Amazon, Thyssenkrupp & Bitcoin: Wenn Milliarden-Pläne auf Realitäts-Check treffen

Amazon schockt mit massiven KI-Investitionen, Thyssenkrupp schließt Stahl-Deal mit Jobabbau und Bitcoin erleidet einen Flash-Crash. Die Märkte reagieren nervös auf die großen Zahlen.

Amazon, Thyssenkrupp & Bitcoin: Wenn Milliarden-Pläne auf Realitäts-Check treffen
Kurz & knapp:
  • Amazon kündigt 200-Milliarden-Dollar-Investition für KI an
  • Thyssenkrupp verkauft HKM-Anteile an Salzgitter
  • Bitcoin stürzt nach Flash-Crash unter 60.000 Dollar
  • US-Märkte zeigen nach Talfahrt leichte Erholung

Liebe Leserinnen und Leser,

200 Milliarden Dollar – diese Summe hat Amazon gestern für 2026 als Investitionsziel ausgegeben. Zum Vergleich: Das entspricht etwa dem Bruttoinlandsprodukt Portugals. Während der E-Commerce-Riese damit seine KI-Ambitionen untermauern will, reagieren Anleger mit Flucht. Die Aktie stürzte zeitweise um zehn Prozent ab. Parallel dazu findet in Duisburg ein ganz anderer Milliarden-Poker statt: Thyssenkrupp und Salzgitter einigen sich auf die Zukunft von HKM – mit drastischen Folgen für 2.000 Beschäftigte. Und Bitcoin? Die Kryptowährung testet nach einem Flash-Crash die 60.000-Dollar-Marke und zeigt, wie schnell Vertrauen in digitale Assets verdampfen kann. Drei Geschichten, eine Botschaft: Wenn Zahlen zu groß werden, wird es ungemütlich.

Amazon schockt mit KI-Ausgaben – Wall Street wendet sich ab

Was als solide Quartalsbilanz hätte durchgehen können, wurde zum Albtraum für Amazon-Aktionäre. Der Konzern übertraf zwar die Erwartungen bei Umsatz und operativem Gewinn, doch dann kam die Ansage: 200 Milliarden Dollar Investitionsausgaben für 2026 – ein Plus von über 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Großteil fließt in den Ausbau der KI-Infrastruktur für die Cloud-Sparte AWS, die im vierten Quartal um 24 Prozent wuchs und damit die Prognosen übertraf.

Doch die Anleger fragen sich: Wann zahlt sich das aus? Die Aktie verlor vorbörslich zeitweise acht Prozent und rutschte auf rund 205 Dollar ab. Analysten wie Brad Erickson von RBC warnen, dass die Märkte „wenig Toleranz für Kapitalausgaben ohne begleitende Monetarisierung“ zeigen. Tatsächlich hatte bereits Alphabet mit einer ähnlichen Ankündigung (bis zu 185 Milliarden Dollar) für Unruhe gesorgt – und Meta plant bis zu 135 Milliarden. Amazon toppt sie alle.

Die Ironie: AWS-Chef Andy Jassy betont, man rechne „auf lange Sicht“ mit profitablen Renditen. Doch „lange Sicht“ ist genau das, was nervöse Investoren derzeit nicht haben wollen. Der AI-Investitions-Kater, wie Analyst Stephen Innes von SPI Asset Management es nennt, verwandelt sich in eine „wilde Flucht“. Die Frage lautet nicht mehr, ob KI die Zukunft ist – sondern wer sie bezahlt und wann sich das rechnet.

Duisburg: Salzgitter übernimmt HKM – 2.000 Jobs auf der Kippe

Während Amazon in Cloud-Kapazitäten investiert, wird in Duisburg Stahl gekocht – vorerst. Thyssenkrupp Steel und Salzgitter haben sich auf die Zukunft der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) geeinigt: Salzgitter übernimmt zum 1. Juni die Anteile von Thyssenkrupp und wird Alleingesellschafter. Die Brammenbelieferung an Thyssenkrupp endet bereits Ende 2028, vier Jahre früher als geplant. Finanzielle Details? Fehlanzeige.

Der Plan klingt nach Transformation, riecht aber nach Kahlschlag: Die beiden Hochöfen sollen stillgelegt und durch einen Elektrolichtbogenofen ersetzt werden. Kapazität: 2,0 bis 2,5 Millionen Tonnen Stahl pro Jahr. Belegschaft: von 3.000 auf 1.000 Beschäftigte. Das bedeutet 2.000 Stellen weniger – ein Drittel bleibt. Salzgitter-Chef Gunnar Groebler spricht von einer „positiven Perspektive“ und verweist auf 200 Millionen Euro Fördermittel für den neuen Ofen. Die IG Metall zeigt sich „erleichtert“, dass HKM fortgeführt wird, weiß aber: Der Weg wird steinig.

Für Thyssenkrupp ist der Deal ein Meilenstein im harten Sanierungskurs, der insgesamt 11.000 Stellen streichen oder auslagern will. Die Stahlchefin Marie Jaroni nennt es eine „faire Lösung“. Doch fair ist relativ, wenn zwei Drittel der Belegschaft gehen müssen. Immerhin: Duisburg bleibt Europas größter Stahlstandort. Die Frage ist nur, wie lange noch.

