Liebe Börsenfreundinnen und Börsenfreunde,
die Huthi-Miliz hat am Sonntag den Aramco Tower im Finanzdistrikt von Riad getroffen. Trümmerteile rissen ein Loch über mehrere Stockwerke in die Glasfassade des Verwaltungsgebäudes. Das saudische Energieministerium spricht von „begrenztem Schaden“, Tote oder Verletzte gab es nicht. Die saudisch geführte Koalition meldete zudem abgefangene Raketen über Riad und Warnungen in der ölreichen Ostprovinz, unter anderem für Dhahran und Abqaiq.
Mit genau diesem Nachrichtenstand öffnet der Ölmarkt am Montag, nach dem Einbruch des Ölpreises in der Vorwoche. Brent ging knapp unter der 100-Dollar-Marke ins Wochenende. Danach folgt ein dicht gepackter Dienstag mit Infineon, den US-Verbraucherpreisen und zwei großen Telekomkonzernen.
Öl: Hormus, Frachtraten und wer davon profitiert
Der Angriff trifft einen Markt, der die Risiken des Iran-Konflikts längst über die Frachtraten einpreist. Durch die Straße von Hormus lief vor dem Krieg etwa ein Fünftel des weltweiten Angebots an Öl und Flüssigerdgas. Höhere Kriegsrisikoprämien und längere Routen haben die Tankerkosten nach oben getrieben. Solche Prämien sind Versicherungsaufschläge für Fahrten durch Krisengebiete.
Wer verdient an dieser Lage? Wird der Transport teurer, verteuert sich Rohöl für Käufer in Asien stärker als für Abnehmer nahe der Quelle. Genau das hat im dritten Quartal Raffinerien an der US-Golfküste wie Valero genützt. Sie kauften günstiges Öl aus Kanada und Venezuela, ihre Margen haben sich mehr als verdoppelt.
Die Lehre aus Riad lautet deshalb: Nicht der Ölpreis allein entscheidet, sondern wer das Öl zu welchen Frachtkosten bekommt. Am Montag lohnt also der Blick über den Brent-Preis hinaus.
Infineon: Jahreszahlen am Dienstag
Infineon legt am Dienstag um 07:30 Uhr die Jahreszahlen vor, die Pressekonferenz folgt um 08:00 Uhr. Im August hatte der Konzern sein Umsatzziel auf rund 16,3 Milliarden Euro angehoben.
Die Zahlen treffen auf einen Markt, der nach dem Ausverkauf bei den KI-Werten in der Vorwoche die Nachfrage nach Rechenleistung gerade neu bewertet. Goldman Sachs hält dagegen. Die Bank hat ihre Prognose für die weltweite Rechenzentrumskapazität bis 2030 von 217 auf 273 Gigawatt angehoben.
Wem sollen Anleger nun glauben? Wenn ein Markt zwischen Ausbau-Euphorie und Regulierungsangst schwankt, zählt die Stimme des Herstellers mehr als jede Bankenstudie. Ob Infineon den Optimismus von Goldman teilt, muss der Konzern mit seinem ersten Ausblick auf das Geschäftsjahr 2027 selbst sagen.
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US-Verbraucherpreise: Dienstag, 14:30 Uhr
Am Dienstag um 14:30 Uhr kommen die US-Verbraucherpreise für Oktober. Volkswirte erwarten im Schnitt eine Kernrate von 0,2 Prozent zum Vormonat, nach 0,3 Prozent im September. Die Kernrate misst die Teuerung ohne die stark schwankenden Preise für Energie und Lebensmittel.
Warum schauen alle so gebannt auf diesen einen Bericht? Er gilt als die Zahl, die am stärksten darüber mitentscheidet, ob die Fed im Dezember die Zinsen anhebt. IWF-Chefin Kristalina Georgieva hat am Freitag in Washington ergänzt, auch eine Abkühlung des KI-getriebenen Wachstums gehöre in die Abwägung der Notenbanken. Die Schwankungen an den Märkten würden anhalten und die Arbeit der Zentralbanken erschweren.
