Heute Nacht läuft die Frist ab. Australische Seltenerdaktionäre müssen bis 11:45 Uhr Ortszeit Perth ihre Stimmen abgeben — danach ist das Proxy-Fenster geschlossen. Am 2. Juli entscheidet die Hauptversammlung, ob das Nolans-Projekt tatsächlich gebaut wird.
Die Aktie notiert bei 0,14 Euro, gut 51 Prozent unter ihrem Oktober-Hoch. Der RSI von 34,5 zeigt: Der Markt ist nervös, aber noch nicht kapituliert.
Ein Finanzpaket, das nicht scheitern darf
Zur Abstimmung steht ein dreiteiliges Finanzierungspaket im Gesamtvolumen von 1,34 Milliarden australischen Dollar. Export Finance Australia kauft rund 595 Millionen neue Aktien zu je 0,2447 australischen Dollar. Der deutsche Rohstoffonds KfW steuert 50 Millionen Euro bei. Die National Reconstruction Fund Corporation zeichnet Wandelanleihen.
Das Tückische: Jeder der drei Teilbeschlüsse muss einzeln die Mehrheit erreichen. Ein einziges Nein reicht, um das gesamte Paket zu Fall zu bringen.
KfW erhält im Gegenzug einen Sitz im Aufsichtsgremium sowie Vetorechte über Abnahme- und Projektentwicklungsverträge. Das ist für einen börsennotierten australischen Bergbaukonzern ungewöhnlich viel staatlicher Einfluss.
Der Countdown läuft auf mehreren Ebenen
Hinter dem Abstimmungstermin steckt eine härtere Deadline. Alle Finanzierungsbedingungen müssen bis zum 1. Dezember 2026 erfüllt sein — sonst verfallen die Zusagen. Drei Wochen davor, am 10. November, läuft die zwölfmonatige Aussetzung der verschärften chinesischen Seltenerdeausfuhrkontrollen ab. China kontrolliert rund 60 Prozent der weltweiten Förderung und über 90 Prozent der Verarbeitungskapazität. Die Internationale Energieagentur schätzt, dass eine vollständige Wiedereinführung der Kontrollen jährlich rund 6,5 Billionen Dollar wirtschaftlicher Aktivität außerhalb Chinas gefährden würde.
Für Arafura bedeutet das: kein Puffer, kein Plan B.
Nolans: Bereit für den Spatenstich
Das Projekt selbst ist weit fortgeschritten. Arafura will im September mit dem Bau beginnen. Das Ingenieurbüro Hatch ist bereits als Generalunternehmer engagiert. Das Camp vor Ort wird reaktiviert, Wasserversorgung und Zufahrtsstraßen werden ausgebaut.
Nolans soll ab Ende 2029 jährlich 4.440 Tonnen Neodym-Praseodym-Oxid produzieren — über eine Betriebszeit von 38 Jahren. Der Nachsteuer-Barwert des Projekts liegt laut Arafuras aktualisierter Wirtschaftlichkeitsrechnung bei 1,73 Milliarden Dollar, die interne Rendite bei 17,2 Prozent.
93 Prozent der geplanten Jahresproduktion sind bereits vertraglich vergeben. Abnehmer sind Hyundai, Kia, Siemens Gamesa und der Händler Traxys North America. Hinzu kommen 500 Tonnen für Australiens neuen strategischen Seltenerdspeicher.
Zwei Risiken jenseits der Abstimmung
Neben dem Finanzierungsvotum gibt es eine zweite offene Front. Das Arid Lands Environment Centre hat Anfang Juni formell Beschwerde gegen das beschleunigte Genehmigungsverfahren für Nolans eingereicht. Die Organisation fordert strengere Auflagen für Grundwasser- und Biodiversitätsmonitoring. Verzögerungen aus diesem Verfahren könnten den engen Bauplan gefährden.
Auf der Aktionärsseite hält Gina Rineharts Hancock Prospecting nach einer Investition von 85 Millionen australischen Dollar inzwischen 17,5 Prozent der Anteile. Damit ist Hancock der einflussreichste Einzelaktionär — und dürfte das Abstimmungsergebnis maßgeblich mitbestimmen. Institutionelle Investoren wie State Street und Citigroup haben ihre Positionen im Mai und Juni hingegen abgebaut.
Stimmt die Hauptversammlung am 2. Juli zu, könnte im September tatsächlich der erste Bagger rollen. Scheitert auch nur ein Teilbeschluss, steht ein Jahrzehnt Projektentwicklung vor dem Nichts.
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