Amkors engere Zusammenarbeit mit Nvidia eröffnet Wachstumsmöglichkeiten, beseitigt aber nicht die kurzfristigen Ergebnisrisiken. Zacks empfiehlt heute vor den anstehenden Quartalszahlen weiterhin, die Aktie zu halten. Entscheidend ist, wie profitabel Amkor neue Kapazitäten auslasten kann. Zugleich belasten das schwache Kommunikationsgeschäft und eine Produktionsverlagerung den Ausblick.

Höhere Gewinne trotz verhaltenen Umsatzwachstums

Für das dritte Quartal 2026 nennt Zacks einen Umsatzkonsens von 2,02 Mrd. US-Dollar. Das entspricht einem erwarteten Plus von 1,54 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Beim Geschäftswachstum rechnen die Analysten damit zunächst nicht mit einem großen Sprung.

Die Gewinnerwartungen fallen deutlich dynamischer aus. Dahinter steht die Aussicht auf höhere Margen. Für Anleger wird deshalb wichtig, ob Amkor das erwartete Ergebniswachstum tatsächlich erreicht und mit seinem Ausblick untermauert.

Der Konsens für den Gewinn je Aktie liegt bei 0,79 US-Dollar. Das wäre ein Anstieg um 54,9 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Zacks zufolge blieb diese Schätzung in den vergangenen 30 Tagen unverändert.

Eine erneute positive Überraschung ist damit nicht gesichert. Zwar übertraf Amkor die Konsensschätzungen in den vergangenen vier Quartalen. Das Prognosemodell von Zacks liefert diesmal jedoch kein eindeutiges Signal für ein Ergebnis oberhalb der Erwartungen.

Amkor selbst erwartet für das dritte Quartal eine Bruttomarge von 18,5–19,5 %, nach 16,8 % im zweiten Quartal. Die Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 sollen am 26. Oktober erscheinen.

Nvidia-Ausbau verlangt profitablen Hochlauf

Die gestern angekündigte Erweiterung der Zusammenarbeit mit Nvidia gibt Amkor eine längerfristige Wachstumsperspektive. Die Vereinbarungen sehen Vorauszahlungen vor. Damit soll die Fertigungskapazität auf Nvidias langfristige Wachstumspläne und die Nachfrage nach fortschrittlicher Halbleiterverpackung ausgerichtet werden.

Für den Ausbau in Südkorea kündigte Amkor zusätzliche Investitionen von 1,3 Mrd. US-Dollar an. Die mehrjährigen Vereinbarungen mit Nvidia in Südkorea und Arizona erreichen damit insgesamt 3 Mrd. US-Dollar.

Für die Ergebnisentwicklung kommt es allerdings auf den Hochlauf an. Auslastung, Fixkosten und Abschreibungen bestimmen mit, wie stark sich zusätzliche Kapazitäten in höheren Gewinnen niederschlagen. Die Vereinbarungen allein beantworten diese Frage noch nicht.

Die mit Interposer-Wafern verbundene Verpackungskapazität in Südkorea soll bis Ende 2028 um mehr als 300 % steigen. Für 2026 plant Amkor Investitionsausgaben von 2,5–3 Mrd. US-Dollar.

Schwaches Kommunikationsgeschäft bleibt Gegengewicht

Operativ entwickeln sich die Endmärkte unterschiedlich. Das Computing-Geschäft soll nach einem Rekordquartal weiter zulegen. Auch für Automotive und Industrie erwartet das Management Wachstum. Im Kommunikationsgeschäft rechnet es dagegen mit einem hohen einstelligen Umsatzrückgang gegenüber dem Vorquartal.

Zusätzlichen Gegenwind bringt die Verlagerung der SiP-Produktion von Korea nach Vietnam. Belastungen für bestimmte Anwendungen könnten bis ins erste Halbjahr 2027 anhalten. Trotz der Nvidia-Vereinbarung verliert die Aktie heute -7,5%.

Damit stehen für Anleger zwei Ebenen nebeneinander: langfristige Kapazitätschancen und kurzfristige Belastungen des laufenden Geschäfts. Die nächsten Ergebnisse müssen zeigen, ob die erwartete Margenverbesserung trägt. Für eine günstigere Einschätzung wäre zudem ein Ausblick hilfreich, der den profitablen Hochlauf der neuen Kapazitäten und die Schwäche im Kommunikationsgeschäft überzeugend einordnet.