Anthropic hat einen Bericht veröffentlicht, der es in sich hat: Chinesische KI-Anbieter sollen Kundenanfragen heimlich an Claude weitergeleitet haben, statt sie mit eigener Technik zu beantworten. Betroffen sind demnach Kimi vom Anbieter Moonshot und die bekanntere KI DeepSeek.
Fake-Accounts im großen Stil
Laut dem Bericht nutzte Kimi binnen zehn Tagen ein Netzwerk aus 5.380 Fake-Accounts, um fast 300.000 Kundenanfragen heimlich an Claude durchzureichen. Von Mai bis Juli soll allein Kimi 23 Millionen Mal auf Anthropic-Technik zugegriffen haben — eine Technik, die in der Branche als Destillation bekannt ist und mit der günstigere Modelle vom Wissen teurer Konkurrenzsysteme profitieren.
Brisant wird es bei den Inhalten: Ein Nutzer soll Überwachungsaufnahmen aus dem Umfeld chinesischer Militärstandorte hochgeladen haben, um das Verhalten einer Person zu analysieren. Er ging davon aus, Kimi bearbeite die Anfrage — tatsächlich lief sie über Claude.
Bei DeepSeek sollen zudem Daten einer Behörde aus dem Umfeld des russischen Verteidigungsministeriums samt gültiger Zugangsdaten zu einer russischen Regierungsdatenbank in Anthropics Systemen gelandet sein.
Chinas Außenamt wollte sich zu den konkreten Vorwürfen nicht äußern, wies aber pauschal zurück, Tatsachen verdrehen zu wollen. Der Zeitpunkt ist für die chinesische KI-Branche unangenehm: Seit DeepSeek und Moonshot mit günstigen Modellen wiederholt für Turbulenzen an den Börsen gesorgt hatten, zweifeln Anleger phasenweise an den Geschäftsaussichten teurer US-Labore wie Anthropic. Der neue Bericht dreht die Erzählung um — und rückt die chinesischen Anbieter als heimliche Trittbrettfahrer amerikanischer Technik in den Fokus.
Politischer Druck aus Washington
Parallel zum China-Streit gerät Anthropic in Washington unter Beschuss. Nach der öffentlichkeitswirksamen Kündigung eines Mitarbeiters mit Extinction-Warnung fordern mittlerweile mehr als 20 Kongressmitglieder strengere KI-Regulierung. Abgeordnete beider Parteien sprechen von einem „Kipppunkt“ bei der politischen Unterstützung für neue Gesetze.
Mehrere Gesetzesinitiativen liegen bereits vor, darunter der FRONTIER Act und der Ban Artificial Superintelligence Act, der eine vorübergehende Pause der KI-Entwicklung vorsieht. Senat und Repräsentantenhaus sind allerdings bis zu den Zwischenwahlen im November größtenteils in der Sitzungspause — konkrete Beschlüsse gelten deshalb als unwahrscheinlich, bevor das neue Kongressjahr beginnt.
Für Anthropic ergibt sich damit eine ungewöhnliche Doppellage: Das Unternehmen positioniert sich als Opfer unlauterer chinesischer Konkurrenz und steht zugleich selbst im Zentrum der Debatte um die Risiken der eigenen Technologie. Wie stark der politische Druck die Geschäftsentwicklung tatsächlich beeinflusst, dürfte sich erst zeigen, wenn der neue Kongress im kommenden Jahr über die vorliegenden Gesetzentwürfe abstimmt.
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