Steigen die Zinserwartungen, geraten hoch bewertete Wachstumswerte unter Druck. Der Grund: Künftige Gewinne werden dann stärker abgezinst, sie sind aus heutiger Sicht also weniger wert. Für Gold, das nach einer Woche mit kräftigem Plus über der 4.000-Dollar-Marke schloss, wirkt dieselbe Kette andersherum. Höhere Zinsen machen das zinslose Metall unattraktiver.
Vodafone und Telecom Italia: Europas Telekomwerte am Dienstag
Vodafone legt am Dienstag um 08:00 Uhr Halbjahreszahlen vor. Telecom Italia berichtet am Dienstag um 07:25 Uhr über das dritte Quartal. Den Rahmen liefert Barclays: Die Bank stuft den europäischen Telekomsektor nur mit neutral ein.
Auf Sicht von fünf Jahren sieht Barclays durch KI-Agenten und Satellitenwettbewerb Umsatz in Gefahr. Beim operativen Ergebnis ist das Risiko laut der Bank noch größer, sie beziffert es mit 8 bis 13 Prozent. Wenn Erlöse wegbrechen, die Netzkosten aber bleiben, trifft es das Ergebnis eben stärker als den Umsatz.
Fünf Titel führt Barclays dennoch mit Overweight, empfiehlt also, sie im Depot überzugewichten. Darunter ist die Deutsche Telekom, deren US-Präsenz die Bank als Stärke wertet. Ob Vodafone und Telecom Italia schon Spuren dieses Drucks zeigen, ist der spannendere Teil ihrer Zahlen. Am Donnerstag um 07:30 Uhr folgt United Internet mit dem dritten Quartal.
Novartis, Hochtief, Berkshire: Was am Wochenende geschah
Novartis stoppt die Entwicklung von Pelacarsen weitgehend. Die am Samstag in Chicago vorgestellte Studie HORIZON zeigte keine Reduktion von Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Herz-Kreislauf-Todesfällen. Und das, obwohl das Mittel den Blutfettwert Lipoprotein(a) drastisch senkte. Nur eine mittlere Studie zur Aortenklappenverkalkung läuft weiter.
Bei Hochtief folgte auf das Gerücht prompt das Dementi. Bloomberg hatte am Freitag berichtet, der spanische Mutterkonzern ACS erwäge eine Komplettübernahme oder einen Verkauf von Turner-Aktien. Die Hochtief-Aktie schloss daraufhin 5,5 Prozent höher. Am Samstag dementierte ACS gegenüber der Börsenaufsicht CNMV.
Ist das Thema damit erledigt? ACS hält bereits gut 75 Prozent an Hochtief. Jefferies-Analyst Graham Hunt fände ein Interesse gleichwohl nicht überraschend, weil der Kurs seit dem Rekordhoch stark gefallen und die Gewinnerwartungen gestiegen sind.
Berkshire Hathaway meldete am Samstag ein operatives Quartalsergebnis von 12,7 Milliarden Dollar, nach 13,5 Milliarden im Vorjahr. Bitcoin tritt seit Freitag auf der Stelle.
Was jetzt zählt
Der Montag gehört dem Öl. Hält der Angriff auf Riad den Preis nach dem Einbruch der Vorwoche, oder bleibt er eine Fußnote? Achten Sie dabei nicht nur auf Brent, sondern auch darauf, wer das Öl zu welchen Frachtkosten bekommt.
Der Dienstag ist der Tag der Woche. Infineon muss mit seinem Ausblick zeigen, ob die KI-Nachfrage trägt, am Nachmittag setzen die US-Verbraucherpreise den Zinsrahmen für den Dezember. Wer Telekomwerte hält, liest Vodafone und Telecom Italia mit der Barclays-Studie daneben. Einen ruhigen Restsonntag, am Montag lesen wir uns wieder.
Viele Grüße vom Treff,
Ihr Andreas Sommer
Stand heute, 8. November: Infineon – Kaufen, halten oder verkaufen?
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