Der französische Bahntechnikkonzern Alstom erweitert seine Präsenz in Asien deutlich. Das Unternehmen hat heute eine weitreichende Vereinbarung mit dem vietnamesischen Mischkonzern Vingroup über die Lieferung von U-Bahnen für die Hauptstadt Hanoi geschlossen. Am Aktienmarkt kam die Nachricht positiv an: Das Papier von Alstom legte heute um 3,8 Prozent auf 15,95 Euro zu.
Flottenvertrag und Lizenzabkommen für Hanoi
Die Vereinbarung umfasst die Lieferung von insgesamt 200 fünfteiligen Zügen der Baureihe Metropolis für das städtische Schienennetz von Hanoi. Neben dem Liefervertrag unterzeichneten beide Seiten eine Technologielizenz. Vingroup agiert über die Tochtergesellschaft Vinhomes als Generalunternehmer für die Metroprojekte der vietnamesischen Metropole, deren Masterplan bis zum Jahr 2045 ein Streckennetz von 979 Kilometern mit 18 Linien vorsieht.
Die Fahrzeuge werden als vollautomatisierte, fahrerlose Einheiten der höchsten Automatisierungsstufe GoA4 ausgeführt. Zur Ausstattung der Züge zählen leichte Aluminiumkarosserien sowie regenerative Bremsen und Scheibenbremsen.
Zweistufige Fertigung mit Technologietransfer
Die Produktion der Flotte wird aufgeteilt. Die ersten 83 Züge fertigt Alstom im französischen Werk Valenciennes Petite-Forêt. Die verbleibenden 117 Züge soll Vingroup direkt in Vietnam herstellen und montieren. Alstom liefert dafür die technologische Lizenz, Engineering-Unterstützung, Werkzeuge sowie zentrale Schlüsselkomponenten.
Durch dieses Modell bindet Alstom einen wichtigen Partner im südostasiatischen Raum an sich, während gleichzeitig Produktionskapazitäten in Europa ausgelastet und lokale Wertschöpfungsanforderungen des Ziellandes erfüllt werden.
Bestätigte Jahresziele vor den Halbjahreszahlen
Parallel zur Auftragsmeldung zog das Management eine Zwischenbilanz vor der Vorlage der Ergebnisse für das erste Halbjahr 2026/27, die für den 17. November angesetzt sind. Im ersten Quartal verbuchte der Konzern einen Auftragseingang von 2,6 Milliarden Euro und ein organisches Umsatzwachstum von 4,8 Prozent.
Im anschließenden zweiten Quartal kamen weitere Großaufträge mit einem Einzelwert von über 200 Millionen Euro hinzu, darunter Projekte in Kanada mit einem Volumen von geschätzt drei Milliarden Euro sowie in Großbritannien über 1,2 Milliarden Euro. Zu den operativen Meilensteinen des Halbjahres zählte unter anderem die EU-Marktzulassung für den Hochgeschwindigkeitszug TGV-M.
Für das gesamte Geschäftsjahr 2026/27 bekräftigte Alstom seine Vorgaben. Angestrebt werden ein organisches Umsatzwachstum von rund fünf Prozent sowie ein Auftragseingang, der den Umsatz übersteigt. Das Produktionsziel liegt bei 4.400 bis 4.500 Wagen.
Die bereinigte operative Marge soll rund 6,5 Prozent erreichen, nachdem sie im vorherigen Geschäftsjahr 2025/26 bei 6,1 Prozent gelegen hatte. Beim Free Cashflow rechnet das Unternehmen über das Gesamtjahr mit einem positiven Wert, wenngleich für die erste Jahreshälfte saisonal bedingt ein Mittelabfluss von rund 1,5 Milliarden Euro erwartet wird.
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