Der Halbleiterkonzern ams-OSRAM hat die Spitzenposition im weltweiten LED-Markt übernommen und baut seine technologische Ausrichtung grundlegend um. Während das Unternehmen durch Verkäufe von Randbereichen seine Verschuldung reduziert, rücken hochspezialisierte Lichtlösungen für künstliche Intelligenz und Augmented Reality in den Fokus der Strategie.
Vorstoß an die Weltspitze
Analysen des Marktforschungshauses TrendForce zufolge ist ams-OSRAM zum größten Akteur im globalen LED-Sektor aufgestiegen. Mit einem Marktanteil von 13 Prozent verdrängte das Unternehmen den bisherigen Branchenprimus Nichia auf den zweiten Rang.
Dieser Erfolg basiert auf einem stetigen Wachstum der Marktanteile in den vergangenen drei Jahren. Besonders stark präsentierte sich zuletzt das Kernportfolio im Halbleiterbereich, das in Sparten wie Industrie und Medizintechnik deutliche Zuwächse verzeichnete.
Die positive operative Entwicklung spiegelt sich am Aktienmarkt wider. Das Papier notiert heute bei 18,50 Euro, was einem Kursplus von 1,9 Prozent entspricht. Seit Beginn des laufenden Jahres hat der Wert eine deutliche Erholung vollzogen und verbucht ein Plus von 120 Prozent.
Meilensteine bei MicroLED und KI-Photonik
Um die Marktführerschaft langfristig zu sichern, hat der Konzern Anfang Juli eine neue Organisationsstruktur mit dedizierten Geschäftsbereichen für digitale Photonik gestartet. Ein zentraler Fortschritt gelang dabei in der Entwicklung von MicroLED-Arrays. Diese Lichtquellen sind als Herzstück für die nächste Generation von AR-Smartbrillen vorgesehen. Hier hat das Unternehmen wichtige Meilensteine für den Übergang in die Serienfertigung erreicht.
Parallel dazu erweitert ams-OSRAM seine Präsenz im Bereich der optischen Verbindungsdaten für KI-Anwendungen. Nachdem Fortschritte bei den Sendeelementen für optische Schnittstellen erzielt wurden, startete nun die Entwicklung für die Empfangskanäle. Diese Technologie soll den Datenaustausch in Rechenzentren beschleunigen und den potenziellen Wertanteil der eigenen Komponenten pro System steigern.
Medienberichten zufolge sicherte sich der Konzern allein im zweiten Quartal Design-Wins mit einem Volumen von über 1,6 Milliarden Euro im Halbleitersegment. Für das gesamte erste Halbjahr summierten sich diese künftigen Aufträge auf rund 2,5 Milliarden Euro.
Schlankere Struktur und Entschuldung
Der Konzernumbau wird durch das Transformationsprogramm „Simplify“ flankiert, das die Kostenbasis nachhaltig senken soll. Bis zur Jahresmitte wurden bereits jährliche Einsparungen in Höhe von 10 Millionen Euro realisiert. Bis zum Ende des laufenden Jahres strebt das Management eine Summe von 30 Millionen Euro an, wobei das Endziel des Programms bei 200 Millionen Euro bis zum Jahr 2028 liegt.
Ein wesentlicher Teil der Strategie ist die Konzentration auf das optische Kerngeschäft. In diesem Zusammenhang wurde Anfang Juli der Verkauf des Geschäfts mit nicht-optischen Sensoren an Infineon abgeschlossen.
Bereits im Mai wurde zudem eine Vereinbarung über die Veräußerung der CMOS-Bildsensoren unterzeichnet. Diese Desinvestitionen tragen maßgeblich zur finanziellen Stabilität bei. Die Nettoverschuldung im Verhältnis zum bereinigten Betriebsergebnis sank pro-forma von einem Faktor von 3,3 auf das 2,5-fache.
Für das kommende Jahr 2027 stellt ams-OSRAM erstmals wieder einen positiven freien Cashflow in Aussicht. Die Erlöse aus den Verkäufen sollen zudem genutzt werden, um bestehende Verbindlichkeiten wie Wandelanleihen und Senior Notes vorzeitig zurückzukaufen. Damit bereitet der Konzern das finanzielle Fundament für die nächste Wachstumsphase in den photonischen Zukunftsmärkten vor.
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