Die japanische Getränkeholding Asahi Group kämpft mit den Folgen eines massiven Cyberangriffs vom 29. September. Jetzt steht fest: Die persönlichen Daten von rund 1,52 Millionen Kunden könnten in die Hände von Hackern gelangt sein. Die Ransomware-Gruppe Qilin reklamierte die Attacke am 9. Oktober für sich und behauptet, Dateien aus dem internen Netzwerk erbeutet zu haben.

Die Auswirkungen des Angriffs sind erheblich. Asahi musste die Veröffentlichung der Ergebnisse für das dritte Quartal, ursprünglich für den 12. November geplant, verschieben. Auch die Jahresergebnisse für das Geschäftsjahr 2025 werden die übliche 50-Tage-Frist nach Quartalsende deutlich überschreiten. Der Grund: Die Systeme sind noch nicht vollständig wiederhergestellt, und die für den Abschluss notwendigen Prüfverfahren brauchen Zeit.

Produktionsausfälle und Lieferengpässe

Unmittelbar nach dem Angriff musste der Konzern die Auftragsbearbeitung, den Versand und die Call-Center-Funktionen lahmlegen. Die Produktion in sechs japanischen Fabriken stand still – wenn auch nur für etwa eine Woche. Doch diese kurze Unterbrechung reichte aus, um Restaurants, Bars und Einzelhändler in ganz Japan mit leeren Regalen zurückzulassen. Das Aushängeschild „Super Dry“ war vielerorts nicht mehr zu bekommen.

CEO Atsushi Katsuki gab bei einer Pressekonferenz zu: „Wir können eine Verschlechterung unserer Ergebnisse nicht vermeiden.“ Gleichzeitig betonte er, dass der mittelfristige Managementplan unverändert bleibe. Die Botschaft ist klar: kurzfristige Turbulenzen ja, strategischer Kurswechsel nein.

Europa schwächelt, Asien wächst

Trotz der aktuellen Krise lieferte Asahi ein Update zu seinen Geschäftsregionen. In Europa ging der Umsatz in den ersten neun Monaten um 3 Prozent zurück. Schuld sind ein schwaches Konsumumfeld und ungewöhnlich schlechtes Wetter in Mittel- und Osteuropa, die das Verkaufsvolumen drückten. Immerhin: Der operative Kerngewinn legte zu, getragen von einer besseren Produkt- und Preismischung sowie niedrigeren Kosten.

Anders das Bild im asiatisch-pazifischen Raum. Hier kletterte der Umsatz um 3,1 Prozent, angetrieben vom Wachstum im alkoholfreien Getränkegeschäft in Ozeanien und Südostasien. Das schwächere Alkoholgeschäft in Ozeanien konnte damit kompensiert werden. Der operative Gewinn blieb dank günstigerer Rohstoffkosten auf Kurs.

Was bedeutet das für Anleger?

Asahi arbeitet mit externen Cybersicherheitsexperten daran, das Ausmaß des Datenlecks zu klären. Betroffene Kunden sollen informiert werden, sobald ein unbefugter Datentransfer bestätigt ist. An den OTC-Märkten reagierte die Aktie am Mittwoch mit einem Kurssprung von 9,1 Prozent auf 12 US-Dollar – ein Zeichen dafür, dass Investoren möglicherweise das Schlimmste bereits eingepreist haben. Doch die verzögerten Finanzergebnisse und die drohende Ergebnisverschlechterung sorgen für Unsicherheit. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob Asahi das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen kann.