Die asiatischen Aktienmärkte starten mit Rekorden ins neue Börsenjahr, während der japanische Yen auf historischen Tiefständen verharrt. Gleichzeitig sorgt eine beispiellose Krise um die Unabhängigkeit der US-Notenbank für Verunsicherung an den Finanzmärkten – mit Gold als großem Gewinner.
Nikkei durchbricht Allzeithoch
Der japanische Nikkei-Index schoss am Dienstag nach der Feiertagspause um 3,4 Prozent nach oben und markierte ein neues Allzeithoch. Auch Südkorea und Taiwan erreichten Rekordstände, während chinesische Blue Chips auf ein Vierjahreshoch kletterten. Der MSCI Asia-Pacific Index außerhalb Japans stieg ebenfalls auf ein historisches Niveau.
Die Rallye wird maßgeblich von der Schwäche des Yen befeuert, der gegenüber Euro und Schweizer Franken auf Rekordtiefs gefallen ist. Für japanische Exporteure bedeutet dies einen Wettbewerbsvorteil auf den Weltmärkten. Hinzu kommt die Erwartung weiterer aggressiver Fiskalstimuli – eine Aussicht, die Investoren regelrecht beflügelt.
Doch die Yen-Talfahrt hat auch ihre Kehrseite: Japans Finanzministerin Satsuki Katayama sprach von einer „einseitigen Abwertung“ und teilte dem US-Finanzminister Scott Bessent ihre Besorgnis mit. Marktbeobachter rechnen mit möglichen Interventionen im Bereich von 159 bis 160 Yen pro Dollar. Das treibt Spekulanten paradoxerweise dazu, den Yen verstärkt gegen andere Währungen wie den australischen und mexikanischen Dollar zu shorten.
Politische Unruhen in Tokio und Washington
Während die Börse jubelt, droht Japan eine eigene Version der amerikanischen „Fiscal Cliff“. Premierministerin Sanae Takaichi erwägt laut Medienberichten eine vorgezogene Neuwahl im Februar – ein Schritt, der die parlamentarische Verabschiedung des Staatshaushalts und vor allem eines entscheidenden Gesetzes zur Ausgabe von Staatsanleihen verzögern könnte.
Nach japanischem Recht darf die Regierung nur sogenannte „Konstruktionsanleihen“ für öffentliche Bauprojekte ausgeben. Für alle anderen Ausgaben benötigt sie eine Sondergenehmigung durch ein separates Gesetz. Die aktuelle Fünfjahresfrist läuft im März aus. Ohne rechtzeitige Verabschiedung fehlt der Regierung das Geld für fast ein Viertel des Rekordbudgets von 783 Milliarden Dollar – darunter 22,9 Billionen Yen an Defizitanleihen.
Die Oppositionspartei DPP, deren Unterstützung als sicher galt, schwenkt nun auf Konfrontationskurs. Parteichef Yuichiro Tamaki erklärte, die Kooperation stehe „auf der Kippe“. Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen kletterte auf ein 27-Jahres-Hoch – ein deutliches Zeichen wachsender Nervosität unter Anlegern.
Fed-Krise erschüttert Märkte
Noch größere Wellen schlägt die eskalierende Auseinandersetzung zwischen US-Präsident Donald Trump und Fed-Chef Jerome Powell. Das Justizministerium hat eine Strafuntersuchung gegen Powell eingeleitet – angeblich wegen seiner Aussagen zu einem Gebäuderenovierungsprojekt vor dem Senatsausschuss im Juni 2025.
Powell wehrte sich in einer außergewöhnlichen Videobotschaft und bezeichnete die Untersuchung als „Vorwand“ zur Beeinflussung der Zinspolitik. Die Reaktion folgte prompt: Drei ehemalige Fed-Vorsitzende – Janet Yellen, Ben Bernanke und Alan Greenspan – unterzeichneten gemeinsam mit zehn weiteren Top-Ökonomen eine scharfe Stellungnahme.
