AMD auf Rekordhoch, SK Hynix mit 72 % Marge — Chipsektor unter Strom

Halbleiteraktien erreichen neue Höchststände dank KI-Boom. SK Hynix übertrifft mit 72 Prozent Marge alle Erwartungen.

Micron Aktie
Kurz & knapp:
  • AMD durchbricht 300-Dollar-Marke
  • SK Hynix mit 72 Prozent operativer Marge
  • TSMC verzichtet auf teure ASML-Maschinen
  • Micron und Marvell auf Rekordkurs

Fünf Quartalszahlen, eine Übernahme und eine Technologie-Roadmap bis 2029: Die letzte Aprilwoche liefert im Halbleitersektor so viele Impulse wie selten zuvor. Während Speicherhersteller Rekordmargen vermelden und AMD die 300-Dollar-Marke knackt, definiert TSMC mit einem überraschenden Verzicht auf die teuerste Lithografie-Maschine der Welt die Spielregeln für das nächste Jahrzehnt.

Der gemeinsame Treiber bleibt die KI-Infrastruktur — doch die fünf Unternehmen setzen völlig unterschiedliche Hebel an.

AMD: Über 300 Dollar und ein neues Kapitel

AMD hat diese Woche ein Allzeithoch jenseits der 300-Dollar-Marke erreicht. Am Mittwoch stieg der Kurs um mehr als 6 % auf 303 Dollar, im nachbörslichen Handel am Donnerstag legte die Aktie nochmals rund 4 % zu und näherte sich der 320-Dollar-Marke. In Frankfurt notiert das Papier bei 280 Euro — ebenfalls ein neuer Höchststand.

Die Rally hat fundamentale Gründe. Das Data-Center-Segment erzielte im vierten Quartal 2025 einen Rekordumsatz von 5,38 Milliarden Dollar, ein Plus von 39 % im Jahresvergleich. Für das erste Quartal 2026 stellte AMD rund 9,8 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht — das entspricht einem Wachstum von etwa 32 %. Erste Group stufte die Aktie auf „Buy“ hoch und verwies auf genau diese Dynamik.

Stifel hob das Kursziel auf 320 Dollar an. Bank-of-America-Analyst Vivek Arya rechnet vor, dass jedes Gigawatt installierter KI-Kapazität 15 bis 20 Milliarden Dollar Nettoumsatz für AMD bedeuten könnte — und prognostiziert ein Data-Center-Wachstum von über 60 % sowohl 2026 als auch 2027. Gleichzeitig warnt Stifel vor zunehmenden Lieferengpässen. Genau hier liegt das Spannungsfeld: Die Nachfrage ist enorm, aber die Produktion kommt kaum hinterher.

Der nächste Katalysator folgt am 5. Mai mit den Quartalszahlen. Sie werden zeigen, ob die Neubewertung als KI-Infrastruktur-Aktie auf solidem Fundament steht.

SK Hynix: 72 % operative Marge — ein Rekord für die Geschichtsbücher

SK Hynix hat im ersten Quartal 2026 nicht nur die eigenen Rekorde gebrochen, sondern gleich die gesamte Halbleiterindustrie übertroffen. Die operative Marge lag bei 72 % — oberhalb des bisherigen Branchenhöchstwerts von 65 %, den Nvidia im vierten Quartal 2025 gesetzt hatte.

Die Zahlen im Überblick:

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  • Umsatz: 52,58 Billionen Won — erstmals über 50 Billionen in einem Quartal
  • Operativer Gewinn: 37,61 Billionen Won — nahezu eine Verdopplung gegenüber dem Vorquartal
  • Nettogewinn: 40,35 Billionen Won
  • Umsatzwachstum (y/y): 198 %

Das Unternehmen profitiert wie kein zweites vom Superzyklus im Speichermarkt. Als weltweit führender Anbieter von High-Bandwidth-Memory (HBM) für KI-Rechenzentren spürt SK Hynix eine Nachfrage, die selbst die saisonal schwache Phase im ersten Quartal überlagert. Die Massenproduktion des 192-GB-SOCAMM2-Moduls auf Basis der neuesten 1cnm-Technologie ist bereits angelaufen. Muster der siebten HBM-Generation (HBM4E) sollen in der zweiten Jahreshälfte folgen.

