Gestern deckte ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters Sicherheitsmängel im Online-Handel auf. Demnach boten Händler auf externen Marktplätzen von Amazon, Temu und TikTok Shop mehr als 20 verbotene Hautaufheller an, die giftiges Quecksilber enthielten. An den Finanzmärkten sorgte der Fund für wenig Aufsehen. Die Amazon-Aktie stieg heute um 2,1 % auf 219,00 €.
Herausforderungen bei der Marktplatz-Kontrolle
Der Vorfall rückt die Überwachung von Drittanbietern erneut in den Fokus der Regulierer. Da viele Händler weltweit Produkte einstellen, stoßen automatisierte Prüfsysteme regelmäßig an Grenzen. Für den E-Commerce-Konzern bedeutet jede behördliche Rüge zusätzliche Compliance-Kosten. Zudem drohen Reputationsschäden, falls Konsumenten das Vertrauen in die Produktsicherheit auf der Plattform verlieren.
Gleichzeitig belasten rechtliche Auseinandersetzungen im Heimatmarkt die Personalpolitik. Am 8. September reichten Kläger in den USA eine bundesweite Sammelklage ein. Sie werfen dem Konzern systematische Diskriminierung schwangerer Beschäftigter vor. Unter anderem soll es zu Kündigungen wegen krankheitsbedingter Fehlzeiten gekommen sein.
Ausfälle im Nahen Osten treffen Cloud-Sparte
Schwerer wiegen die operativen Schäden im hochprofitablen Cloud-Geschäft. Am Dienstag räumte die Konzerntochter AWS ein, den Zugriff auf ihr Rechenzentrum in Bahrain nicht wiederherstellen zu können. Auch eine von drei Hosting-Zonen in den Vereinigten Arabischen Emiraten bleibt nach Schäden im Zuge des Iran-Kriegs lahmgelegt.
Der Verlust dieser Infrastruktur verdeutlicht die Anfälligkeit moderner Datennetze gegenüber geopolitischen Konflikten. Bislang galten Cloud-Dienste als weitgehend abgesichert gegen physische Zerstörung. Nicht nutzbare Standorte zwingen AWS nun dazu, Kundenströme umzuleiten und Datenkapazitäten aufwendig neu zu organisieren.
Konsequenzen im Luftfrachtnetzwerk
Auch in der Frachtlogistik zog das Management Konsequenzen aus einem schwerwiegenden Zwischenfall. Am Montag setzte Amazon die Zusammenarbeit mit der Frachtgesellschaft 21 Air vorerst aus. Ein von dem Partner betriebenes Flugzeug war am 6. September bei der Landung in Miami verunglückt, wobei mindestens fünf Menschen starben.
Trotz dieser operativen Belastungen treibt der Konzern strategische Projekte voran. Zur Absicherung künftiger Vorhaben platzierte Amazon am 9. September erstmals eine Pfund-Anleihe und nahm 4,25 Milliarden Pfund auf. Gleichzeitig baut Amazon Pay India seine Finanzdienstleistungen aus: Nach dem Start von Krankenversicherungen prüft die Sparte nun Angebote für Reiseversicherungen.
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