Militärbudget 2027 um satte 50 Prozent auf 1,5 Billionen Dollar anzuheben. Und mittendrin: die Münchener Beteiligungsgesellschaft Mutares, die mit einem 2,5-Milliarden-Dollar-Deal ihre bislang größte Übernahme einfädelt. Drei Geschichten, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben – doch alle erzählen sie vom selben Phänomen: Märkte belohnen gerade jene, die schnell handeln, groß denken und bereit sind, alte Gewissheiten über Bord zu werfen.

Alphabet schlägt Apple – und alle schauen auf den dritten Platz

Manchmal genügen zwei Prozent Kursplus, um Geschichte zu schreiben. Genau so viel legte die Alphabet-Aktie am Mittwoch zu – und katapultierte den Google-Mutterkonzern mit einer Marktkapitalisierung von 3,89 Billionen Dollar erstmals seit Januar 2019 wieder an Apple vorbei. Der iPhone-Konzern rutschte mit 3,85 Billionen Dollar auf Rang drei ab, während NVIDIA mit rund 4,6 Billionen Dollar weiterhin unangefochten an der Spitze thront.

Der Abstand wirkt auf den ersten Blick gering, doch dahinter steckt eine Machtverschiebung, die über Monate herangereift ist. Während Apple im KI-Rennen zuletzt ins Straucheln geriet – wichtige Funktionen wurden verschoben, die Innovationskraft wirkt gebremst –, hat Alphabet mit seinem Gemini-Modell und den selbst entwickelten Tensor-Prozessoren (TPUs) kräftig aufgeholt. Analyst Nick Jones von BNP Paribas bringt es auf den Punkt: „Google ist möglicherweise auf dem besten Weg, die dominierende KI-Plattform zu werden.“ In den vergangenen zwölf Monaten schoss die Alphabet-Aktie um 65 Prozent nach oben – Apple schaffte im selben Zeitraum nur ein Plus von rund 30 Prozent.

Besonders pikant: Alphabet positioniert sich zunehmend als direkter NVIDIA-Konkurrent. Die TPU-Chips sollen künftig nicht nur intern genutzt, sondern auch an Dritte wie Anthropic oder Meta verkauft werden. Analyst Gil Luria von DA Davidson schätzt, dass Googles TPU- und DeepMind-Sparte allein einen Wert von bis zu einer Billion Dollar erreichen könnte – würde man sie separat an die Börse bringen. Hinzu kommt die Robotaxi-Tochter Waymo, die laut Medienberichten mehr als 15 Milliarden Dollar frisches Kapital bei einer Bewertung von rund 110 Milliarden Dollar einwerben will. Für deutsche Anleger bedeutet das: Alphabet ist längst mehr als nur eine Suchmaschine mit Werbegeschäft – es ist ein diversifizierter Technologiekonzern, der in fast allen Zukunftsmärkten mitmischt.

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Mutares wagt den Sprung: 450 Millionen Dollar für Sabics Thermoplastik-Geschäft

Während die Tech-Giganten um Marktanteile ringen, vollzieht die Münchener Beteiligungsgesellschaft Mutares ihren bislang größten Coup. Das im SDAX gelistete Unternehmen übernimmt vom saudi-arabischen Chemie- und Metallkonzern Sabic den Geschäftsbereich Engineering Thermoplastics (ETP) in Amerika und Europa – Unternehmenswert: 450 Millionen US-Dollar, Umsatz: 2,5 Milliarden Dollar. Gemessen am Erlös ist das die größte Transaktion in der 2008 gestarteten Firmengeschichte.

Die Aktie reagierte zunächst mit moderaten Kursgewinnen, drehte dann aber ins Minus und schloss 1,25 Prozent tiefer bei 31,50 Euro. Kein Wunder: Nach einer Rally von über einem Drittel seit Mitte November machten Anleger erst einmal Kasse. Doch der Deal passt zur Strategie von Mutares, notleidende oder abgestoßene Unternehmensteile zu übernehmen, umzustrukturieren und später mit Gewinn weiterzuverkaufen. Dass parallel der Verkauf der Portfoliogesellschaft Kalzip an die Tremco Construction Products Group vermeldet wurde, unterstreicht dieses Modell. Finanzielle Details nannte Mutares zwar nicht, doch der Aluminium-Dach- und Fassadenspezialist setzte 2025 rund 75 Millionen Euro mit gut 180 Mitarbeitern um.

