Die Ams Osram-Aktie gerät in den Sog eines globalen Ausverkaufs im Halbleitersektor. Das Papier fällt am Mittwoch um 1,27 Prozent auf 19,50 Euro. Zwei Faktoren treiben die Anleger derzeit in die Flucht. Eine Kartellklage in den USA und neue Pläne von Meta belasten die gesamte Branche.

Vorwürfe gegen Speicherchip-Riesen

Eine jüngst eingereichte Kartellklage vor einem kalifornischen Bundesgericht rückt führende Chiphersteller in den Fokus. Die Kläger werfen Samsung, SK Hynix und Micron verbotene Preisabsprachen vor. Die Unternehmen sollen das Angebot an DRAM-Speicher künstlich verknappt haben. Sandisk und andere Produzenten geraten durch die Vorwürfe ebenfalls unter Druck.

Parallel dazu sorgt der Facebook-Mutterkonzern Meta für Unruhe. Das Unternehmen will überschüssige Kapazitäten in Rechenzentren über die Sparte Meta Compute an Dritte vermieten. Die Folge: Cloud-Anbieter wie CoreWeave und Nebius fürchten nun ein Überangebot an Rechenleistung. Analyst Andreas Lipkow bringt das Problem auf den Punkt. Metas Markteintritt weckt Ängste über eine massiv sinkende Nachfrage im gesamten Halbleitersektor.

Asien stürzt ab, Wall Street rotiert

Die Turbulenzen trafen am Dienstag besonders den asiatischen Markt. Marktbeobachter sprechen bereits von einem schwarzen Dienstag. Im koreanischen Leitindex KOSPI lösten die massiven Kursverluste automatische Handelsunterbrechungen aus. Ein gehebelter ETF auf SK Hynix brach um 12,56 Prozent ein. Daraufhin warnten Südkoreas Finanzminister und die Finanzaufsicht öffentlich vor riskanten Wetten im Tech-Sektor.

Auch an der Wall Street suchen Investoren nach Sicherheit. Der Dow Jones erreichte zwar zunächst ein Rekordhoch, drehte danach aber ins Minus. Anleger schichten ihr Kapital von Technologieaktien in defensive Bereiche wie Gesundheit und Finanzen um. Hohe Bewertungen machen KI-Titel wie AMD derzeit extrem anfällig für Stimmungsschwankungen.

Chartbild bei Ams Osram bleibt robust

Trotz des aktuellen Rücksetzers weist die Ams Osram-Aktie eine beeindruckende Jahresbilanz auf. Seit Anfang Januar hat sich der Wert des Papiers mehr als verdoppelt. Anleger blicken auf eine außergewöhnlich starke Erholung seit dem vergangenen Dezember.

Kurzfristig zeigt das Chartbild jedoch kleine Risse. Der Kurs rutschte am Mittwoch leicht unter die 50-Tage-Linie bei 19,91 Euro. Der langfristige Trendindikator stützt den Titel weitaus tiefer bei 12,31 Euro.

Der weitere Kursverlauf im Halbleitersektor hängt nun an der laufenden Kartellklage gegen die Speicherchip-Hersteller. Auch Metas neue Cloud-Pläne dürften die Anleger in den nächsten Tagen stark beschäftigen. Setzt sich die Verunsicherung über den Bedarf in KI-Rechenzentren fort, droht europäischen Zulieferern wie Ams Osram weiterer Druck. Die eigene operative Entwicklung der Digital-Photonics-Sparte tritt in diesem volatilen Umfeld zunächst in den Hintergrund.