Starke Jahresbilanz, schwaches Wochenende. Ams Osram beendete den Freitagshandel mit einem Minus von gut fünf Prozent bei 18,90 Euro. Eigene Fehler machte der Halbleiterkonzern dabei nicht. Ein breiter Ausverkauf bei asiatischen Tech-Werten riss die Papiere schlichtweg mit.
Trotz des jüngsten Kursrückgangs bleibt die Jahresperformance mit einem Plus von 122 Prozent beeindruckend. Mitten in dieser Konsolidierung sendet JPMorgan ein starkes Signal. Die US-Großbank hob ihr Kursziel auf 24,40 Schweizer Franken an. Damit markieren die Analysten den absoluten Spitzenwert am Markt.
Der durchschnittliche Konsens liegt mit 14,65 Franken deutlich tiefer. JPMorgan-Analyst Craig McDowell lobt die strategische Neuausrichtung. Er rechnet fest mit neuen Wachstumschancen durch KI-Photonik und smarte MicroLED-Brillen. Beide Bereiche fehlen in den meisten Marktschätzungen bisher komplett.
Warten auf das Bundeskartellamt
Das bestimmende Thema der neuen Woche liegt in Bonn. Das Bundeskartellamt prüft den Verkauf des nicht-optischen Sensorgeschäfts an Infineon. Bis Ende Juni erwarten Beobachter das finale Votum. Der Deal spült rund 570 Millionen Euro in die Kassen.
Für Ams Osram geht es um viel. Die Einnahmen sollen den Verschuldungsgrad des Konzerns von 3,3 auf etwa 2,5 drücken. Das befreit das Unternehmen von einer jahrelangen Last. Infineon übernimmt dabei Produkte und Patente, aber keine Fabriken.
Umbau der Bilanz läuft
Parallel dazu hat das Management die eigenen Finanzen bereits neu geordnet. Eine neue Milliardenanleihe mit 7,25 Prozent Zinsen ersetzt ein altes, teures Dollar-Papier. Die Folge: Ab 2027 spart der Konzern jährlich rund 40 Millionen Euro an Zinskosten.
Auch das operative Geschäft liefert Argumente für Optimisten. Im ersten Quartal 2026 erwirtschaftete Ams Osram 796 Millionen Euro Umsatz. Die bereinigte operative Marge erreichte solide 16,5 Prozent.
Das reine Halbleitergeschäft verzeichnete ein Plus von neun Prozent. Finanzchef Rainer Irle sieht zudem langfristiges Potenzial. Er erwartet ab 2030 dreistellige Millionenumsätze durch das neue KI-Photonik-Geschäft.
Aktuell notiert die Aktie knapp über der 50-Tage-Linie von 18,86 Euro. Der Abstand zum Jahreshoch beträgt rund 29 Prozent. Das Urteil der Wettbewerbshüter in den nächsten Tagen liefert nun den entscheidenden Impuls. Ein grünes Licht für den Infineon-Deal dürfte die jüngste Korrektur rasch beenden.
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