Der Chipmaschinenbauer ASML meldet Zahlen, die deutlich über den Erwartungen liegen. Trotzdem verliert die Aktie an diesem Donnerstag 1,18 Prozent und notiert bei 1.560,00 Euro. Der Grund liegt nicht in schwachen Geschäften, sondern in der schieren Wucht der vorangegangenen Rally.

Starke Zahlen, angehobene Prognose

Im zweiten Quartal 2026 erzielte ASML einen Umsatz von 9,3 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 2,9 Milliarden Euro. Der Gewinn je Aktie lag bei 7,59 Euro. Die Bruttomarge erreichte 54,0 Prozent, das obere Ende der eigenen Zielspanne.

Für das Gesamtjahr 2026 hebt ASML die Umsatzprognose kräftig an. Statt 36 bis 40 Milliarden Euro erwartet der Konzern nun 43 bis 45 Milliarden Euro. Für das dritte Quartal peilt das Management einen Umsatz zwischen 11 und 12 Milliarden Euro an, bei einer Bruttomarge von 55 bis 57 Prozent.

Der Auftragseingang im ersten Halbjahr beschreibt ASML selbst als „extrem stark“. Treiber ist der Bau von KI-Infrastruktur, der die Nachfrage nach modernen Logik- und Speicherchips explodieren lässt. Besonders der Speicherbereich zieht an: Die Sparte für High Bandwidth Memory wuchs im Jahresvergleich um 75 Prozent.

Kapazitätsoffensive bis 2028

Die Nachfrage übersteigt aktuell die Fertigungskapazität von ASML. Der Konzern reagiert mit einem mehrjährigen Ausbauplan für seine Belichtungsanlagen.

Die Kapazität für Low-NA-EUV- und DUV-Immersionssysteme soll 2027 gegenüber 2026 um 30 Prozent steigen. Konkret will ASML 2026 rund 65 Low-NA-EUV-Systeme ausliefern, 2027 sollen es etwa 85 werden. Für 2028 prüft das Management einen weiteren Kapazitätssprung um 30 Prozent — das würde die Jahresproduktion auf rund 110 Einheiten treiben.

Ein technologischer Meilenstein kommt von Intel. Der Chiphersteller nutzt nun offiziell die High-NA-EUV-Systeme von ASML (TwinScan EXE) für die Serienfertigung seiner „Panther Lake“-Prozessoren im 18A-Verfahren. Die neuen Anlagen kosten rund 400 Millionen Dollar pro Stück und verursachen 2,5-mal höhere Belichtungskosten als die Vorgängergeneration. Dafür erreichen sie eine Auflösung von 8 Nanometern, verglichen mit 13 Nanometern beim älteren Standard.

Verschiebung Richtung Asien

Die Kundenstruktur von ASML verändert sich spürbar. Chinas Anteil an den Systemverkäufen fiel von 19 Prozent im ersten Quartal auf 14 Prozent im zweiten. Südkorea und Taiwan füllen die Lücke: Sie stehen nun für 43 beziehungsweise 30 Prozent der Auslieferungen.

Diese Verschiebung spiegelt die massiven Investitionen der dortigen Foundry- und Speicherhersteller wider. Der Lithografie-Engpass verschafft ASML dabei eine ungewöhnlich starke Verhandlungsposition. Im Rahmen des Earnings Calls signalisierte das Management Spielraum für Preiserhöhungen bei fortschrittlichen Systemen. Verhandlungen mit Großkunden wie TSMC über Servicepakete und Rabatte laufen laut Unternehmen weiter.

Kursverlauf und Kapitalrückgaben

Mit einem Plus von 57,85 Prozent seit Jahresbeginn zählt ASML zu den stärksten Werten im europäischen Technologiesektor. Der Kurs liegt aktuell 10,76 Prozent unter seinem Rekordhoch von 1.748,00 Euro vom 30. Juni. Gemessen am 52-Wochen-Tief von 593,60 Euro bleibt die Aktie dennoch 162,80 Prozent im Plus. Die Marktkapitalisierung beträgt 604,72 Milliarden Euro.

Der Relative-Stärke-Index von 50,1 deutet auf eine neutrale Marktlage nach der jüngsten Volatilität rund um die Zahlen hin. Der Kurs notiert weiterhin klar über dem 200-Tage-Durchschnitt von 1.180,45 Euro — ein Abstand von 32,15 Prozent.

Parallel zum operativen Wachstum hält ASML an seinem Kapitalrückgabeprogramm fest. Im zweiten Quartal kaufte der Konzern eigene Aktien im Wert von 1,1 Milliarden Euro zurück. Eine Zwischendividende von 1,88 Euro je Aktie ist beschlossen, Zahltag ist der 5. August 2026.

Für das Gesamtjahr rechnet ASML mit einer Bruttomarge zwischen 54 und 56 Prozent. Die Kombination aus Rekordnachfrage, Kapazitätsengpass und Preismacht dürfte den Fokus der Anleger in den kommenden Monaten auf die Fortschritte beim Kapazitätsausbau lenken.