Ein Chip aus China schickt Europas wertvollsten Technologiekonzern auf Talfahrt. Wenige Tage später kaufen Anleger die Aktie zurück, als hätte es die Panik nie gegeben. Genau das ist am Donnerstag passiert.

ASML legte um 6,71 Prozent zu und schloss bei 1.444,00 Euro. Die Erholung kommt nach einer harten Woche: Über sieben Handelstage hatte die Aktie 6,69 Prozent verloren, auf Monatssicht sogar 11,13 Prozent. Ausgelöst hatte den Absturz ein Bericht über einen neuen chinesischen Wettbewerber bei Lithografie-Maschinen.

Die China-Angst war übertrieben

Chinesische Hersteller bauen eigene DUV-Maschinen. Das ist die ältere Lithografie-Technologie, mit der Chips im mittleren Leistungsbereich entstehen. Für ASML dürfte der Effekt aber gering bleiben, denn die Umsätze des Konzerns in China schrumpfen ohnehin schon seit Monaten aus anderen Gründen.

Die ersten Schlagzeilen reichten trotzdown aus, um Investoren zu verunsichern. ASML dominiert den Markt für Immersions-DUV-Systeme, jede Nachricht über neue Konkurrenz aus China trifft einen wunden Punkt. Genau deshalb fiel die Reaktion zunächst so heftig aus.

Analysten widersprechen der Panik

Große US-Banken stuften den Ausverkauf schnell als übertrieben ein. Bank of America und weitere Häuser argumentierten, die tatsächliche Wettbewerbsgefahr rechtfertige die Kursverluste nicht. Mehrere Analysten blieben nach dem Rückschlag bei ihrer positiven Einschätzung zur Aktie.

Der Grund: Die entscheidende Hürde für modernste Chipfertigung ist nicht DUV, sondern EUV-Technologie. Bei extremer Ultraviolett-Lithografie hat kein chinesischer Hersteller bislang eine vergleichbare Fähigkeit gezeigt. Der technologische Abstand bleibt riesig.

Die Branche steckt in einer größeren Krise

Der ASML-Einbruch traf zudem auf ein ohnehin schwieriges Marktumfeld. Chip-Aktien insgesamt erlebten einen der schlechtesten Julimonate der jüngeren Geschichte. Die China-Sorge um ASML kam damit zu einer Zeit, in der Anleger bereits über den gesamten KI-Investitionszyklus nachdachten.

Mehrere Marktstrategen ordneten die Verluste eher als Stimmungsphänomen ein, nicht als Zeichen schlechterer Geschäftszahlen bei Ausrüstern wie ASML. Andere warnten, die breitere Korrektur im Halbleitersektor sei möglicherweise noch nicht ausgestanden.

Trotz der Turbulenzen der vergangenen Wochen steht ASML seit Jahresbeginn mit 56,70 Prozent im Plus. Auf Zwölfmonatssicht beträgt das Plus sogar 136,68 Prozent – ein Aufstieg, der die aktuelle Delle relativiert, auch wenn die Aktie noch 17,39 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro notiert.

Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob sich die Erholung fortsetzt oder ob neue Nachrichten aus China erneut für Nervosität sorgen. Für die grundsätzliche Marktposition des Unternehmens bei modernster EUV-Technologie sehen die befragten Analysten aktuell keine ernsthafte Bedrohung.