Die Furcht vor Versorgungsengpässen am Persischen Golf wiegt schwerer als die tatsächliche Förderlage. Nach Angriffen auf saudi-arabische Infrastruktur legten die Notierungen am Donnerstag kräftig zu. Für ein Barrel der Nordseesorte Brent zahlten Händler im Tagesverlauf 112,31 Dollar. Das entspricht einem Plus von mehr als drei Prozent im Vergleich zum Vortag.
Drohne über Förderanlagen
Auslöser der Preisbewegung war ein Drohnenangriff der jemenitischen Huthi-Miliz auf das Ölfeld Schaiba des Staatskonzerns Saudi Aramco. Die Luftabwehr schoss das Fluggerät ab, herabfallende Trümmerteile töteten zwei Menschen. Nach Angaben des saudi-arabischen Energieministeriums blieb der Betrieb vor Ort jedoch unbeeinträchtigt. Die Anlage verfügt über eine Förderkapazität von einer Million Barrel Rohöl pro Tag.
Parallel dazu geriet der Flughafen in Dammam unter Beschuss. Bei diesem Angriff starb ein Mensch, acht weitere erlitten Verletzungen. Die Vorfälle hatten sich bereits am Mittwoch ereignet. Die USA ordneten daraufhin den teilweisen Abzug von Botschaftspersonal und Angehörigen aus dem Königreich an.
Risikoprämie am Rohölmarkt
An den Rohstoffmärkten schürt die jüngste Entwicklung die Sorge vor einer Verknappung des Angebots. Seit Beginn des Jahres verteuerte sich die Sorte Brent um mehr als 80 Prozent. Auslöser dieses Preissprungs waren Störungen der Ölströme aus dem Persischen Golf infolge des Kriegs zwischen den USA und dem Iran.
Militärische Zwischenfälle halten die Risikoprämien hoch. Nach Einschätzung des Finanzdienstleisters CIBC Private Wealth Group stützen die anhaltenden Angriffe der vergangenen Tage und das Risiko einer erneuten Eskalation nach den US-Zwischenwahlen Anfang November das Preisniveau an den Ölmärkten.
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