Bitcoin im freien Fall – Flash-Crash trifft auf Vertrauenskrise

Von 126.000 Dollar im Oktober auf zeitweise unter 60.100 Dollar in der Nacht zu Freitag: Bitcoin hat in vier Monaten mehr als die Hälfte seines Wertes verloren. Der jüngste Flash-Crash löste Zwangsliquidationen von Long-Positionen im Wert von rund 1,3 Milliarden Dollar aus – binnen 24 Stunden. Der CMC Crypto Fear & Greed Index fiel auf 5 Punkte, den tiefsten Stand seit Juli 2023. Extreme Angst regiert.

Was ist passiert? Ein Cocktail aus geopolitischen Spannungen, institutionellen Abflüssen und technischer Panik. Allein am Dienstag und Mittwoch flossen über 800 Millionen Dollar aus Spot-Bitcoin-ETFs ab – jene Produkte, die 2025 noch als Wachstumstreiber galten. Analysten wie Marion Laboure von der Deutschen Bank sprechen von „massiven Abhebungen aus institutionellen ETFs“, die den Verkaufsdruck verstärken. Hinzu kommt die Korrelation mit Tech-Aktien: Während die Nasdaq unter KI-Sorgen leidet, zieht Bitcoin mit nach unten.

Am Freitagnachmittag stabilisierte sich Bitcoin bei rund 67.100 Dollar, doch die Narben bleiben. Innerhalb eines Monats hat die Kryptowährung ein Drittel an Wert verloren. Börsennotierte Plattformen wie Coinbase und Robinhood kassierten zweistellige Kursverluste. Die zentrale Frage: Hält die 60.000-Dollar-Marke? Technische Analysten warnen, dass ein nachhaltiger Bruch weiteren Abwärtsdruck bis 50.000 Dollar auslösen könnte. Niemand will ins „fallende Messer“ greifen.

US-Märkte erholen sich zaghaft – Verbraucherstimmung überrascht

Nach drei Tagen Talfahrt zeigten US-Aktien am Freitag Lebenszeichen. Der Dow Jones kletterte zeitweise um 1,7 Prozent auf 49.726 Punkte, S&P 500 und Nasdaq gewannen jeweils über ein Prozent. Auslöser war unter anderem der Uni-Michigan-Index, der im Februar unerwartet auf 57,3 Punkte stieg – der höchste Stand seit August 2025. Besonders Konsumenten mit großen Aktienportfolios zeigten sich optimistischer.

Doch die Erholung ist fragil. Die Nasdaq steuert auf ihre schlechteste Woche seit April zu, mit einem Minus von rund vier Prozent. Software-Aktien wie ServiceNow und Salesforce verloren diese Woche zweistellig, während Airline-Titel und Goldminenaktien profitierten. Gold selbst sprang um über drei Prozent auf knapp 4.900 Dollar – Anleger suchen Sicherheit, auch wenn das Edelmetall zuletzt selbst volatil war.

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Die offizielle Arbeitsmarktbericht-Veröffentlichung wurde wegen des Haushaltstreits auf Mittwoch, den 11. Februar, verschoben. Das bedeutet: Die Märkte fliegen weiter auf Sicht. Analysten wie Mark Hawtin von Liontrust warnen, dass die „Magnificent 7″ als Gruppe in diesem Jahr Underperformer sein könnten. Die Frage sei nicht mehr, ob sie investieren – sondern ob sie dafür auch Rendite sehen.

Europäische Industrie zwischen Hoffnung und Härte

Während Amazon Milliarden verbrennt und Bitcoin abstürzt, kämpft die europäische Industrie mit handfesteren Problemen. In der Schweiz hinkte der SMI den europäischen Börsen hinterher, weil Geld in zyklische Sektoren wie Industrie und Rohstoffe floss – nicht in defensive Tech-Werte. Holcim und Amrize legten kräftig zu, während UBS nach Analystenstufungen weiter unter Druck stand.

In Deutschland plant RWE Gespräche mit den Vereinigten Arabischen Emiraten über LNG-Lieferungen und Batteriespeicher-Investitionen. Bis zu eine Million Tonnen LNG jährlich über zehn Jahre könnten nach Europa fließen – und Masdar erwägt Investitionen in deutsche Batterieprojekte mit bis zu einem Gigawatt Kapazität bis 2030. RWE-Chef Markus Krebber spricht von „strategischer Zusammenarbeit“ und Versorgungssicherheit. Die Botschaft: Europa sucht Partner jenseits der USA.

Und dann ist da noch TikTok: Die EU-Kommission wirft der Plattform „suchterzeugendes Design“ vor und droht mit Strafen von bis zu sechs Prozent des Jahresumsatzes. Unendliches Scrollen, Autoplay, personalisierte Empfehlungen – all das soll laut Brüssel die Selbstkontrolle der Nutzer untergraben. TikTok nennt die Vorwürfe „völlig haltlos“. Der Konflikt zeigt: Regulierung wird zum Wettbewerbsfaktor.

Was jetzt zählt

Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Märkte ihre Fassung zurückgewinnen. Am Mittwoch steht der verschobene US-Arbeitsmarktbericht an – er könnte die Zinsdebatte neu entfachen. Parallel laufen Gespräche zwischen den USA und dem Iran in Oman, die über Ölpreise und geopolitische Spannungen entscheiden. Und Amazon muss beweisen, dass 200 Milliarden Dollar mehr sind als nur eine große Zahl.

Für deutsche Anleger bleibt die Lektion klar: Größe allein reicht nicht. Weder bei Investitionen noch bei Kryptowährungen. Wer jetzt investiert, sollte weniger auf Schlagzeilen als auf Geschäftsmodelle achten. Und vielleicht auch darauf, wer am Ende die Rechnung zahlt.

Bis Montag – und ein ruhiges Wochenende,

Andreas Sommer

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