Für Anleger bleibt die Frage: Kann Mutares den Sabic-Bereich erfolgreich integrieren und profitabel machen? Der Börsenwert von rund 670 Millionen Euro ist vergleichsweise überschaubar, die Transaktion also ein echter Kraftakt. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob das Management sein Versprechen einlösen kann, aus Restrukturierungsfällen langfristig Werte zu schaffen.

Rüstungsaktien im Höhenflug – Trumps Milliardenplan befeuert die Rally

Rheinmetall, BAE Systems, Leonardo, Lockheed Martin – die Liste der Gewinner liest sich wie ein Who’s who der globalen Rüstungsindustrie. Der Grund: Donald Trump fordert, das US-Militärbudget für 2027 von derzeit rund 900 Milliarden auf 1,5 Billionen Dollar anzuheben – ein Plus von über 50 Prozent. Rheinmetall kratzte heute erstmals seit Mitte Oktober wieder an der 1.900-Euro-Marke und schloss 2,3 Prozent höher bei 1.866 Euro. BAE Systems in London schoss um 6,5 Prozent nach oben, Leonardo in Mailand um 3,7 Prozent.

Die Botschaft ist eindeutig: Nach Jahren relativer Zurückhaltung rüstet der Westen massiv auf. Die deutsche Bundesregierung hat bereits Milliarden für die Bundeswehr freigegeben, nun zieht Washington nach. Analysten wie Chloe Lemarie von Jefferies betonen, dass auch europäische Unternehmen profitieren dürften – vor allem jene mit starker US-Präsenz wie BAE oder Leonardo. Gleichzeitig droht Trump US-Konzernen wie Raytheon (RTX) mit einem Verbot von Dividenden und Aktienrückkäufen, sollten sie die Waffenproduktion nicht beschleunigen. Die Drohung zeigt: Der Präsident meint es ernst.

Für deutsche Anleger sind Rheinmetall und RENK die naheliegendsten Profiteure. Beide haben in den vergangenen Monaten von der Zeitenwende profitiert, beide sitzen auf prall gefüllten Auftragsbüchern. Die Frage ist nur: Wie nachhaltig ist der Boom? Sollte sich die geopolitische Lage entspannen – etwa durch einen Waffenstillstand in der Ukraine –, könnte die Rally abrupt enden. Bis dahin aber bleibt Verteidigung eines der wenigen Segmente, in denen Wachstum und Planbarkeit Hand in Hand gehen.

Bitcoin schwächelt, während Krypto-Leitindex unter Druck gerät

Während Aktien gemischte Signale senden, zeigt sich der Kryptomarkt von seiner nervösen Seite. Bitcoin rutschte am Donnerstag um 2,4 Prozent auf 89.980 Dollar ab, Ethereum verlor 3,5 Prozent auf 3.110 Dollar. XRP, zuletzt noch ein Outperformer, gab sogar 7,6 Prozent nach. Die Gesamtmarktkapitalisierung aller Kryptowährungen sank um 2,5 Prozent auf 3,08 Billionen Dollar.

Die Gründe sind vielfältig: Geopolitische Spannungen rund um Venezuela und Grönland verunsichern Anleger, gleichzeitig warten alle auf die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag. Diese könnten entscheidend dafür sein, ob die Federal Reserve 2026 doch noch Zinssenkungen vornimmt – oder ob sie die Leitzinsen länger hochhält. Letzteres wäre Gift für Krypto, denn höhere Zinsen machen risikoreichere Assets weniger attraktiv.

