ASML zahlt diese Woche Dividende. Der Kurs des niederländischen Chipausrüsters kennt dabei seit Wochen nur eine Richtung: abwärts. Ein Widerspruch, der die aktuelle Lage bei Europas wertvollstem Technologiekonzern gut zusammenfasst.
Am Freitag schloss die Aktie bei 1.421 Euro, ein Minus von 1,02 Prozent. Über die vergangenen 30 Tage hat sich der Kurs damit um 12,54 Prozent verbilligt. Vom 52-Wochen-Hoch bei 1.748 Euro, aufgestellt Ende Juni, liegt ASML mittlerweile 18,71 Prozent entfernt.
Die Ausschüttung kommt trotzdem
Am Mittwoch überweist ASML eine Zwischendividende von 1,88 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2026. Die Aktie handelte bereits Ende Juli ohne Dividendenanspruch, an der Euronext seit dem 27. Juli, an der Nasdaq einen Tag später.
Die Zahlung reiht sich ein in einen Trend steigender Kapitalrückgaben. Für das Gesamtjahr 2025 hatte ASML noch 7,50 Euro je Aktie ausgeschüttet. Parallel läuft das Aktienrückkaufprogramm für die Jahre 2026 bis 2028 weiter – allein im zweiten Quartal kaufte der Konzern Aktien im Wert von rund 1,1 Milliarden Euro zurück.
Starke Zahlen, schwacher Kurs
Der aktuelle Rückgang wirkt paradox, wenn man die Geschäftsentwicklung betrachtet. Mitte Juli legte ASML blendende Quartalszahlen vor und hob die Umsatzprognose für 2026 bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr an.
Der Nettoumsatz im zweiten Quartal lag bei 9,3 Milliarden Euro, die Bruttomarge bei 54,0 Prozent, der Nettogewinn bei 2,9 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr rechnet ASML nun mit Erlösen zwischen 43 und 45 Milliarden Euro bei einer Marge von 54 bis 56 Prozent.
Die Marktreaktion fiel dennoch enttäuschend aus. Zum Handelsstart schoss die Aktie um mehr als 7 Prozent nach oben, gab den Großteil des Gewinns aber wieder ab und schloss den Tag nur noch rund 3 Prozent im Plus. Dieses „Sell the News“-Muster hat sich in den Wochen danach fortgesetzt.
China-Risiko trifft auf KI-Nachfrage
Zwei gegenläufige Kräfte bestimmen aktuell die Stimmung rund um ASML. Auf der einen Seite steht die robuste, KI-getriebene Nachfrage nach Lithografie-Systemen. Auf der anderen Seite die geopolitische Unsicherheit rund um China.
Das Land soll nach Unternehmensangaben in diesem Jahr weiterhin rund 20 Prozent zum Gesamtumsatz beitragen. Südkorea hat sich im zweiten Quartal zum wichtigsten Absatzmarkt entwickelt und steuerte 43 Prozent der Erlöse bei. Beim Kapazitätsausbau denkt das Management bereits weiter: Für 2027 plant ASML eine Erweiterung der Fertigungskapazität um rund 30 Prozent bei den NXE-Systemen für Low-NA-EUV und den NXT-Immersionssystemen gegenüber dem laufenden Jahr. Für 2028 prüft der Konzern eine weitere Steigerung um denselben Umfang.
Kurzfristig steht kein größeres Ereignis an, das die Richtung vorgeben könnte. Der nächste fixe Termin für Investoren ist der Capital Markets Day am 10. Juni 2027 – bis dahin dürfte die Kursentwicklung vor allem von der allgemeinen Stimmung im Halbleitersektor sowie neuen Nachrichten zu den Exportbeschränkungen gegenüber China abhängen.
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