Apple profitiert von der wachsenden Skepsis gegenüber milliardenschweren KI-Investitionen. Wie Bloomberg heute berichtet, nutzen Anleger die Aktie als Absicherung gegen die Schwankungen von KI- und Halbleiterwerten. Apples vergleichsweise geringe Investitionen in KI-Infrastruktur stützen diese Rolle. Die hohe Bewertung macht das Papier allerdings anfällig für einen Stimmungswechsel.

Weniger Infrastruktur, mehr Produktgeschäft

Im Mittelpunkt steht eine andere Ausrichtung als bei den großen KI-Investoren: Apple setzt stärker auf Hardware und Produkte wie das faltbare iPhone Duo. Dazu kommt laut Bloomberg ein starker freier Cashflow. Anleger suchen damit nicht unbedingt Abstand zur Technologiebranche, sondern zu deren besonders kapitalintensivem KI-Ausbau.

Wie ausgeprägt diese Gegenbewegung inzwischen ist, zeigt die kurzfristige Korrelation zum Chipindex. Sie lag laut Bloomberg über zehn Tage bei −90 %. Beide bewegten sich damit zuletzt stark in entgegengesetzte Richtungen.

Das ist für Anleger eine wichtige Unterscheidung: Apple gilt derzeit als Zuflucht vor bestimmten Technologierisiken, nicht als grundsätzlich risikoloses Investment. Die Nachfrage nach der Aktie hängt damit auch davon ab, wie kritisch der Markt die Finanzierung des KI-Ausbaus beurteilt.

Gestern gewann das Papier 1,4%. Dieser Zuwachs passt zur beschriebenen Umschichtung, während Sorgen über KI-Ausgaben andere große Technologiewerte belasteten.

Hohe Bewertung trifft nachlassendes Wachstum

Der vermeintliche Schutz hat seinen Preis. Nach dem heutigen Bloomberg-Bericht wird Apple mit dem 36-Fachen des Gewinns bewertet. Das ist der höchste Multiplikator seit Januar 2008.

Damit steht nicht nur die relative Attraktivität gegenüber KI-Infrastrukturwerten zur Debatte. Entscheidend ist auch, ob Apples eigenes Geschäft die Bewertung tragen kann. Die Wachstumserwartungen deuten auf eine Verlangsamung hin.

Bloomberg Intelligence erwartet für das Geschäftsjahr 2026 ein Umsatzwachstum von rund 15 %. Für das laufende Geschäftsjahr wird damit noch ein kräftiger Zuwachs unterstellt.

Neue Produkte sollen die Nachfrage stützen. Der heute gestartete Verkauf des iPhone Duo liefert dafür einen konkreten Anknüpfungspunkt. Reuters berichtet von Vorbestellungen, deren Liefertermine binnen Minuten bis Ende Januar rutschten. Apple bezeichnete die Nachfrage als außergewöhnlich, veröffentlichte aber keine Verkaufszahlen.

Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet Bloomberg Intelligence nur noch 9,7 % Umsatzwachstum. Der Produktstart muss sich somit erst in tatsächlich ausgelieferten Geräten und Geschäftszahlen niederschlagen.

Frühe Tests fallen zudem nicht uneingeschränkt positiv aus. Reuters zufolge loben sie das Design, kritisieren aber unter anderem noch nicht angepasste Drittanbieter-Apps. Hohe Vorbestellnachfrage allein beantwortet deshalb nicht die Frage nach dem längerfristigen Wachstum.

Im Geschäftsjahr 2028 soll der Umsatz nach Einschätzung von Bloomberg Intelligence noch um 5,5 % zulegen.

Eine Chip-Erholung könnte Apple belasten

Ein weiteres Risiko ergibt sich gerade aus Apples neuer Rolle im Depot. Die Analysten von BTIG erwarten, dass eine Erholung des Halbleiterindex die Apple-Aktie mindestens bis zu ihrer gleitenden Durchschnittslinie drücken könnte.

Die Absicherungswirkung kann sich also umkehren. Kehren Anleger zu Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerten zurück, könnte Apple einen Teil seiner relativen Stärke verlieren. Für Aktionäre stehen deshalb zwei Prüfsteine im Vordergrund: die Umsetzung der Produktnachfrage in Wachstum und die Bereitschaft des Marktes, dafür weiterhin eine hohe Bewertung zu bezahlen.