Die Bilanz untermauert die Stärke: Nettobarmittel von 35 Billionen Won stehen einer geplanten Investition von 19 Billionen Won in ein neues Werk in Südkorea gegenüber. SK-Group-Chairman Chey Tae-won erwartet, dass die globale Wafer-Knappheit bis mindestens 2030 anhält — mit einem prognostizierten Fehlbetrag von über 20 %. An der Börse in Seoul notiert die Aktie knapp unter ihrem Allzeithoch.

TSMC: Rekordzahlen und ein provokanter Verzicht

TSMCs Quartalszahlen wären für sich genommen schon eine Meldung wert: 35,90 Milliarden Dollar Umsatz (plus 40,6 % im Jahresvergleich), ein Gewinn je ADR-Anteil von 3,49 Dollar und eine operative Marge von 58,1 %. Das HPC-Segment trug 61 % zum Gesamtumsatz bei und wuchs 20 % gegenüber dem Vorquartal. Für das zweite Quartal stellt das Management 39 bis 40,2 Milliarden Dollar in Aussicht.

Die eigentliche Nachricht kam jedoch vom Technology Symposium. TSMC stellte seine Fertigungsroadmap bis 2029 vor und enthüllte drei neue Prozesse: A12 und A13 auf 1,2- bzw. 1,3-Nanometer-Basis sowie N2U als Erweiterung der bestehenden 2-Nanometer-Familie. Der A16-Prozess wurde allerdings von 2026 auf 2027 verschoben.

Die strategisch brisanteste Entscheidung: TSMC wird für seine 2029er Prozesse keine High-NA-EUV-Lithografiemaschinen von ASML einsetzen — jene 350-Millionen-Dollar-Geräte, auf die Intel bei seinem 14A-Knoten ab 2027/2028 setzt. Deputy Co-COO Kevin Zhang formulierte es so: Technologie werde dann adoptiert, wenn sie messbaren wirtschaftlichen Mehrwert liefere — nicht einfach, weil sie verfügbar sei.

Für die Branche hat das Signalwirkung. Der Verzicht stellt Intels Strategie infrage und könnte ASMLs Umsatzprognosen belasten. Kunden hingegen profitieren von einer differenzierten Prozesspalette: A13 für KI-Beschleuniger und High-End-CPUs, A12 für fortgeschrittene Computing-Produkte, N2U als kosteneffiziente Lösung für Mobile, KI und HPC.

Micron: Auf dem Weg Richtung 500 Dollar

Micron notiert in den USA um die 480 Dollar — knapp unter dem Allzeithoch — und hat in den vergangenen zwölf Monaten eine Performance von über 500 % hingelegt. In Frankfurt steht der Kurs bei 411,75 Euro, ein Plus von 25 % im Monatsvergleich.

Die Basis dafür legten die Quartalszahlen vom 18. März: Der Umsatz hat sich im Jahresvergleich nahezu verdreifacht auf 23,86 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 12,20 Dollar, der freie Cashflow erreichte mit 6,9 Milliarden Dollar einen Unternehmensrekord. Für das dritte Fiskalquartal stellte das Management 33,5 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht.

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Micron ist der Hauptprofiteur der strukturellen Knappheit bei HBM-Chips, die für Nvidias Blackwell- und die kommende Rubin-Plattform benötigt werden. Die gesamte HBM-Kapazität für 2026 ist bereits über langfristige Vereinbarungen vergeben. Volumenlieferungen von HBM4 für Nvidias Vera-Rubin-GPU-Plattform haben begonnen, und ein erster Fünfjahresvertrag mit einem Großkunden signalisiert, dass mindestens ein Abnehmer Kapazitäten in großem Stil gesichert hat.

KeyBanc-Analyst John Vinh sieht bei Micron eines der besten Chance-Risiko-Profile im Chipsektor und hält an seinem Kursziel von 600 Dollar fest. Der Wall-Street-Konsens liegt bei rund 534 Dollar — bei einem Forward-KGV von lediglich 8x ein Bewertungsniveau, das günstig wirkt, solange die Spitzengewinne Bestand haben.

