ArcelorMittal steht vor einem möglichen Verkauf seiner südafrikanischen Tochter an die staatliche IDC. Nach einem Bloomberg-Bericht von gestern liegt eine vorläufige Vereinbarung vor. Für Anleger ist vor allem die Aufteilung des Kaufpreises wichtig: Der größte Teil entfiele auf übernommene Schulden und nicht auf eine Barzahlung. Endgültig abgeschlossen ist das Geschäft noch nicht.

Schuldenübernahme prägt die geplante Transaktion

Der vorgesehene Gesamtwert für ArcelorMittal South Africa, kurz AMSA, beträgt rund 10 Milliarden Rand. Davon sollen etwa 3 Milliarden Rand bar fließen. Weitere rund 7 Milliarden Rand entfallen auf die Übernahme von AMSA-Schulden.

Damit wäre die Transaktion vor allem eine Lösung für die Verschuldung der südafrikanischen Einheit. Den gesamten genannten Kaufpreis als frischen Mittelzufluss für den Verkäufer zu betrachten, wäre dagegen falsch. Die Unternehmen haben die berichteten Konditionen bislang nicht offiziell bestätigt; Änderungen bleiben möglich.

Angestrebt wird ein Abschluss bis Ende 2026. Voraussetzung ist eine Aktionärsabstimmung. Die Gespräche hatten bereits im November 2023 begonnen, nachdem AMSA Pläne zur Schließung zweier Stahlwerke angekündigt hatte.

An der Börse sorgt die Aussicht auf einen Verkauf heute nicht für Rückenwind bei ArcelorMittal: Die Aktie verliert -3,9%. Daraus lässt sich allerdings keine eindeutige Bewertung der Transaktion durch den Markt ableiten. Die Vereinbarung bleibt vorläufig, während die wirtschaftliche Neuordnung der südafrikanischen Einheit noch bevorsteht.

Verluste erklären den Handlungsdruck

AMSA meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Verlust von 1,49 Milliarden Rand. Im Vorjahreszeitraum hatte das Minus 1,01 Milliarden Rand betragen.

Die finanzielle Belastung beschränkt sich nicht auf das Ergebnis. Rückläufige Erlöse und eine hohe Kreditaufnahme unterstreichen den Sanierungsbedarf. Ein neuer Eigentümer müsste daher nicht nur die Finanzierung ordnen, sondern auch über die künftige Ausrichtung der Betriebe entscheiden.

Der Umsatz sank im selben Halbjahr um 30% auf 12 Milliarden Rand. Die Nettokreditaufnahme lag bei rund 7,9 Milliarden Rand.

AMSA hat zwei Stahlwerke und eine Eisenerzmine geschlossen. Vanderbijlpark bleibt in Betrieb, während Pretoria und Saldanha stillgelegt sind. IDC plant nach einem Abschluss eine strategische Prüfung und könnte dafür Industriepartner suchen. Eine abschließende Entscheidung über die künftige Aufstellung ist damit noch nicht gefallen.

Auch die Eigentümerstruktur könnte sich verändern: Der Vertrag mit Likamva läuft Anfang Dezember 2026 aus. Die Partnerschaft soll nach Einschätzung von Insidern wahrscheinlich nicht Teil der neuen Struktur sein.

Für ArcelorMittal-Anleger sind deshalb die endgültigen Vertragsbedingungen entscheidend. Erst eine bestätigte Vereinbarung würde klären, ob die berichtete Kombination aus Barzahlung und Schuldenübernahme tatsächlich umgesetzt wird. Der nächste wesentliche Schritt ist die Zustimmung der Aktionäre zum geplanten Verkauf.