Amazon steht im Frühjahr 2026 von mehreren Seiten unter Druck. Während geopolitische Spannungen das lukrative Marktplatz-Geschäft belasten, streicht der Konzern tausende Stellen, um gigantische KI-Investitionen zu finanzieren. Gleichzeitig trennen sich Führungskräfte von Aktienpaketen, was die ohnehin gedrückte Stimmung der Anleger weiter eintrübt.
Hohe Abhängigkeit vom China-Geschäft
Ein Hauptgrund für die aktuelle Schwäche der Aktie – die seit Jahresbeginn rund neun Prozent verloren hat – ist die Sorge vor neuen US-Zöllen. Der Handelsriese ist hier deutlich anfälliger als viele Konkurrenten. Etwa 30 Prozent des Bruttowarenvolumens stammen aus China. Auch bei den Werbeeinnahmen spielen chinesische Verkäufer mit einem Anteil von 15 Prozent eine wichtigere Rolle als beispielsweise bei Meta oder Google.
Sollten Zölle diese Drittanbieter von der Plattform verdrängen, droht ein Dominoeffekt. Ein geringeres Produktangebot könnte Kunden zu Alternativen treiben. Das würde nicht nur die Einnahmen aus Verkäufergebühren schmälern, sondern auch die Werbeerlöse und Prime-Mitgliedschaften unter Druck setzen. Zur Einordnung: Im vierten Quartal 2024 stammten 62 Prozent aller über Amazon verkauften Artikel von genau diesen Drittanbietern.
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Stellenabbau und Insiderverkäufe
Um die enormen Kosten für den Ausbau von Rechenzentren und Künstlicher Intelligenz auszugleichen, setzt Amazon den Rotstift an. Ab Ende April streicht der Konzern allein im US-Bundesstaat Washington weitere 2.198 Stellen, darunter viele hochbezahlte Softwareentwickler. Zusammen mit den 14.000 Entlassungen vom vergangenen Oktober markiert dies den größten Personalabbau in der Unternehmensgeschichte.
Parallel dazu registrieren Marktbeobachter eine Reihe von Insiderverkäufen. Zuletzt veräußerte Douglas Herrington, Chef der weltweiten Amazon Stores, Anfang April ein Aktienpaket im Wert von gut 210.000 US-Dollar. Auch wenn diese Transaktion über einen vorab festgelegten Handelsplan abgewickelt wurde, reiht sie sich in ein größeres Muster ein. Bereits im Februar hatten Top-Manager, darunter CEO Andrew Jassy und AWS-Chef Matthew Garman, Papiere für fast 15 Millionen US-Dollar abgestoßen.
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Blick auf die Quartalszahlen
Charttechnisch hat sich das Bild ebenfalls eingetrübt. Im März durchkreuzte die 50-Tage-Linie die 200-Tage-Linie nach unten, was am Markt als Schwächesignal gewertet wird. Aktuell pendelt der Kurs im Bereich von 210 US-Dollar.
Die nächste entscheidende Marke für die fundamentale Bewertung des Unternehmens ist der 29. April. An diesem Tag präsentiert Amazon die Ergebnisse für das erste Quartal 2026. Investoren werden genau prüfen, ob die Gewinne stark genug ausfallen, um die von der Geschäftsführung angekündigten Investitionsausgaben von rund 200 Milliarden US-Dollar für das laufende Jahr zu rechtfertigen.
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