Ein externer Chip-Dämpfer reicht, und bei Ams Osram kippt die Stimmung abrupt. Die Aktie verlor am Freitag 17,11 Prozent auf 18,65 Euro. Der Kurssturz trifft einen Wert, der zuvor stark vom KI-Thema profitiert hatte.
Auf Wochensicht steht ein Minus von 13,26 Prozent. Seit Jahresanfang bleibt das Papier trotzdem 119,41 Prozent im Plus. Genau dieser starke Lauf macht den Rücksetzer so heikel.
Broadcom drückt auf die Stimmung
Auslöser war nicht Ams Osram selbst, sondern Broadcom. Der US-Konzern enttäuschte mit seinem Ausblick und hob das KI-Chip-Umsatzziel für 2027 nicht an. Er bestätigte es nur.
Das reichte, um Halbleiterwerte unter Druck zu setzen. Bei Ams Osram traf die Nachricht auf hohe Erwartungen nach dem jüngsten KI-getriebenen Anstieg. Kein Wunder, dass die Reaktion hart ausfiel.
Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch bei 26,70 Euro beträgt nun 30,15 Prozent. Über dem 200-Tage-Durchschnitt liegt die Aktie aber weiter klar. Das zeigt: Der Trend ist nicht gebrochen, aber deutlich angeschlagen.
Hauptversammlung wird zum nächsten Test
Am 10. Juni 2026 lädt Ams Osram zur Hauptversammlung nach Premstätten. Auf der Tagesordnung stehen der Abschluss für 2025 und die Wahl des Abschlussprüfers für 2026. Auch Aufsichtsratsfragen rücken in den Blick.
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Die Mandate von Andreas Gerstenmayer und Arunjai Mittal laufen aus. Der Aufsichtsrat will beide erneut wählen lassen. Die neuen Mandate sollen bis zur Hauptversammlung über das Geschäftsjahr 2029 laufen.
Auch die Kapitalstruktur spielt eine Rolle. Ein bedingtes Kapital aus 2017 soll gestrichen werden. Die zugehörigen Wandelschuldverschreibungen aus 2018 tilgte der Konzern im März 2025 vollständig.
Konkret entfällt eine mögliche Kapitalerhöhung von bis zu 8,4 Millionen Euro. Sie hätte bis zu 844.198 neue Aktien umfasst. Für den Markt ist das eher Aufräumarbeit als neue Verwässerung.
Bilanzumbau bleibt der Kern
Operativ hängt viel am geplanten Verkauf der nicht-optischen Sensoren an Infineon. Der Abschluss wird für das zweite Quartal 2026 erwartet. Die Kartellprüfung bleibt der wichtigste offene Punkt.
Aus den laufenden Desinvestitionen erwartet Ams Osram rund 670 Millionen Euro. Das Geld soll die Bilanz entlasten. Bis 2028 sollen die jährlichen Finanzierungskosten von bis zu 300 Millionen Euro auf unter 150 Millionen Euro sinken.
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Mitte Mai platzierte der Konzern vorrangige Schuldverschreibungen über eine Milliarde Euro. Sie laufen bis 2032 und tragen einen Kupon von 7,25 Prozent. Damit ersetzt Ams Osram teurere Altlasten.
Vollständig abgelöst werden Anleihen über 750 Millionen US-Dollar mit 12,25 Prozent Kupon. Einen weiteren Teil nutzt der Konzern für Euro-Papiere. Diese haben ein Volumen von rund einer Milliarde Euro und verzinsen sich mit 10,5 Prozent.
Das Ziel ist klar: weniger Zinsdruck. Ams Osram erwartet aus der Umschuldung eine jährliche Entlastung von rund 40 Millionen Euro. Die revolvierende Kreditlinie über 600 Millionen Euro läuft nun bis September 2028.
KI-Fantasie braucht operative Belege
Im Auftaktquartal erzielte Ams Osram 796 Millionen Euro Umsatz. Die bereinigte EBITDA-Marge lag bei 16,5 Prozent. Der freie Cashflow war mit 37 Millionen Euro positiv.
Die nächste Prognose wirkt solide, aber nicht spektakulär. Für das zweite Quartal peilt der Konzern 725 bis 825 Millionen Euro Umsatz an. Die bereinigte EBITDA-Marge soll rund 15,5 Prozent erreichen.
Parallel arbeitet Ams Osram an optischen Verbindungen für KI-Rechenzentren. Dafür gibt es eine Entwicklungsvereinbarung mit einem führenden Infrastrukturpartner. Zunächst geht es um kurze Strecken zwischen Server-Racks.
Das Management hält am Ziel fest, ab 2027 einen positiven Free Cashflow zu erzielen. Gemeint ist der Wert inklusive Nettozinsaufwand und ohne Desinvestitionen. Nach dem Kursrutsch zählt nun jeder Beleg, dass der Umbau nicht nur bilanziell wirkt.
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