ams-OSRAM forcierte in den vergangenen Wochen die Verteidigung seiner Marktposition im Bereich der Automobilbeleuchtung. Das Unternehmen reichte am 13. August zwei Klagen wegen Patentrechtsverletzungen in Deutschland ein. Diese richten sich gegen einen Elektronik-Distributor, der Automotive-LED-Produkte des Herstellers Refond Optoelectronics vertrieben haben soll. Dieser rechtliche Vorstoß unterstreicht das Bestreben des Halbleiterkonzerns, seine technologischen Entwicklungen im Kerngeschäft konsequent gegen unlizenzierte Konkurrenz abzusichern.

Strategische Neuausrichtung und Portfolio-Bereinigung

Parallel zur rechtlichen Flanke treibt das Management die Konzentration auf optische Lösungen voran. Ein wichtiger Baustein hierbei ist der Verkauf von Unternehmensteilen, die nicht zum Kerngeschäft der Sensorik und Photonik gehören.

Für das laufende dritte Quartal 2026 wird der Abschluss des Verkaufs des CMOS-Image-Sensor-Geschäfts an Indie Semiconductor erwartet. Diese Transaktion hat ein Gesamtvolumen von rund 40 Millionen Euro, wovon 35 Millionen Euro als Barzahlung bei Abschluss fließen sollen.

Bereits am 1. Juli konnte der Konzern den Verkauf des nicht-optischen Analog- und Mixed-Signal-Sensorgeschäfts an Infineon erfolgreich abschließen. Der Erlös von 570 Millionen Euro floss dem Unternehmen unmittelbar zu und stärkte die Liquidität.

Zum Stichtag 30. Juni verfügte ams-OSRAM laut Unternehmensangaben über liquide Mittel in Höhe von 994 Millionen Euro, wobei die Infineon-Zahlung erst zum Beginn des neuen Quartals verbucht wurde. Diese Mittel dienen unter anderem der Entschuldung: Geplant ist ein Rückkaufangebot für Wandelanleihen und Senior Notes in einem Volumen von 120 bis 150 Millionen Euro.

Operative Fortschritte und Auftragslage

Operativ verzeichnete der Konzern zuletzt eine hohe Dynamik. Im zweiten Quartal belief sich der Umsatz auf 805 Millionen Euro, womit die ursprünglichen Erwartungen übertroffen wurden. Besonders die bereinigte EBITDA-Marge von 16,9 Prozent lag über dem Marktkonsens.

Ein wesentlicher Indikator für die künftige Entwicklung ist das Volumen der neu gewonnenen Kundenprojekte. Im Halbleitersegment sicherte sich das Unternehmen allein im zweiten Quartal Design-Wins im Wert von 1,6 Milliarden Euro. Für das gesamte erste Halbjahr 2026 summiert sich dieses Volumen auf rund 2,5 Milliarden Euro.

Trotz eines bereinigten Nettoergebnisses von minus 55 Millionen Euro im zweiten Quartal – welches durch Call-Prämien bei vorzeitigen Schuldenrückzahlungen belastet wurde – zeigt sich die Führungsebene für die nahe Zukunft zuversichtlich. Die Prognose für das laufende dritte Quartal sieht einen Umsatz zwischen 770 und 870 Millionen Euro vor.

Börsenbewertung und Marktreaktion

An der Börse wird die operative Stabilisierung und der forcierte Schuldenabbau positiv gewürdigt. Die ams-OSRAM-Aktie notiert aktuell bei 19,75 Euro. Seit Jahresbeginn verzeichnet das Papier eine deutliche Aufwärtsbewegung und legte um 135 Prozent zu. Damit notiert der Wert derzeit rund 44 Prozent über seinem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage.

Zusätzliche Impulse verspricht sich das Unternehmen von technologischen Fortschritten bei microLED-Arrays für Augmented-Reality-Brillen. Um die Innovationskraft in diesen Bereichen besser zu nutzen, wurden zum 1. Juli dedizierte Geschäftsbereiche für „Digital Photonics“ etabliert. Diese neue Struktur soll die Umsetzung der Innovationspipeline beschleunigen und die Skalierung neuer Technologien im Markt fördern.

Zudem meldete das Unternehmen einen Meilenstein bei der Entwicklung spezieller Arrays für AR-Smart-Glasses, was die Ambitionen im Bereich der Wearables unterstreicht.