Eigentlich sind höhere Zinsen Gift für Immobilienkonzerne. Doch Aroundtown zeigt sich am Donnerstag unbeeindruckt von der angespannten Lage an den Kapitalmärkten. Die Aktie gewinnt 2,04 Prozent auf 2,31 Euro.

Anlass für die positive Stimmung ist eine neue Prognose der genossenschaftlichen Zentralbank BVR. Demnach sollen die deutschen Immobilienpreise 2026 um rund drei Prozent steigen. Treiber ist ein eklatantes Missverhältnis von Angebot und Nachfrage: Derzeit werden Wohnungsneubauten nur zu 58 Prozent des Bedarfs realisiert.

BVR-Studie stützt die Erwartung

Der Verband hat zudem errechnet, dass Wohnimmobilien zwischen 2018 und 2025 um sieben Prozent stärker gestiegen sind als die Durchschnittseinkommen. Die BVR fordert daher politische Eingriffe – etwa eine Senkung der Grunderwerbsteuer, um die Baulücke zu schließen. Für Bestandshalter wie Aroundtown sind höhere Preise grundsätzlich eine gute Nachricht.

Der Kurs liegt aktuell 7,26 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 2,15 Euro. Gleichzeitig notiert das Papier 15,25 Prozent unter der 200-Tage-Linie bei 2,72 Euro. Der RSI von 44,5 signalisiert: Der Wert ist weder überkauft noch überverkauft.

Leichte Erholung trotz Zinsdruck

Die europäischen Märkte zeigen sich indes verhaltener. Der STOXX 600 verlor am Mittwoch 0,4 Prozent, nachdem EZB-Präsidentin Christine Lagarde und Fed-Chef Jerome Powell auf dem Sintra-Forum erneut die Zinswende in den Mittelpunkt gestellt hatten. Die Märkte rechnen inzwischen mit mindestens zwei Zinsschritten von je 25 Basispunkten im Laufe des zweiten Halbjahres.

Für Aroundtown bleibt die Zinsfrage der entscheidende Risikofaktor. Höhere Kreditkosten belasten die Finanzierung, während steigende Immobilienpreise den Wert des Portfolios stützen. Die Euro-Inflation sank im Juni auf 2,8 Prozent – der niedrigste Stand seit März. Doch das reicht der EZB nicht: Das Ziel von zwei Prozent bleibt in weiter Ferne.

Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die prognostizierte Preiswende bei Wohnimmobilien ausreicht, um die höheren Finanzierungskosten auszugleichen. Die strukturelle Wohnungsnot bildet ein stabiles Fundament, der Zeitpunkt der vollständigen Erholung bleibt jedoch offen.