Andy Jassy flog nicht nur für ein Foto nach Neu-Delhi. Der Amazon-Chef traf Premierminister Narendra Modi am 25. Juni — und formalisierte dabei eine der größten Einzelinvestitionen, die ein US-Konzern je in Indien angekündigt hat.
48 Milliarden Dollar bis 2030
Amazon investiert zusätzliche 13 Milliarden Dollar in Indien. Damit steigt das gesamte geplante Investitionsvolumen auf 48 Milliarden Dollar bis 2030. Bereits 2025 hatte der Konzern 35 Milliarden Dollar angekündigt.
Das neue Geld fließt vor allem in AWS-Rechenzentren in Mumbai und Hyderabad. Startups, Unternehmen und Behörden sollen darüber Zugang zu eigenen KI-Chips, verwalteten KI-Diensten und Cloud-Infrastruktur erhalten. Über den gesamten Zeitraum von 2010 bis 2030 summieren sich Amazons Investitionen in Indien auf mehr als 88 Milliarden Dollar.
Der Markt ist verlockend: Über eine Milliarde Internetnutzer, rasantes Wachstum im digitalen Sektor, und Amazon ist bereits tief verwurzelt. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben zwölf Millionen Kleinunternehmen digitalisiert und 2,8 Millionen Jobs im Land unterstützt.
Kapitalausgaben als Belastung
Die Ankündigung kommt zu einem schwierigen Zeitpunkt für die Aktie. Mit einem Schlusskurs von 203,90 Euro am Freitag liegt das Papier rund 14 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 238,05 Euro. Über die vergangenen 30 Tage verlor die Aktie knapp 13 Prozent — trotz des Tagesgewinns von 2,1 Prozent zum Wochenschluss.
Investoren reagieren zunehmend nervös auf den Kapitalaufwand. Amazons aggressive Ausgaben für KI-Infrastruktur gelten zwar als strategisch notwendig, belasten aber kurzfristig die Erwartungen. Kein Wunder, dass der Markt trotz der Indien-Meldung skeptisch bleibt.
Hinzu kommt Gegenwind aus Europa. Die EU-Kommission prüft, ob AWS als sogenannter „Gatekeeper“ unter dem Digital Markets Act eingestuft wird. Eine solche Klassifizierung würde strengere Auflagen für das margenstarke Cloud-Geschäft bedeuten.
Der RSI liegt bei 40,9 — weder überkauft noch überverkauft. Die Aktie notiert knapp über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von rund 200 Euro, was technisch als leichte Stütze gilt. Ob das reicht, entscheidet sich an der Frage, ob Amazons Kapitalausgaben schnell genug in Wachstum münden — und ob die EU-Regulatoren das Cloud-Geschäft stärker einschränken als bisher erwartet.
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