Immerhin: Die Nachricht, dass der Indexanbieter MSCI vorerst keine Digital Asset Treasury Companies wie Strategy aus seinen Indizes ausschließt, sorgte für Erleichterung. Strategy, der größte institutionelle Bitcoin-Halter mit knapp 674.000 BTC, hätte bei einem Ausschluss mit massiven Zwangsverkäufen rechnen müssen. Doch MSCI ruderte zurück – vorerst. Eine breitere Überprüfung ist für später angekündigt. Für Bitcoin-Anleger bleibt die Lage also fragil: Die institutionelle Nachfrage ist da, aber die Rahmenbedingungen bleiben unsicher.

Bayer, Zalando, Nestlé – drei Konzerne, drei Baustellen

Während die großen Marktbewegungen die Schlagzeilen dominieren, lohnt sich der Blick auf Einzelschicksale. Bayer legte heute um knapp ein Prozent zu und kratzte mit 39,05 Euro am Hoch seit November 2023. Der Grund: Ein Bericht der „Financial Times“, wonach die EU die Regeln für gentechnisch veränderte Nutzpflanzen lockert. Das könnte die umstrittene Monsanto-Übernahme nachträglich rechtfertigen – und Bayer im Glyphosat-Streit den Rücken stärken. Noch ist nichts entschieden, doch die Hoffnung wächst, dass 2026 das Jahr wird, in dem Bayer den rechtlichen Albtraum endlich abschüttelt.

Zalando hingegen sorgt für Ernüchterung. Der Modehändler schließt sein Logistikzentrum in Erfurt und streicht 2.700 Jobs – ein weiterer Rückschlag für Ostdeutschland, wo zuletzt Intel, Dow Chemical und die Solarindustrie für Negativschlagzeilen sorgten. Analysten stufen die Nachricht als neutral ein, doch die Aktie verlor 2,3 Prozent. Die Integration mit About You scheint voranzukommen, doch die Einmalkosten 2026 belasten.

Und Nestlé? Der Schweizer Nahrungsmittelriese weitet seinen Rückruf von Babynahrung auf mindestens 50 Länder aus – von Brasilien über China bis Australien. Betroffen sind Marken wie Beba und Alfamino. Finanziell hält sich der Schaden mit unter 0,5 Prozent des Jahresumsatzes in Grenzen, doch der Image-Schaden könnte größer sein. Foodwatch spricht von einem „Skandal“ und fordert volle Transparenz. Die Aktie verlor heute 0,31 Prozent – vorerst. Sollten sich die Bedenken der Konsumenten verfestigen, könnte Nestlé langfristig Marktanteile an Konkurrenten wie Danone verlieren.

Was das für Ihr Depot bedeutet

Die Börsen senden derzeit widersprüchliche Signale. Der DAX feiert Rekorde, doch das Handelsvolumen bleibt dünn. Alphabet triumphiert, Apple schwächelt. Rüstungsaktien jagen von Hoch zu Hoch, während Krypto unter Druck gerät. Was bleibt, ist die Erkenntnis: Wer heute erfolgreich investieren will, muss genau hinschauen – und bereit sein, alte Gewissheiten zu hinterfragen.

Alphabet zeigt, dass Diversifikation und technologische Breite sich auszahlen. Mutares beweist, dass auch abseits der großen Namen Chancen lauern – wenn man bereit ist, Risiken einzugehen. Und die Rüstungsindustrie? Sie erinnert daran, dass geopolitische Realitäten oft stärker sind als Wunschdenken. Am Freitag kommen die US-Arbeitsmarktdaten – und dann wissen wir mehr darüber, ob die Märkte ihre Zuversicht behalten oder ob die nächste Korrektur schon vor der Tür steht.

Bis dahin wünsche ich Ihnen eine gute Restwoche – und einen klaren Kopf für die Entscheidungen, die jetzt anstehen.

Herzliche Grüße aus der Redaktion
Andreas Sommer

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Als Finanzanalyst und Börsenjournalist beschäftige ich mich seit über vier Jahrzehnten intensiv mit den Finanzmärkten. Meine Spezialisierung liegt auf der Analyse wachstumsstarker Aktien und der Entwicklung von Anlagestrategien, die fundamentale Bewertung mit technischer Analyse kombinieren.

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Mein Weg an die Börse: Vom Bankberater zum Analysten

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