Marvell Technology: Plasmonik-Deal stärkt das optische KI-Geschäft

Marvell hat die Übernahme von Polariton Technologies angekündigt, einem 2019 aus der ETH Zürich ausgegründeten Spezialisten für plasmonikbasierte Silizium-Photonik. Finanzielle Details nannte das Unternehmen nicht. Die Transaktion ergänzt Marvells bestehendes Portfolio um fortschrittliche Modulationstechnik, die höhere Bandbreiten bei niedrigerem Energieverbrauch pro Bit ermöglicht.

Die strategische Logik dahinter: Während die Branche gerade die Umstellung auf 1,6-Terabit-Konnektivität vollzieht, bereiten sich Rechenzentrumsbetreiber bereits auf 3,2 Terabit und darüber hinaus vor. Marvells Interconnect-Geschäft soll im Fiskaljahr 2027 um mehr als 50 % wachsen — deutlich über den bisherigen Erwartungen. Barclays prognostiziert für das optische Netzwerkgeschäft ein Wachstum von rund 90 % in diesem und im nächsten Jahr.

Die Aktie notiert bei 146,56 Euro am Allzeithoch und hat sich seit Jahresbeginn nahezu verdoppelt. Oppenheimer sieht mit einem Kursziel von 170 Dollar weiteres Potenzial, Erste Group hat die Abdeckung mit einer Kaufempfehlung aufgenommen und verweist auf die Nvidia-Partnerschaft sowie die Verdopplung des Nettogewinns über die letzten fünf Quartale. Rund 75 % von Marvells Geschäft entfallen mittlerweile auf Rechenzentren, Cloud und Custom Silicon.

Drei parallele Wettläufe prägen den Sektor

Die fünf Unternehmen konkurrieren in unterschiedlichen, aber eng verzahnten Arenen:

  • Speicher: SK Hynix führt bei Marge und HBM-Marktanteil, Micron schließt mit HBM4 und ausgebuchter Kapazität auf. DRAM-Vertragspreise sind im ersten Quartal um 90 bis 95 % gestiegen, NAND um 55 bis 60 %. Der Aufwärtstrend soll ins zweite Quartal hinein anhalten.
  • Logik/Foundry: TSMCs Verzicht auf High-NA-EUV verschärft den Kontrast zu Intels Strategie und könnte die Kostenstruktur der gesamten Branche beeinflussen.
  • Custom Silicon & Optik: Marvells Polariton-Deal und die gemeldeten Gespräche über Chip-Koentwicklung mit Google festigen die Position im wachsenden Markt für maßgeschneiderte KI-Beschleuniger.
  • GPU/Beschleuniger: AMDs Durchbruch über 300 Dollar spiegelt die Neubewertung als KI-Infrastruktur-Anbieter wider — gebremst nur durch Kapazitätsgrenzen.

Entscheidende Wochen für die Bewertungsfrage

Die nächsten sechs bis acht Wochen werden zeigen, wie belastbar die aktuellen Bewertungen sind. AMDs Quartalszahlen am 5. Mai liefern den ersten Härtetest. Microns Fiskalbericht im späten Juni wird Aufschluss über die Nachhaltigkeit der HBM-Preise geben — entscheidend sind Kommentare zur Preisgestaltung, HBM4-Qualifizierung bei Nvidia und Wafer-Kapazitäten bis 2027.

Bei SK Hynix stellt sich die Frage, ob eine 72-Prozent-Marge angesichts massiver Investitionen in neue Fertigungskapazitäten haltbar ist. TSMCs Juli-Bericht wird klären, ob die N2-Volumen den Umsatzmix wie geplant füllen. Marvells Integration von Polariton und mögliche Fortschritte bei der Google-Kooperation bleiben die Signale für den Custom-Silicon-Markt.

Über alle fünf Namen hinweg bleibt der KI-Infrastruktur-Ausbau die dominierende Kraft. Ob die Rally durch den Rest des Jahres 2026 trägt, entscheiden am Ende Lieferfähigkeit, Margenentwicklung und die Frage, wie viel Zukunft in den aktuellen Kursen bereits eingepreist ist.

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