Ein Kursplus von 60 Prozent seit Jahresbeginn — und trotzdem Gegenwind von allen Seiten. ASML hat eine turbulente Woche hinter sich, die das Spannungsfeld rund um den niederländischen Chiphersteller in aller Schärfe zeigt.
Micron gibt Rückenwind — kurzfristig
Den stärksten Impuls der Woche lieferte Micron Technology. Der US-Speicherchiphersteller meldete für sein drittes Geschäftsquartal einen Umsatz von 41,46 Milliarden Dollar — mehr als viermal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Das zerstreute Zweifel an der Nachhaltigkeit der KI-Investitionszyklen. ASML-Aktien zogen am Donnerstag daraufhin mehr als vier Prozent an.
Der Aufschwung hielt nicht lange. Bereits am 23. Juni hatte ein Kursrutsch von 7,6 Prozent Spuren hinterlassen. Breites Markt-Deleveraging und Zinssorgen lösten damals Gewinnmitnahmen aus. Unterm Strich schloss ASML am Freitag bei 1.582 Euro — ein Wochenminus von knapp fünf Prozent, rund 7,5 Prozent unter dem Allzeithoch von 1.710 Euro, das erst am 22. Juni markiert wurde.
Das Orderbuch entscheidet am 15. Juli
Am 15. Juli legt ASML seine Zahlen für das zweite Quartal vor. Das Management erwartet einen Nettoumsatz zwischen 8,4 und 9,0 Milliarden Euro. Die Bruttomarge soll zwischen 51 und 52 Prozent liegen. Der Konsens der Analysten liegt beim Gewinn je Aktie bei rund 8,03 Euro.
Entscheidend wird aber nicht die Zahl selbst sein. Bank of America erwartet, dass das Orderbuch für 2027 bei der Veröffentlichung bereits voll ist. Das könnte die Diskussion von 2027 auf das Ertragspotenzial 2028 verschieben. Die Bank erhöhte ihre EPS-Schätzungen für 2027 um ein Prozent und für 2028 um fünf Prozent. Das Kursziel stieg auf 2.345 Dollar. Wells Fargo zog mit einem neuen Ziel von 2.200 Dollar nach — zuvor waren es 1.750 Dollar — und hält ebenfalls an seiner Kaufempfehlung fest.
xLight, MATCH Act und das Monopol-Risiko
Strukturell brisanter ist die Frage, wie lange ASML sein EUV-Monopol verteidigen kann. Das US-Handelsministerium und NIST stellen dem Startup xLight 150 Millionen Dollar zur Verfügung. Gründer ist Pat Gelsinger, früherer Intel-Chef. xLight entwickelt eine alternative EUV-Lichtquelle auf Basis freier Elektronen-Laser. Ein erster Prototyp soll 2028 am Albany NanoTech-Komplex in New York stehen.
Allerdings ist xLight kein direkter Konkurrent — das Startup will seine Technologie an ASML verkaufen, nicht gegen den Konzern antreten. ASML-Chef Christophe Fouquet bestätigte, dass beide Unternehmen bereits technologisch zusammenarbeiten. Parallel dazu verhandelt xLight über eine weitere Finanzierungsrunde von 350 Millionen Dollar, geführt von Boardman Bay Capital Management und Bain Capital.
Offener konkurrenzorientiert ist Substrate, ein Startup mit Unterstützung von Peter Thiel, das eine eigene EUV-Alternative entwickelt und ASML direkter herausfordern will.
Hinzu kommt der MATCH Act. Das biparteiliche US-Gesetz würde DUV-Exporte nach China verbieten und verbündete Staaten — darunter die Niederlande — verpflichten, ihre Exportkontrollen innerhalb von 150 Tagen an US-Standards anzupassen. Analysten schätzen den möglichen Umsatzschaden auf rund fünf Prozent, sollte das Gesetz in seiner jetzigen Form verabschiedet werden. China macht derzeit etwa 19 Prozent des ASML-Umsatzes aus — über die vergangenen drei Jahre summierte sich das auf rund 27 Milliarden Euro.
Das Gesetz ist noch nicht in Kraft. Der niederländische Handelsminister Sjoerd Sjoerdsma traf sich in Washington mit US-Handelsminister Howard Lutnick, um gegen eine Ausweitung der Exportbeschränkungen zu lobbyieren.
Unter 44 Analysten lautet das Durchschnittsvotum für ASML derzeit „Strong Buy“. Das Ergebnis am 15. Juli — und vor allem der Ausblick auf das Orderbuch 2027 sowie jede neue Aussage zur China-Strategie — wird zeigen, ob dieser Konsens trägt.
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