ASML-Aktien springen am Dienstag um 2,82 Prozent nach oben, auf 1.562,60 Euro. Der Grund: Anleger positionieren sich vor den Quartalszahlen, die der niederländische Chipausrüster vor Handelsbeginn in den USA am Mittwoch vorlegt. Der Kurs liegt damit 4,81 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 1.490,93 Euro, bleibt aber noch 10,61 Prozent unter dem Rekordhoch von 1.748 Euro vom 30. Juni entfernt.
Analysten erwarten starke Zahlen
Die Erwartungen an der Wall Street sind hoch. Laut LSEG-Schätzungen soll der Nettogewinn im zweiten Quartal um 8,8 Prozent auf 2,61 Milliarden Euro steigen. Der Umsatz soll um 14 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro klettern. Analysten rechnen zudem mit einer Anhebung der Jahresprognose, die aktuell bei 36 bis 40 Milliarden Euro Umsatz liegt.
Susquehanna-Analyst Mehdi Hosseini gehört zu den Optimisten. Er erwartet einen klaren Beat-and-Raise-Bericht und verweist darauf, dass ASML seine Kapazitäten bis Ende 2027 bereits ausgebucht haben könnte.
Morningstar-Analyst Javier Correonero geht noch weiter. Er hält das Umsatzziel von mindestens 44 Milliarden Euro für 2030 für überholt. Seine eigene Prognose: 60 Milliarden Euro. ING-Analyst Marc Hesselink sieht zusätzliches Aufholpotenzial, da ASML den Philadelphia Semiconductor Index in diesem Jahr bislang underperformt hat. Starke Zahlen kombiniert mit einer Kapazitätserweiterung könnten diesen Rückstand aufholen, so Hesselink.
Kapazität wird zur zentralen Frage
Neben den reinen Finanzkennzahlen achten Investoren genau auf die Produktionspläne. CEO Christophe Fouquet erklärte im April, ASML wolle unbedingt vermeiden, erneut zum Flaschenhals der Branche zu werden — wie während der Corona-Pandemie.
Das Unternehmen plant, dieses Jahr 60 EUV-Maschinen auszuliefern, im kommenden Jahr 80. Theoretisch wären laut ASML sogar 90 Einheiten möglich, ohne zusätzliche Kapazitäten aufzubauen. JPMorgan-Analysten trauen dem Konzern sogar bis zu 110 Maschinen zu.
ASML selbst zeigt sich flexibel: Über die Marke von 90 Maschinen hinaus prüft der Konzern kreative Lösungen für Kunden. Dazu zählen Upgrades älterer Maschinen, schnellere Montage und zügigere Installation. Um die Lieferketten abzusichern, hat sich ASML zusätzliche Vorräte kritischer Bauteile gesichert — Linsen und Spiegel vom deutschen Zulieferer Zeiss, Hochleistungslaser vom ebenfalls deutschen Unternehmen Trumpf.
Zahlen fallen in eine angespannte Branchenphase
Die Ergebnisse kommen zu einem heiklen Zeitpunkt für die Chipbranche. Anleger sind derzeit nervös wegen eines Ausverkaufs bei KI-getriebenen Tech-Aktien. Das verleiht den Zahlen von Taiwan Semiconductor Manufacturing und ASML in dieser Woche zusätzliches Gewicht — vor allem die Investitionsausgaben von TSMC und ASMLs Kapazitätsplan dürften die Richtung der gesamten Branche vorgeben.
Die Nachfrage der wichtigsten Kunden bleibt das Fundament der optimistischen Einschätzung. ASML ist mit einer Marktkapitalisierung von 610 Milliarden Euro das wertvollste börsennotierte Unternehmen Europas. Der KI-Boom hat den Aktienkurs in diesem Jahr um fast 70 Prozent nach oben getrieben. Speicherchip-Hersteller wie SK Hynix, Samsung und Micron bauen ihre Kapazitäten aus. Größter Kunde TSMC, der die Chips für Nvidia fertigt, expandiert ebenfalls. Intels Erholung und Elon Musks TeraFab-Pläne könnten die Nachfrage zusätzlich anheizen.
Ausblick
Mit einem Kursplus von 58,11 Prozent seit Jahresbeginn und 126,20 Prozent über zwölf Monate sind die Erwartungen vor dem Mittwochstermin entsprechend hoch. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 64,80 Prozent zeigt, wie empfindlich die Aktie auf das Ergebnis reagieren dürfte. Der Markt bewertet dabei nicht nur die Quartalszahlen selbst. Genauso wichtig wird sein, ob ASML seinen Kapazitätsplan gegen die stark steigende KI-Nachfrage und die geopolitischen Risiken durch US-Exportbeschränkungen gegenüber China verteidigen kann.
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