Der Philadelphia Semiconductor Index ist in dieser Woche offiziell in einen Bärenmarkt gerutscht – mehr als 20 Prozent unter seinem Rekordhoch von Ende Juni. Auslöser der jüngsten Verkaufswelle war die Vorstellung des chinesischen KI-Modells Kimi K3 durch das Start-up Moonshot AI am 17. Juli. Das Modell mit 2,8 Billionen Parametern wird als Open-Source-Variante ab dem 27. Juli vollständig verfügbar sein und hat an der Wall Street eine Debatte darüber ausgelöst, ob die bisherige Wachstumsrate der KI-Investitionen noch trägt oder ob günstigere, effizientere Modelle die Nachfrage nach teurer Rechenzentrumshardware dämpfen könnten. AMD geriet in diesem Umfeld laut Marktberichten um rund 2 Prozent unter Druck, während der breitere Chipindex binnen einer Woche rund 10 Prozent verlor.
Auch AMD-Konkurrent Nvidia spürte die Verunsicherung deutlich: Die Aktie schloss am 17. Juli bei 202,81 US-Dollar, ein Wochenverlust von 3,9 Prozent, der rechnerisch rund 197 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung kostete. Der Nasdaq gab am selben Tag 1,4 Prozent nach, der Dow Jones 0,77 Prozent, der S&P 500 gut ein Prozent. Anleger richten den Blick nun auf die Quartalszahlen der großen Tech-Konzerne, allen voran Alphabet am 22. Juli, um zu beurteilen, ob die milliardenschweren Investitionspläne der Hyperscaler Bestand haben.
Kursreaktion und technisches Bild
Die AMD-Aktie schloss zuletzt bei 433,45 Euro, ein Minus von 1,06 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht summiert sich der Rückgang auf 11,31 Prozent – ein deutliches Zeichen dafür, dass der Titel von der branchenweiten Verkaufswelle nicht verschont blieb. Vom 52-Wochen-Hoch, das erst Ende Juni erreicht wurde, notiert die Aktie nun gut 15 Prozent entfernt. Auf Jahressicht bleibt der Kursgewinn mit über 135 Prozent dennoch außergewöhnlich hoch, was die Diskussion um die Bewertung befeuert.
Genau hier setzen kritische Stimmen an: Im Vergleich zu Nvidia weist AMD ein deutlich höheres Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnschätzungen auf, bei zugleich niedrigerer operativer Marge und geringerer Kapitalrendite. Befürworter verweisen dagegen auf die Wachstumsdynamik: Für das zweite Quartal wird ein Umsatz von 11,29 Milliarden US-Dollar erwartet, ein Plus von 47 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahlen sollen am 4. August veröffentlicht werden.
Analysten bleiben zuversichtlich, Termine rücken näher
Trotz der Kursverluste der vergangenen Woche halten mehrere Analysehäuser an optimistischen Einschätzungen fest. KeyBanc hob sein Kursziel auf 725 US-Dollar an, UBS auf 700 US-Dollar, Rosenblatt auf 665 US-Dollar. Der durchschnittliche Kursziel-Konsens an der Wall Street liegt bei rund 541 US-Dollar, was gegenüber dem zuletzt gehandelten Niveau noch Luft nach oben lässt. Die überwiegende Mehrheit der erfassten Analysten stuft die Aktie als Kauf ein.
Im Fokus steht neben den Quartalszahlen vor allem der für den 22. Juli angesetzte AMD AI Day, bei dem das Unternehmen weitere Details zu seiner Roadmap für Rechenzentrums-CPUs und -GPUs sowie zu Partnerschaften im KI-Bereich präsentieren soll. Jefferies beziffert den adressierbaren Markt für Server-CPUs auf über 200 Milliarden US-Dollar. Auch die kommende MI500-Generation mit optischer Verbindungstechnik für Server-Cluster wird als möglicher Wachstumstreiber gehandelt, befindet sich aber noch in der Entwicklung.
Parallel dazu positioniert sich AMD im Wettbewerb um sogenannte agentenbasierte KI-Anwendungen, die tendenziell mehr CPU-Rechenleistung pro Grafikchip erfordern. Im Servermarkt für x86-Prozessoren kletterte der Umsatzanteil des Unternehmens laut Marktbeobachtern von rund 25 Prozent im Jahr 2023 auf 46,2 Prozent im ersten Quartal 2026 – Intel hält mit 53,8 Prozent weiterhin die Mehrheit. Ob AMD diesen Trend fortsetzen kann, dürfte sich auch daran entscheiden, wie belastbar die Nachfrage nach KI-Infrastruktur angesichts der aufkommenden Konkurrenz durch günstigere chinesische Modelle bleibt.
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