Alstom muss sich unangenehmen Fragen stellen. Die französische Finanzmarktaufsicht AMF nimmt die Kommunikation des Bahntechnik-Konzerns aus den Jahren 2021 und 2022 unter die Lupe. Der Vorwurf wiegt schwer: Es geht um die Transparenz und Genauigkeit früherer Marktberichte.
Streit um Finanzberichte
Die AMF hat förmliche Einwände gegen Alstom erhoben. Die Behörde prüft, ob das Unternehmen Anleger damals korrekt informiert hat. Alstom weist die Vorwürfe zurück. Der Konzern betont, man habe stets im Einklang mit den Marktregeln kommuniziert und wolle sich gegen die Vorwürfe wehren. Das Verfahren sorgt für neue Rechtsunsicherheit in einem für Anleger ohnehin turbulenten Jahr.
Volle Auftragsbücher in Osteuropa
Abseits der rechtlichen Hürden sammelt Alstom neue Aufträge. In Rumänien modernisiert der Konzern einen wichtigen Abschnitt eines europäischen Eisenbahnkorridors. Dieser Auftrag stützt den massiven Auftragsbestand von über 102 Milliarden Euro. Das sorgt für langfristige Planungssicherheit beim Umsatz. Ziel des Projekts ist es, die Geschwindigkeit und Vernetzung im EU-Schienennetz zu erhöhen.
Gemischte Signale vom Markt
Die Börse reagierte prompt auf die Nachricht der Aufsichtsbehörde. Das Papier verlor im Handel am Donnerstag 1,77 Prozent und notierte bei 16,07 Euro. Damit liegt die Aktie fast 47 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch vom Februar.
Operativ zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 stieg der Umsatz organisch um knapp fünf Prozent auf 4,73 Milliarden Euro. Parallel dazu brach der Auftragseingang jedoch um 37 Prozent auf 2,56 Milliarden Euro ein. Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz sank damit auf einen Wert von 0,5.
Vorstandschef Martin Sion konzentriert sich auf die Umsetzung der bestehenden Projekte. Für das Gesamtjahr peilt Alstom eine operative Gewinnmarge von etwa 6,5 Prozent an. Ein wichtiger Meilenstein bleibt die Zulassung des neuen Hochgeschwindigkeitszugs TGV-M für die französische Staatsbahn SNCF. Das Management rechnet damit, dass die Dynamik bei den Bestellungen im zweiten Quartal wieder anzieht.
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