Deutschland und Australien haben sich als strategische Partner bei der Sicherung westlicher Seltener-Erden-Lieferketten positioniert — und Arafura Rare Earths steht im Zentrum dieser Allianz. Mit der formellen Unterzeichnung bindender Zeichnungsvereinbarungen durch die KfW und die australische Exportkreditagentur EFA nimmt das Nolans-Projekt eine neue Dimension an.

Die Eckdaten der Kapitalzusagen

KfW zeichnet im Namen des Deutschen Rohstoffonds Anteile im Wert von 84 Millionen australischen Dollar, EFA steuert 146 Millionen bei — zusammen 230 Millionen AUD. Der Ausgabepreis liegt bei 0,2447 AUD je Aktie, was einem Abschlag von 12,6 Prozent gegenüber dem letzten Schlusskurs entspricht. Berechnet wurde er als volumengewichteter Durchschnittskurs der vergangenen 20 Handelstage abzüglich zehn Prozent.

Zusammen mit der bereits gesicherten Wandelanleihe der National Reconstruction Fund Corporation über 200 Millionen AUD und einer Eigenkapitalrunde über 481 Millionen AUD aus dem vergangenen Jahr summieren sich Arafuras Eigenkapitalzusagen auf insgesamt 911 Millionen AUD. Zum Stichtag Dezember 2025 wies das Unternehmen keine Schulden und liquide Mittel von 571 Millionen AUD aus.

Strategische Logik hinter den Staatsinvestitionen

Das Interesse der deutschen Seite ist konkret: Das Nolans-Projekt soll ab der zweiten Jahreshälfte 2029 jährlich 4.440 Tonnen Neodym-Praseodym-Oxid (NdPr) liefern — ein Schlüsselmaterial für Permanentmagnete, die unter anderem in Offshore-Windturbinen der Siemens-Gamesa-Anlage im deutschen Cuxhaven verbaut werden. Mit einer geplanten Minenlebensdauer von 38 Jahren und einer integrierten Verarbeitungsanlage vor Ort würde Nolans rund vier Prozent der weltweiten NdPr-Nachfrage abdecken.

KfW erhält bei Abschluss der Transaktion das Recht, einen Vertreter in den Arafura-Vorstand zu entsenden. EFAs Beteiligung läuft über Australiens fünf Milliarden AUD schwere Critical Minerals Facility.

Rückenwind kommt zudem vom frisch abgeschlossenen Freihandelsabkommen zwischen Australien und der EU. Es beseitigt mehr als 99 Prozent der Zölle auf EU-Exporte nach Australien und öffnet australischen Mineralienexporteuren neue Zugänge zum europäischen Markt — ein struktureller Vorteil, der die Investitionslogik hinter Nolans weiter stärkt.

Was noch fehlt bis zum Baubeginn

Die Transaktionen sind noch nicht bedingungslos wirksam. Erforderlich sind unter anderem die Genehmigung durch das australische Auslandsinvestitionsgremium FIRB für die KfW-Beteiligung sowie die Zustimmung der Aktionäre auf einer eigens einzuberufenden Hauptversammlung. Alle Bedingungen müssen bis zum 1. Dezember 2026 erfüllt sein.

Mit Hatch als bevorzugtem EPCM-Auftragnehmer und fortschreitender Standortvorbereitung rückt die finale Investitionsentscheidung (FID) näher. Bis diese getroffen und die verbleibenden Abnahmevertrag-Vereinbarungen abgeschlossen sind, bleibt die Aktie ein direktes Spiegelbild der Frage, ob Nolans zu wirtschaftlich tragfähigen Konditionen gebaut werden kann.