Die weltweiten Anleihemärkte finden nach einem historischen Zinsanstieg vorerst Halt. Vor der Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts für September hoffen die Märkte auf eine Abkühlung der Wirtschaft. Ein moderater Beschäftigungsaufbau könnte der Federal Reserve den nötigen Spielraum geben, auf eine weitere Zinserhöhung im Oktober zu verzichten.
Zuletzt kletterte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf bis zu 5,34 Prozent. Das markierte den höchsten Stand seit 24 Jahren. Vorausgegangen war der steilste vierteljährliche Renditesprung seit 32 Jahren, der die Finanzierungsbedingungen an den globalen Kapitalmärkten verschärfte.
Nun greifen Investoren auf dem erhöhten Zinsniveau wieder zu. Renditen zwischen 5,25 und 5,35 Prozent gelten vielen Marktteilnehmern als attraktive Einstiegsgelegenheit. Zur jüngsten Beruhigung trugen auch zurückhaltende Töne aus den Reihen der US-Notenbank bei.
Zinswetten für Oktober brechen ein
Die Erwartungen an den Terminmärkten haben sich innerhalb weniger Tage spürbar verschoben. Die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt der Fed bei der nächsten Sitzung liegt nur noch bei 28 bis 30 Prozent. Zu Beginn der Woche lag dieser Wert noch bei rund 70 Prozent.
Die Währungshüter hatten die Zügel im Vormonat nach einer dreijährigen Pause wieder angezogen. Angesichts anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheiten signalisierten mehrere Vertreter der Notenbank zuletzt jedoch, vor weiteren Schritten zunächst neue Konjunkturdaten abwarten zu wollen.
Stellenaufbau normalisiert sich
Der Arbeitsmarktbericht liefert das dafür maßgebliche Signal. Ökonomen erwarten im Schnitt einen Zuwachs von rund 90.000 neuen Stellen außerhalb der Landwirtschaft. Im Vormonat lag das Plus noch bei 162.000 Arbeitsplätzen.
Die Arbeitslosenquote dürfte bei 4,1 Prozent verharren. Für die durchschnittlichen Stundenlöhne wird ein Anstieg von 3,2 Prozent im Jahresvergleich prognostiziert. Dies spräche dafür, dass der Arbeitsmarkt die Inflation nicht weiter anheizt.
Bestätigen die Daten eine kontrollierte Abkühlung der Beschäftigung, dürfte die Atempause an den Rentenmärkten anhalten. Ein überraschend starker Bericht hingegen könnte den Zinsdruck vor der nächsten Notenbanksitzung am 27. und 28. Oktober unmittelbar wieder anfachen.