„Dies ist ein beispielloser Versuch, durch staatsanwaltliche Angriffe die Fed zu untergraben“, heißt es in der Erklärung. „So wird Geldpolitik in Schwellenländern mit schwachen Institutionen gemacht, mit hochgradig negativen Folgen für Inflation und Wirtschaftsfunktion. Das hat in den Vereinigten Staaten nichts zu suchen.“
Sogar republikanische Senatoren brachen mit ungewöhnlicher Intensität aus der Parteilinie aus und stellten sich hinter Powell. Der Fed-Chef, der 14 Jahre bei der Notenbank verbracht hat, könnte nach Ablauf seiner Amtszeit als Vorsitzender im Mai als einfacher Gouverneur bis 2028 im Board bleiben – möglicherweise als institutionelle Absicherung gegen politische Einflussnahme.
Gold profitiert, Dollar schwächelt
Die Unsicherheit um die Fed-Unabhängigkeit treibt Investoren in sichere Häfen. Gold durchbrach erstmals die Marke von 4.600 Dollar je Unze, bevor es sich bei 4.582 Dollar stabilisierte. „Gold dient als Universalschutz und als Absicherung letzter Instanz gegen Angst und Unsicherheit“, erklärt Christopher Louney, Gold-Stratege bei RBC Capital Markets. Er prognostiziert Preise von bis zu 5.200 Dollar bis Jahresende.
Der Dollar-Index gab um 0,25 Prozent nach und verharrte bei 98,88 Punkten. Der Euro kletterte auf 1,1665 Dollar. Ökonomen befürchten, dass politischer Druck die Fed zu einer zu lockeren Geldpolitik verleiten könnte – mit der Folge einer schmerzhaften Inflationswelle.
Inflationsdaten im Fokus
Heute Abend stehen die US-Verbraucherpreise für Dezember im Mittelpunkt. Analysten erwarten einen Anstieg der Kernteuerung auf 2,7 Prozent im Jahresvergleich, wobei Goldman Sachs und JPMorgan sogar 2,8 Prozent für möglich halten. Die Novemberdaten waren durch einen 43-tägigen Regierungsstillstand verzerrt worden, der die Datenerhebung behinderte.
Besonders bei Mieten und Konsumgütern könnten sich die statistischen Verzerrungen nun auflösen. Zudem beginnt die allmähliche Weitergabe von Trumps weitreichenden Zöllen an die Verbraucher, nachdem Unternehmen zunächst die Importabgaben absorbiert hatten.
Die Märkte haben längst auf eine Zinssenkung im Januar verzichtet. Selbst für April liegt die Wahrscheinlichkeit unter 50 Prozent. Ein hoher Inflationswert würde auch die Chancen für Juni schmälern. Die meisten Ökonomen rechnen nach der Eskalation mit Trump ohnehin nicht mehr mit einer Zinssenkung vor Powells Amtszeitende im Mai.
Bankensaison mit politischem Beigeschmack
Die Berichtssaison startet mit Zahlen von JPMorgan Chase und Bank of New York Mellon. Das Bankmanagement wird zweifellos zu Trumps überraschendem Vorstoß befragt werden, Kreditkartenzinsen ab dem 20. Januar auf 10 Prozent zu deckeln. Die Banken warnen, dass Millionen amerikanischer Haushalte und Kleinunternehmen dadurch den Zugang zu Krediten verlieren könnten – faktisch eine Straffung der Geldpolitik.
Die Ironie: Während Trump die Fed zu tieferen Zinsen drängt, verschärft er mit eigenen Maßnahmen die Kreditbedingungen. Ob er überhaupt die rechtliche Befugnis für eine solche Zinsobergrenze hat, ist unklar – bisher hat ihn das aber wenig gestoppt.
Citi-Analysten bleiben dennoch optimistisch für globale Aktien und prognostizieren bis Jahresende rund 10 Prozent Aufwärtspotenzial für den MSCI AC World Index. „Hohe Bewertungen lassen wenig Spielraum für Fehler, sollten Unternehmen ihre Gewinnprognosen verfehlen“, räumen sie ein. „Aber ein makroökonomisches ‚Soft Landing‘-Umfeld, solide Aufwärtsrevisionen und zunehmende KI-Impulse sollten die Gewinne letztlich stützen.“


