Elon Musk lobt ASML als „wohl größtes Unternehmen Europas“. Analysten heben ihre Kursziele reihenweise an. Und die Aktie notiert nur knapp 1,8 Prozent unter ihrem Allzeithoch. Für den niederländischen Chipmaschinen-Hersteller war das eine bemerkenswerte Woche — doch die eigentliche Bewährungsprobe kommt erst.

Terafab: Musk als Katalysator mit Nebenwirkungen

Den größten Gesprächsstoff lieferte ASMLs eigene Technologiekonferenz. Musk trat dort per Video auf und warb bei ASML-Mitarbeitern für sein Terafab-Projekt. Das Vorhaben: eine Chipfabrik in Texas, die SpaceX und Tesla gemeinsam bauen wollen. Kostenpunkt mindestens 55 Milliarden Dollar. Ziel ist eine jährliche Produktionskapazität von einem Terawatt — das würde die gesamte Rechenleistung der USA verdoppeln.

ASML spielt dabei eine Schlüsselrolle. Das Unternehmen ist der einzige Hersteller von EUV-Lithografiemaschinen, die für moderne Chipproduktion unverzichtbar sind. Eine solche Maschine kostet rund 400 Millionen Dollar. Ohne ASML kein Terafab.

Der Auftritt verlief nicht reibungslos. Laut dem niederländischen Blatt Eindhovens Dagblad kursierten intern Nachrichten von Mitarbeitern, die Musks Einladung als unvereinbar mit ASMLs Werten bezeichneten. Das Unternehmen erklärte, Musk sei eingeladen worden, „seine Vision zu KI, Robotik, Raumfahrt und Halbleiterproduktion zu teilen.“

Analysten erhöhen die Messlatte

Parallel zur Konferenz zog eine Welle von Analyst-Upgrades durch den Markt. Goldman Sachs stuft die Aktie mit „Buy“ ein und hob das Kursziel von 1.600 auf 1.770 Euro an. JPMorgan ist noch optimistischer: Das Kursziel stieg von 1.515 auf 1.900 Euro, Rating „Overweight“. Morgan Stanley zog von 1.400 auf 1.660 Euro nach — ebenfalls „Overweight“.

Die Kursreaktion fiel entsprechend aus. In sieben Handelstagen legte die Aktie fast 13 Prozent zu. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus über 63 Prozent. Der Schlusskurs am Freitag lag bei 1.614,80 Euro.

China-Risiko und der Quartalsbericht am 15. Juli

Das strukturelle Risiko bleibt Chinas Anteil am Geschäft. ASML kalkuliert China mit rund 20 Prozent der Umsätze für 2026. Verschärfte Exportkontrollen könnten den Gewinn je Aktie um bis zu 10 Prozent drücken, schätzt JPMorgan-Analyst Sandeep Deshpande. Im US-Kongress liegt der sogenannte MATCH Act vor, der Chinas Zugang zu Chipfertigungsanlagen weiter einschränken soll.

CEO Christophe Fouquet hat das Thema bereits in die Jahresprognose eingepreist. ASML erwartet für 2026 einen Umsatz zwischen 36 und 40 Milliarden Euro. Die Bandbreite sei bewusst gewählt, um mögliche Exportkontroll-Szenarien abzudecken, so Fouquet. Für das zweite Quartal peilt das Unternehmen einen Umsatz zwischen 8,4 und 9,0 Milliarden Euro an.

Den nächsten harten Datenpunkt liefert der Quartalsbericht am 15. Juli. Im ersten Quartal hatte ASML 8,8 Milliarden Euro Umsatz und eine Bruttomarge von 53 Prozent erzielt. Die Frage ist, ob das Auftragsmomentum — getrieben von KI-Infrastruktur und Nachfrage nach High-Bandwidth-Memory — auch in den Q2-Zahlen sichtbar wird. Bis dahin dürfte die Aktie vor allem auf Makrodaten, Sektorbewegungen und neue Meldungen zu Exportkontrollen reagieren.